Tamashii no Utsuri

Ein RPG in der Welt der Shinobi
 
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 Ringos Training

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BeitragThema: Ringos Training   So März 23, 2014 10:35 am

~ Ringos Weg zum Feuer ~

Ringo Sarutobi hatte sich nur selten so verloren gefühlt. In diesen raren Momenten rekapitulierte ihr Leben vor ihrem Inneren Auge und peinigte sie mit flammenden Peitschenhieben. Wäre sie doch nur nicht fortgelaufen. Hätte doch nur nicht Fahnenflucht begangen. Dann wäre sie nicht in dieser Lage. In diesem speziellen Falle säße sie nicht in dem Operationssaal eines unterirdischen Labor-Komplexes. Ihre blassblauen Augen schauten groß und rund auf die Regale und Arbeitstische. Und auf den Rücken der Frau, die sie hergebracht hatte. Mir ist... irgendwie mulmig.
Ah? Wäre mir auch. Epona warf Ringo einen Blick zu. Kein Stück mitfühlend oder schwesterlich. Eher spöttisch. An deiner Stelle würde ich mir ins Höschen machen vor dem, was gleich passiert. Was auch immer das sein wird. Aber nun ja... wer schön sein will, muss leiden. Und wer stark sein will, muss das offenbar auch.
Ringo schluckte, noch ein Eckchen einsamer als vorher. Gäbe es noch eine Chance auf Rückzieher? Ihre Stimme zitterte, ganz leicht und unterschwellig.
Gäbe es, ja. Epona schritt ein Regal ab, nahm nichtmals Blickkontakt auf. Klang souverän und gelassen wie eine Mutter, die ihrem Töchterlein im Supermarkt erklärte, woher die Wurst kommt, während sie zugleich die Preisschilder zweier Marken Erbsensuppe vergleicht. Es wäre sogar ganz einfach. Sag nur "Ich will hier raus", und du kommst hier auch raus. Auf Wunsch nehme ich dich sogar an die Hand. Du und ich, wir sind beide etwas Besonderes. Ich würde niemals eine Kunoichi zu irgendwas zwingen. Nun wandte sie sich doch um, Ringo ein sanftes Lächeln schenkend. Es schwang lediglich eine Unze Mitleid darin mit. Allerdings bekämst du, wenn du nicht artig erträgst, auch keine Süßigkeit. Ergo kein hübsches Power-Up - so nennt man das doch heutzutage, nicht wahr? Und wer war es, wenn nicht du selbst, die mich anflehte, dir Kraft zu geben?
Ja... Zerknirscht wie ein Kind, welches seine Wünsche bereute. Zutiefst bereute. Aber andererseits noch immer ein morbides Interesse daran verspürte, zu erfahren, was sich hinter der bösen und stets verschlossenen Tür befand. Ich weiß ja.
Was, du weißt ja? Gehen? Oder Kraft bekommen?
Kraft. Hände ballten sich. Verkrampften sich. Wir bleiben, eindeutig. Ich brauche mehr Kraft.
Fein. Wenngleich sich mir nicht erschließt, weshalb du so verbissen bist. Doch mir soll es recht sein... so bekomme ich immerhin was zu sehen.
Ringo starrte Brandlöcher in die leere Luft. Ja, wofür brauchte sie die Kraft? Sie hatte Selvaria gesehen, Maya Kurayami. Beides Frauen, die so weit fort von ihr selbst waren wie der Mond von der Laterne. Sie kam sich mickrig vor, so leicht auslöschbar wie ein Insekt. Zugleich aber zog das Licht dieser beiden Frauen - und anderer - sie an wie eine Motte. Dazugehören. Es bedeutete ihr soviel. Und wenn man Macht brauchte, um sich in eine solche Elite von Kriegerinnen einzukaufen, dann würde sie jeden Weg gehen, diese Kraft auch zu erhalten. Außerdem waren da noch andere Gestalten, die in ihrem Kopfe umherschwirrten. Ihr Vater zum Einen. Tenzou Hokusai zum Anderen. Beide wollte sie verblüffen, erstaunen... den Einen zum Schweigen bringen, den Anderen beeindrucken. Dieses Gefühl gab Kraft. Andere Kraft als die, die sie benötigte, aber immerhin. Sie half.
Sie half dabei, nicht zusammen zu zucken, als sich die Tür öffnete und ein Man eintrat: Ein junger, gutaussehender Kerl im Arztkittel, mit einem wachen Blick und freundlichen Gesichtszügen. Er lächelte, als er der beiden Kunoichi gewahr wurde. Werte Damen; welch anziehender Besuch. Das bin ich kaum gewohnt. Er ergriff Eponas Hand; augenscheinlich wußte er auf den ersten Blick, wer hier die Wichtige war. Epona-san, eine Ehre, Sie hier begrüßen zu dürfen.
Oh, danke sehr. Epona ließ sich das Händchenhalten drei bezaubernd lächelnde Sekunden gefallen, dann machte sie sich los, warf Ringo einen Seitenblick zu. Na herrlich, reden kann er, findest du nicht? Hoffentlich kann er genauso gut mit dem Geld umgehen, das wir ihm zur Verfügung stellen, hm?
Der junge Mann behielt seine eifrige Miene bei. Ganz wie abgemacht, findet sich Ihr Geld in guten Händen und wird sorgsam investiert. Sie werden zufrieden sein. Er trat an Ringo heran, verbeugte sich. Tao Yoshikawa der Name.
Das will ich hoffen ließ sich Epona vernehmen, Wir zahlen schließlich ungern für Ihre zuckrige Rhetorik allein. Möchte ich schöne Worte und vollmundige Versprechungen hören, gehe ich in eine Bar und lasse mich angraben. Diese Worte brachten Tao dazu, sich sogleich wieder abzuwenden, noch ehe Ringo sich ihrerseits vorstellen konnte.
Ihr werdet sicherlich sehr oft angegraben, Epona-San.
Ihr seid ein solches Genie. Beginnen wir nun endlich mit dem Abklopfen Eurer Ergebnisse, wenn ich bitten darf. Die Kunoichi schritt an Ringos Seite, legte ihr eine Hand auf die Schulter. Was habt Ihr zu bieten? Wie werdet Ihr aus diesem Gör ein Kraftpaket machen?
Hm. Natürlich mit unserer hochwertigsten Errungenschaft: Dem Juin.
Juin? Ein Siegel? Epona blinzelte. Ich verstehe nicht wirklich viel von Fuuin, doch mir wäre neu, dass Schriftzeichen Kräfte erwecken. Einschließen und Bannen, ja. Aber steigern?
Oh, das Juin ist keine simple Ansammlung von Kanji erklärte Tao beflissen, Es bannt auch keineswegs oder verschließt, ganz im Gegenteil. Es öffnet viel eher. Er legte nun selbst Hand an; befühlte Ringos Oberarm. Es ist eine Art Schleuse. Für die Energie der Natur, die uns umgibt. Das Juin lässt sie ein in den Körper und erweckt Mächte, die man sich kaum vorzustellen vermag.
Ich bekäme aber ein Siegel irgendwohin? mischte sich Ringo nun ein, Ein Zeichen? Wie ein Tattoo?
Stell keine dummen Fragen, Mädchen rügte Epona, Wenn du ein Tattoo möchtest, kaufe ich dir eins anderswo, dafür brauche ich keine harten Ryo in Wissenschaftsprojekte aufstrebender Forscher zu pumpen.
Ein Tattoo gäbe es aber, ja erwiderte Tao nun, Das Juin ist nicht unsichtbar. Wir könnten es ansetzen, wo wir wollten. Wobei ich anmerken darf, dass eine weniger prominente Stelle taktisch besser wäre... hier etwa. Er tippte auf einen Punkt zwischen Ringos Schulterblättern. Damit gehe ich doch konform? Wobei sich, soweit unsere Erkenntnisse, das Juin ohnehin offenbart, wenn es aktiviert wird. Mit dem Juin gehen auch stets temporäre Transformationen der Physis einher...
Ringo horchte auf, Epona gleichfalls. Die Eine wirkte munterer, die Andere abgeschreckter. Während Ringo sich selbst bereits vor sich sah, mit Fledermausflügeln oder Sensenklauen oder anderen, stylischen Monstergliedmaßen, erweckten diese Aussichten eindeutig Eponas Missgunst.
Was bitte? Macht es einen Dämon aus einem?
Das klingt so coo-
Klappe.
Oh, ich bitte um Beruhigung erhob Tao nun wieder das Wort und gleichsam die Hände, um Eponas Laune zu mäßigen. Soweit überliefert, können die Verwandlungen durchaus drastisch sein, keine Frage - doch erst in wirklich fortgeschrittenem Stadium. Ein Stadium, welches sicherlich nicht zwingend und ständig gebraucht wird - schon die unteren Stufen sollten für einen adäquaten Schub sorgen.
Da bin ich ja mal gespannt. Epona wirkte nicht überzeugt. Doch letztlich reizte es sie doch. Sie wandte sich an Ringo. Nur zur Versicherung. Willst du dieses Juin-Tattoo? Ganz sicher?
Vor Ringos Innerem Auge spielten sich noch immer allerlei spektakuläre Szenen ab, in denen sie die erste Geige spielen durfte, durch den Himmel flog oder Wände durchbrach und sich mit Adamantium-Fingernägeln durch Feindeshorden schnetzelte. Ja.
... Ach was solls. Wegwerfende Handbewegung. Beweisen Sie Ihr Können und den Wert Ihres Juins, und dann schauen wir mal...

Es wirkt einfach, ja - schauen Sie doch bitte die Tinte nicht so despektierlich an - doch hier liegt die große Kunst nunmal nicht im Auftragen selbst, sondern in der Vorarbeit. Es benötigte unglaubliche Anstrengungen, die Zutaten zusammen zu tragen... wir brauchten die Erlaubnis, diverse Gräber zu öffnen und DNA-Proben zu entnehmen... wir bekamen sie nicht und mussten hochqualifizierte Diebe anheuern... Was, inwiefern "Die Ausgabe hätte man sich sparen können"? Oh, natürlich... Beim nächsten Mal. Wir brauchten Lektüre, extradimensionales Öl - es löste sich ständig in Dampf auf, wann immer wie es per Kuchiyose herbeibeschworen, es war unglaublich schwer zu untersuchen und zu reproduzieren, und die Menge an sich ist nicht das Gelbe vom Ei. Was solls, ich könnte noch hunderte Einkaufslisten herunterbeten, um Ihnen zu verdeutlichen, wie aufwändig diese Geschichte ist... doch es war schon immer mein Traum, dieses Meisterwerk zu erschaffen, und nun bin ich hier, um eine unschuldige Kinderseele zu korrumpieren... das klingt fieser, als es wirklich ist.
Ringo hatte nun doch wieder ein höchst ungutes Gefühl. Allerdings nur für wenige Sekunden, ehe der pure Schmerz in ihren Rücken eindrang wie ein glühender Schürhaken.

Die Ohnmacht entließ sie aus ihrer dämpfenden Gnade, als würde ein Katzenbaby aus einer Wolldecke gewickelt und in den Schnee gesetzt. Ringo kam so derartig abrupt zu Bewusstsein, dass sie hochfuhr, doch Lederriemen an Händen und Füßen rissen sie grob wieder zurück. Immerhin wars kein Metalltisch, auf dem sie aufschlug, sondern Kissen, in denen sie versank. Was war los gewesen? Ach ja... das Tattoo. Ihre Aufmerksamkeit dorthin lenkend, wo man ihr zuletzt irgendetwas Glühendes in die Haut gesenkt hatte. Zwischen ihren Schulterblättern lag ein Fremdkörper. Wie ein klebriger Flatschen von etwas Dickflüssigem. Da sie sich nicht rühren konnte, tastete sie eher mit ihrem Bewusstsein nach der Stelle als mit den Händen. Es brannte nicht, kein heißes Messer durchfetzte sie. Gut. Fühlte sich dennoch an wie eine Art Dorn im Rücken.
Papierrascheln. Irgendwer jenseits ihres Sichtfeldes legte eine Zeitung weg. Siehe da... du bist wach. Klicken hochhackiger Schuhe hinter ihr, dann legte sich eine Hand auf ihre Wange. Tut uns leid wegen der Fesseln. Du hast um dich geschlagen.
Hmmm... wann? Ringos Zunge hatte einen Belag, der bittrig schmeckte.
Eher, wie oft. Hab wirklich mehrfach versucht, dir die Knebel und Riemen zu ersparen. Fünfmal, dann aber hatte Tao wirklich keine Lust mehr.
Ringo spürte Hunger, Durst, Schlappheit in zusehendem Maße. Ich bin fünfmal ausgetickt?
Zwölf Male. Die anderen sieben Male hast du festgeschnürrt zappelnd verbracht. Nun ja... das Leiden ist vorbei, nun hast dus überstanden. Denke ich. Lass uns mal die Fesseln lösen. Mit betonter Sanftheit öffnete Epona die Schließen der Riemen, tätschelte Ringos Handgelenk. Das Mädchen spürte das Kribbeln eingeschlafener Gliedmaßen, das sich bis zum Schmerz hochsteigerte, als das Blut wieder frei fließen konnte. Sie kroch, nein floß eher von ihrer Bettstatt herunter, kam wackelig auf die Füße. Epona bot sich als Stütze an. Du siehst schrecklich aus. Wie siehts in deinem Inneren aus? Fühlst dich sicher noch nicht wohl genug für einen Test, nein? In der Stimme der Älteren schwang durch, dass ihr es aber doch ganz lieb wäre, wenn Ringo nicht noch länger unnütz herumliegen würde. Du hast übrigens drei Tage lang geschlafen.
Oh Schitt!
Kein Schitt, Nahrungspillen. Versuche es mal hiermit.
Ringo nahm die dargebotene Pille und kaute darauf herum. Die vertraute Wirkung stellte sich ein: In ihrem Bauchraum regte sich der in die Gänge kommende Chakrakreislauf. Sie ließ die Energie kontrolliert durch ihre Glieder fließen, leitete sie zuerst in Unterbauch und Beine, erhöhte langsam den Pegel auf Normal-Niveau. Spürte mit leichtem Unbehagen, wie das Prickeln wieder anschwoll, wo das Juin saß. Das fühlt sich seltsam an...
Kann ich mir denken. Du hast da eine ganze Menge an Kanjis aufgemalt bekommen. Energie-Kanalisierung oder so etwas. Erst vorhin wurden sie wieder entfernt, bis auf einen kleinen Kreis... du magst es sicher gern sehen? Hier, ein Spiegel...
Schon erwähnt, dass Ringo obenrum nackt war? Ohnehin noch zu wacklig auf den Beinen, um allein stehen zu können, torkelte sie Epona nach und drehte sich mit dem Rücken zu einem mannshohen Spiegel, schaute über die Schulter.
Tomoe. Drei Tomoe, münzgroß und einander wie in einer Drehbewegung zugewandt. Umschlossen wurde das Juin von einem wirklich dünnen Zäunchen aus winzigsten Kanji. Ringo verdrehte sich ein wenig mehr den Hals, machte die Augen schmal. Das sieht ja aus wie mit der Nadel gestochen.
Du willst nicht wissen, womit das in deine Haut geschlitzt wurde. Wollen wir nun einen Testlauf machen, oder nicht?

Schon wieder der verdammte Schürhaken!
Au! Es geht nicht!
Das sieht verdammt schlecht für dich aus, Tao... Irgendwann in den letzten Tagen musste Epona angefangen haben, den Wissenschaftler zu duzen. Dieser hob schon wieder entschuldigend die Hände.
Alles eine Frage der Übung, also bitte. Schaut mich nicht stets so knurrig an, es wird sich alles fügen!
Ich kann nichtmals Chakra schmieden! rief Ringo aus. Und reden sie nicht von mieser Kontrolle! Ich bin gut darin, ich kann das! Aber es brennt ja schon beim Schmieden, ich komme nichtmals zu Fingerzeichen!
Die Paralyse ist nicht unerwartet. Wir sind darauf eingestellt, glaubt mir das schlicht. Das Juin... ist in gewisser Weise beleidigt, weil du dein Chakra falsch schmiedest.
Beleidigt? Ernsthaft? Hochwissenschaftlichen Eid drauf?
Du hast das Mädchen doch auch nicht besonders erwachsen behandelt; lass es mich so erklären, dass sie es versteht.
Meine Glieder sind gelähmt, aber hören kann ich noch. Wobei die Lähmung bereits wieder abflaute; Ringo raffte sich langsam und gequält dreinschauend wieder auf. Was also soll ich machen? Wie bitte schmiedet man Chakra falsch? Ich habe es jahrelang richtig gemacht.
Du musst dir bewusst werden, dass du nun über eine zusätzliche Energiequelle verfügst. An deinem Juin sammelt die Kraft; es wird aus der Umgebung gefiltert und wartet nur darauf, eingesetzt zu werden. Du spürst das Prickeln, oder nicht?
Ja. Also was nun? Soll ich es... abholen?
In gewisser Weise... ja. Schicke deine Energien, körperliche und geistliche, zum Siegel. Schmiede das Chakra dort und hole dabei die Energie ab, wenn dir dieses Bild gefällt.
Ringo nickte. Biss in Erwartung des Schmerzes die Zähne zusammen, als sie ihre Energien sammelte. Diesmal durfte es sich zwar in ihrem Herzen treffen... aber ich will sie dort nicht zusammenschmieden... Nein... Da kam es schon wieder, angriffslustig wie ein Honigdachs schob sich der drohende Schmerz an sie heran. Sie brach ab, sammelte sich neu, versuchte es wieder. Es war so anstrengend, etwas so Einfaches plötzlich ganz anders tun zu müssen. Mental schob sie die Energien auf das Siegel zu, schubste sie wie zwei Blasen Wackelpudding. Presste sie dagegen. Und schmiedete Chakra.
Das Gefühl war ein Seltsames. Wie zum ersten Mal Alkohol? Ein fast schon sanftes Brennen schob sich über ihren Körper, dass sich ihre Nackenhäärchen aufstellten. Diesmal aber war es auszuhalten. Ich habs jetzt... glaube ich... Nervösität trieb sie dazu, das Chakra möglichst schnell loszuwerden: Sie pumpte es einfach in die Fußsohlen, als wolle sie sich an der Decke festhalten, obwohl sie auf festem Grunde stand. Das Gefühl verschwand wieder. Ich habe Chakra geschmiedet.
Epona betrachtete Ringos strahlende Miene geradezu mitleidig. Wunderschön, Liebes. Sie wandte den Kopf zu Tao. Sie kann Chakra schmieden, Tao. Phänomenal.
Der Wissenschaftler wankte nicht, trotz dieser Giftspritze. Manchmal muss man zum Anfang zurück, um übers Limit hinaus zu gehen. Fange mit einfachen Übungen an, lerne dein Chakra auf diese Art zu schmieden. Und wenn du das kannst, sehen wir weiter.

Ringo lernte. In dem unterirdischen Labor-Komplex gab es sogar eine Trainingshalle; sie turnte zwischen den Holzpfählen, rannte die Wände hinauf. Fiel wieder runter, gelähmt. Erreichte die Decke um Armeslänge, ehe sie wieder abstürzte. Kletterte auf allen Vieren nach oben und hängte sich wie eine Fledermaus an die Decke. Tobte im Federstil durch einen Irrgarten aus Holzpuppen. Es brauchte nur drei Tage, ehe ihr das Chakraschmieden wieder so gut gelang, alsdass sie sich an Jutsu wagen konnte.
Naturenergie, ja? fragte Epona, von hoch oben Ringos Turnübungen zusehend.
Exakt. Die Kraft zwischen Himmel und Erde. Für gewöhnlich nicht einmal wahrnehmbar, selbst für Sensor-Nin nicht. Doch es gibt einzelne Individuen, die dazu durchaus in der Lage sind. Mittels der zur Verfügung gestellten Gelder konnten wir einige DNA-Proben dieser Individuen in unseren Besitz bringen. Es half uns ungemein.
Ich bin gespannt. Bislang hüpft sie nur. Immerhin fällt sie nicht ständig hin, doch Fortschritte und "Power-Ups" stelle ich mir anders vor.
Sobald sie es richtig im Griff hat, wird sie ihre Leistung maximieren können.

Es kam der Tag, an dem Ringo Feuer spie.
Ihre Übungen wandten sich von bloßen Turneinlagen dem Ninjutsu zu: Sie übte sich in niedrigrangigen Künsten, spie Wasser und Rauch umher, wie sie es lustig fand, und erhielt plötzlich so etwas wie eine Eingebung: Mit einem Male spürte sie es, das Kribbeln und Brennen zwischen ihren Schulterblättern. Kraft. Bereit, abgeholt zu werden. Die Sarutobi hielt inne, von einem seltsamen Rausch der Vorfreude ergriffen, und leitete körperliche und geistige Energie an diesen Punkt. Fühlte das Wachsen der Anspannung wie einen turbulenten Wirbel der Energie! Rasch schloss sie Fingerzeichen.
Gokakyuu.
Rauch. Zuerst. Dann. Feuer. Eine Flammenkugel eruptierte vor Ringos Augen, schleuderte sie förmlich auf den Rücken. Woah!
Feuer. Feuer. Echtes Katon. Es war so gleißend hell, dass es ihre Augen zum Tränen brachte. Freudentränen. Sie tropften über ihre Wangen, zogen Spuren nach sich. Nur ganz kurz, nur ganz fein zeichneten sich winzigste Schüppchen an diesen Spuren ab.

---

2736 Worte

~ Ringos Weg zum Wasser ~

Seit dem letzten Besuch war einige Zeit vergangen. Takatane konnte nicht sagen, wieviel Zeit. Fest stand, dass es mehr war als fünf Minuten, weniger aber als sechs Stunden. Das verriet ihm sein Magen.
Du hier, Taka-san.
Hmhmm. Ich hier.
Hätt ich nicht gedacht, dass dus wirklich bist, als man mir von dem dunkelhäutigen Kerl im Gefängnis erzählte. Kurzes Schweigen. Ich habe ein Angebot, Taka-san.
Hmhm. Wie lautets?
Gegenfrage. Was gibts so Neues auf dem Taijutsu-Markt?


Es gab Spannendes Neues, wie sich herausgestellt hatte.
Wenn Ringo irgendwann ihre Memoiren schrieb, würde sie wohl mit Stirnrunzeln auf diesen Lebensabschnitt blicken. Auf diese seltsame Zeitspanne der Umkehr. Sie hatte Blut, Schweiß und Tränen gelassen für "wahres" Katon und es am Ende doch wieder verloren. Das Juin besaß nicht mehr die Macht, für die es einst geschaffen worden war.
Und sie widmete sich dem Wasser. Dem Suiton. Der von ihr dereinst am meisten verachteten Chakra-Natur überhaupt. Als sich diese Natur als ihr zweites Element hervorgetan hatte, wie waren da die Tränen geflossen.
Trotz und Not hatten dazu geführt, dass sie überhaupt einige Künste dieser Sparte erworben hatte, so widerwillig, wie sie Taijutsu praktizierte.
Und nun überkam sie sogar eine Art von Freude, wenn sie das Chakra schmiedete und die Fingerzeichen schloss, welche Takatane ihr genannt hatte. Leitete die Kraft in ihre Arme, wie er es erklärt hatte. Eine nicht unangenehme Kühle breitete sich aus, je länger sie das Suiton in sich hielt. Und dann... ließ sies raus.
Als wäre eine Wasserbombe geplatzt, eruptierte die Flüssigkeit in zwei kleinen Fontänen aus ihren Armen heraus und durchnässte ihre Klamotten.
Ah, Schitt! Sie sprang aus dem Schneidersitz auf und schüttelte sich. Nicht genug. Sie wußte, was der Fehler war: Nicht genug körperliche Energie. Sie dachte an die gummiartige Kugel aus Suiton in Takatanes Hand.
Siehst du? Es ist fest, obwohl es Wasser ist. Er hielt die Kugel so, dass Ringo sie anticken konnte. Suiton ist eine Natur des Gleichgewichts; es ist schwerer und beständiger als Raiton, Fuuton oder Katon. Gleichzeitig ist es leichter als Doton. Du brauchst ein Gleichgewicht zwischen geistiger und körperlicher Kraft. Das hast du. Nun aber brauchst du mehr körperliche Kraft. Ohne dass es auseinander kippt.
So die Erklärung.
Ringo schmiedete ihr Chakra erneut; es war ein Glücksfall, dass sich Yonbi zu schade dafür schien, sie beim Training zu stören. So konnte sie auf ihre alte, ausgezeichnete Chakrakontrolle vertrauen und rascher ein gutes Gefühl für den Energiefluss bekommen. Mehr Yang, weniger Yin..., murmelte Ringo nun. Schmiedete Chakra. Klatschte beide Energien zusammen, verlieh dem Mix noch einen Schuss mehr Physis und gab der Sache mittels Fingerzeichen einen erneuten Anlauf. Suiton: Tadamuki no katei oni.
Es war schwerer. Die Arme brachen nun nicht, doch Ringo spürte umgehend, wie es sie nach unten zog. Rasch fand sie ihr Gleichgewicht wieder; dennoch war dies eine Sache, die sie wohl beachten musste. Hoppla... Verwundert hielt sie inne. Ein wenig zu lang - dann explodierten wieder die Wasserbömbchen, und Wasser spitzte umher. Gnah!
Nächster Versuch.
Diesmal schrak sie nicht zusammen, als das Gewicht in ihren Armen zunahm. Sie behielt das Gleichgewicht, legte den Fokus ihrer Aufmerksamkeit auf die Kontrolle des Suiton... und hob an.
Zwei glibberige Schnecken erhoben ihre hässlichen Häupter. Ringo zuckte angeekelt zurück. Puh. Das sieht aus wie die Knete-Kunst im Kindergarten. Eigentlich sahen die halb flüssigen Dinger nicht aus wie Schnecken, wenn man genauer hinsah... eher wie Welse. Mit fünf stummeligen Zungen. Ringo ließ die Dinger rasch wieder zerfallen und schüttelte sich, diesmal nicht wegen der Nässe, sondern vor Ekel.
Ob das noch was wurde?

Für den Rest des Tages beschäftigte sich Ringo nicht mehr mit dem Suiton, sondern lag auf dem Sofa und blätterte in alten Zeitschriften, worin es um alles Mögliche ging - außer um Schnecken, Fische oder sonstwas Schwabbeliges.
Erst in den Abendstunden schritt Ringo erneut zur Tat. Vorsichtshalber unter der Dusche. Und dort brachte sie es endlich zustande, das Jutsu: In Form zweier ungemein ausgemerkelter, dünner Ärmchen, doch immerhin mit erkennbaren Fingern. Es war also alles nur eine Frage der sorgsamen Verteilung von Kraft. Ihre Arme waren wie Gussformen; nach dem Schmieden und Einschießen lassen brauchte sie ihr Chakra nur noch in Form zu halten.
Der Rest war nichts anderes mehr als Wiederholung, Wiederholung, Wiederholung.
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BeitragThema: Re: Ringos Training   Do Jul 21, 2016 8:49 pm

Shiranui: Kuro kumo - Kuro kumo [Fremdes Feuer: Schwarze Wolke - Schwarze Spinne]


Ringo Sarutobi betrachtete eine Spinne, die munter in einer Ecke des Fensters ein Netz sponn. Das Tier war winzig, kaum so groß wie ihr Fingernagel. Es hatte Stunden gedauert, bis die bettlägerige Jinchuuriki es überhaupt bemerkte. Trüb hatte sie ins Nichts gestarrt und mit den Zähnen geknirscht, während die Nachwirkungen des Eingriffs abgeklungen waren. Ja, sie konnte nichtmals an die Decke schauen und dort die Fließen zählen, denn sie musste auf dem Bauch liegen. Auf dem Bauch, mit einem u-förmigen Kissen wie bei der Massage, welches sie inzwischen jedoch schon zu Boden geworfen hatte. Lieber ein normales Kissen, dafür wenigstens den Kopf nach links und rechts drehen können.
Keiko hatte darauf bestanden, das Siegel zu untersuchen. Nach dem Ausbruch war das nachvollziehbar, doch sie wußten schließlich schon, woran es gelegen hatte. Akari. Akari! Das Miststück Akari hatte Ringo Gift verabreicht und dadurch alle Abwehrmaßnahmen zum Niederbrechen gebracht. Nachdem Ringo dies gehört hatte, hatte sie vor Wut und Scham ins Kissen gebissen. Nun lag sie hier, an einem Tropf, und auf ihrem Rücken lagen Kristalle wie Spielsteine auf einem Go-Tisch. Die Kristalle waren geladen mit allen fünf Naturen, und dazu gab es noch etliche Steine, welche einfach nur mit gewöhnlichem Chakra geladen waren. Einige Wenige hatten gar keine Ladung außer Sonnenlicht, in dem sie stundenlang gebadet hatten. Brachte das was? Ringo wußte es nicht. Sie wußte nur, dass das Siegel noch immer schmerzte, als wäre es eine offene Wunde. Als wäre da ein Loch, durch das man in sie hineingreifen konnte. Scheußlich.
Vielleicht sollte Ringo die Spinne bitten, ihr Netz darin zu weben?
Dieser Gedanke ließ sie grausen; schlechte Idee, schlechtes Kopfkino. Doch das Spinnchen wollte einfach nicht aus ihren Gedanken.
Als sie mitten auf dem Gelände des Clans buchstäblich hochgegangen war, hatte ihr Vater sie gestoppt. So hatte es Daizen erklärt, vorhin. Mit einer Bindetechnik. Bindetechnik? Also Fesseln? Wie schafft mein alter Herr wohl Fesseln? Sarutobi Tobuketsu beherrschte einzig Feuer, woher holte er etwas wie Ketten?
Eine Art Bunshin, hatte Daizen entgegnet. Aus Feuer. Eine Art Tier, könnte man sagen.
Tier. Gut, das war kosmetisch. Man musste Jutsu eben eine Form geben. Ihr Vater hatte ein flüchtiges Material wie Katon also in etwas Festes geschmiedet. Faszinierend.
Die Spinne sponn weiter. Und fing was! Eine Motte, angelockt von der schummrigen Nachtbeleuchtung, war gegen das Fenster geflappt und ins Netz geraten. Nun zappelte sie, verwickelte sich jedoch nur fester in den klebrigen Seidenfäden.
Tja, so kommts. Ringo war auf seiten der Spinne. Die Schnellen und Übermütigen, wie diese Motte, wurden erwischt von Tricks, von Planung. Es war eine Taktik, die auch sie selbst lieben gelernt hatte; schließlich beherrschte sie das Mizuame Nabara, den Suiton-Sirup. Damit konnte man Gegner wunderbar festkleben und behindern.
Natürlich kein großes Ding gegen Experten. Die springen einfach drüber oder konzentrieren Chakra in den Fußsohlen. Der Motte täte das nicht helfen, gerade. Sie war ja schon drin. Und auch sonst... Sie hätte ihre Energien auf dem ganzen Körper verteilen müssen. Eine tückische Sache, fand Ringo. Äußerst... praktisch.
Und wie das Spinnchen ihr Opfer in einem Kokon verwob, so verwebten sich auch Ringos Gedanken. Sie hatte Zeit. Viel Zeit, in der sie nur auf dem Bauch liegen konnte, während ihr Körper sich vom Gift erholte und ihr Siegel vom tobenden Bijuu. Es reifte eine Idee.

Nach einer Woche war Ringo wieder frei und guter Dinge. Auf einem der Ballspielfelder des Dorfes plante sie, ihre neueste Idee in die Tat umzusetzen. Sie bolzte in ein Laufendes Kyodo Kemari-Spiel hinein, buchstäblich, denn sie trat den Ball weg. Und rief eine Wette aus.
Habt ihr Lust auf eine richtige Herausforderung?!
Sie hatten Lust. Es waren überwiegend Jugendliche, und sie wollten es ihr allein schon heimzahlen, dass sie in ihr Spiel gegrätscht war.
Dann los. Ich verteidige. Aber nicht wie sonst! Legen wir die Nin-Regel auf Eis!
Das wollten sie nicht. Zunächst nicht, doch Ringo erklärte rasch, dass sie einzig Rauch einsetzen würde. Keine Erde, kein Wasser, kein Wind. Auch keine Blitze, nein. Einzig Rauch, ich werde mich nichtmals nach den Bällen strecken! Die Jugendlichen witzelten, das dürfe sie aber schon, es würde eh keinen Unterschied machen. Wollt ihr nun spielen oder nicht? Ringo hob eine Münze in die Höhe. Euer Gewinn für jeden Punkt!
Es wurde ein Gemetzel.
Die Jugendlichen feierten Schützenfest. Der Pfosten wurde gnadenlos verdroschen, und alles, was Ringo von Zeit zu Zeit davor bewahrte, eine weitere Münze in die Spardose werfen zu müssen, war der Umstand, dass die Spieler in ihrer hellen Freude ab und an vorbeischossen. Ihr Rauch richtete nichts an; was auch immer sie sich erhofft hatte, es half nichts.
Am Abend lag sie im Gras nahe des Spielfeldes, letztlich allein, und schaute erneut einer Spinne beim Weben eines Netzes zu. Sie hatte versucht, die Aufgabe mit Druck zu meistern; eine Wette mit Geldeinsatz hatte gut geschienen. Noch im Krankenhaus hatte sie eine Formel ausgearbeitet, um ihren Rauch mit dem Klebesirup-Suiton zu kombinieren. Nun lag das Merkblatt mit dem Monster von Fingerzeichenkette auf ihrer Brust. Sie hob es hoch, starrte darauf und legte es wieder weg. Die Fingerzeichen konnte sie bereits hinreichend. Die beiden Künste, die als Grundlage fungierten, waren nicht besonders schwer. Sie zusammenzubauen, war jedoch höhere Kunst, wies schien. Ein neuer Rang vielleicht? Sprang das Zusammenmischen direkt auf B?
Anstrengend.

Am nächsten Tag begleitete Ringo einen jungen Aburame in den Wald. Nenki war ein netter Junge, ein guter Kamerad und tüchtig noch dazu. Er war sogar erstaunlich vergnügt für einen Kerl, der tausende Käfer in sich trug. Er führte ihr etwas Nützliches vor: Ein Netz. Ein Schwarmnetz! Seine Käfer schwärmten aus und ballten sich zusammen, als er eine Schriftrolle hochhielt und seinen Insekten befahl, sie für ihn zu tragen. Ringo sah staunend zu, wie sich der Schwarm immer mehr und mehr verdichtete.
Im Grunde ist doch alles ein Netz, sagte Nenki. Selbst Kleidung. Ein Hemd ist ein Netz, nur eben sehr engmaschig.
Ringo nickte. Klingt auf schräge Weise gescheit.

Engmaschiger. Es reichte also nicht, einfach den Befehl zu kleben in die Fingerzeichen zu mischen. Wieder daheim, suchte Ringo erneut den Trainingsplatz auf. Sie blies den Rauch in die Höhe und betrachtete die Wolke in ganzer Ausbreitung. Die Schwade bot eine vergleichsweise große Reichweite, und das war wunderbar, wenn man einen Sichtschutz brauchte. Doch die Wolke hielt natürlich nichts auf, nichtmals das leichteste Fuuton. Selbst Klebewirkung würde daran keinen Unterschied machen, dachte Ringo. Und bückte sich. Tut mir leid - ich muss eine Aussage untermauern! Und damit machte sie das Netz der kleinen Spinne von gestern kaputt.
Verdichten also. Ringo formte ihre Fingerzeichenkette weiter aus. Sie verstand schließlich genug von der ganzen Mechanik ihrer Künste, um zu wissen, welches Fingerzeichen welchen Sinn hatte. Zunächst fügte sie einfach zusätzliche Anweisungen ein - sie stieß eine weitere Rauchwolke aus, die erst groß wurde und sich dann zusammenzog. Sich ballte, mehr und mehr. Reichte das schon? Ringo kickte beiläufig einen Ball in die Höhe und verfolgte dessen Flug durch die Wolke. Der Ball stieg auf, höher, wurde dann langsamer, kam wieder runter. Zog im Fallen Fäden mit sich. Wohl die Klebewirkung, wie erhofft funktionierte sie also. Doch der Ball sollte nicht das Netz mit sich reißen, sondern umgekehrt festgehalten werden. Im besten Falle sollte er in der Wolke hängen.
Ringo nahm den Ball auf. Drehte ihn hin und her und betrachtete die dünnen grauen Fäden, die wie die Stränge eines Spinnenetzes aussahen. Vielversprechend, befand Ringo. Auf diesem Pfad können wir weitergehen. Sie zog die Hand weg... und stellte überrascht fest, dass die Stränge nun an ihr klebten. Bwah. Sie wedelte, schüttelte, fuchtelte. Es brachte nichts. Aus Laune heraus machte sie das Fingerzeichen für Jutsu sho und löste den Rauch in nichts auf. Nachdenklich rieb sie die nunmehr befreiten Finger aneinander. Hm, prächtig. Die Auflösung wirkt auch auf den Kleber, das ist erleichternd. Hier hatte sie gefürchtet, der Klebebefehl könnte wirklich nur mit Suiton wirken oder könnte die Charakteristika des Wassers noch so sehr drin haben, dass Katon-Auflösung nicht wirkte.
Andererseits, warum erleichtert? Wäre doch eigentlich auch sehr interessant? Eine Mischung aus zwei Elementen, alle ihre Stärken, keine ihrer Schwächen... Ringo tat den Gedanken wieder ab. Bah, das gibts nur im Manga.
Als sie aufblickte, stellte sie fest, dass die Wolke allgemein noch da war. Oh? Ich kann den Auflösebefehl auch hierbei teilen? Das hatte sie gar nicht gewußt. War aber auch noch nie in der Situation gewesen, es zu müssen. Katon: Jutsu sho diente schließlich nur als Notbremse für außer Kontrolle geratene Feuerjutsu. Dass sich ein Katon nur stückweise verselbstständigte, war ihr noch nicht passiert... und ihr Rauch war auch nur halb so wild. Da verpasste man manche Eigenschaften eben.
Dass sie ihren Rauch auch steuern konnte, hatte Ringo nicht verpasst. Nochmal! Sie warf den Ball hoch, schlug die Hände zusammen. Wenn pures Verdichten nicht reicht, dann eben... das hier! Sie malte die Wolke wie ein Gewitter, wie einen Amboss, dann machte sie einen Korkenzieher daraus. Einen, der sich wirklich drehte!
Der Ball war nur ein dunklerer Schemen im allumfassenden Grau der Rauchwolke. Ringo schlang den Rauch um ihn, starrte konzentriert darauf und fing fast zu jubeln an, als der Ball sichtlich langsamer wurde. Wie in Zeitlupe fallend, wie ein Stein durch zähen Schleim.
Mit einem Klatschen und einem Fingerzeichen löste sie die Wolke auf, ließ den Ball runterkommen und trat kräftig dagegen. JA!
Der Ball flog weit, vor die Füße der Genin von gestern. Bereit, dein ganzes Geld zu verlieren?
Immer!
Es klappte nun immerhin ein bisschen besser... trotzdem war sie am Ende der Trainingsrunde ziemlich abgebrannt. Die Genin hatten zumindest ein wenig Respekt für sie und ihren komischen Torwart-Rauch entwickelt und luden sie zum Essen ein.

Um die nächsten drei Tage zu überleben, musste sie Lohnvorschuss erbetteln und einige Glaswaren versetzen, doch immerhin hatte sie dadurch wieder genug Geld in der Tasche, um weiter Wetten abzuschließen. In gewisser Weise war es das zehrendste Training, welches Ringo Sarutobi je durchgezogen hatte. In gewisser, finanzieller Weise.
Warum genau bezahlst du noch gleich Genin, damit sie mit dir trainieren?, fragte Ashitaka am vierten Tage, als sie vor seinem Haus erschienen war und eine Vase zum Kauf anbot. Nur, um hinterher etwas zum Erzählen zu haben?
Ringo dachte darüber nach, zuckte mit den Schultern und zeigte ihrem Großcousin die Unterseite der Vase. Schau! Akimochi-Gecko-Riffelung! Die hält bombensicher auf jedem Sims, komme Erdbeben oder Hochwasser!
Leih dir doch die Sarutobi-Genin-Einheit aus.
Die Sarutobi-Genin-Einheit war eine Sondereinheit des Clans, welche Ringo bislang bewusst ausgeblendet hatte.
Das wäre eine etwas extreme Maßnahme, finde ich.
Mag sein. Dafür wäre es auch der ultimative Text. Überlebt dein Rauch diese Einheit, überlebt er alles.
So fügte sich Ringo ins Unvermeidliche, und innerhalb von zwei Stunden war die Genin-Einheit versammelt. Eine kichernde, grölende Menge von Kindern, allesamt bewaffnet mit überschäumender Energie.
Ringo klatschte in die Hände. Schön! Sind alle da? Alle ...- Hört mir jemand zu? Niemand hörte zu, die Kinder fingen nur an, zu toben.
Ringo seufzte vernehmlich, atmete vier, fünf Zuge lang in die gefalteten Hände, mit geschlossenen Augen. Als sie die Augen wieder aufschlug, hatte das Tohuwabohu noch immer nicht geendet. Und dann traf sie die Erkenntnis wie ein Blitz. Plötzlich wußte sie, was für eine Art Training es werden würde. Urspünglich hatte sie den Bälleraum aufschließen und alle Genin mit Munition versorgen wollen... doch letztlich sollte ihr Jutsu doch nicht nur darin bestehen, als Torwarthandschuh beim Ballspiel zu fungieren.
Also stürzte sie sich mittenrein, spie Rauch aus und hüllte eine rangelnde Gruppe von Genin darin ein!
Ihr wollt Fangen spielen? Spielen wir! Ich bin dran! Sie sponn wieder Fäden in den Rauch, klebrige Schlieren, die sich rasch verdichteten. Die an Ärmeln und Hosenbeinen hängenblieben, im Gesicht klebten wie Zuckerwatte, und einige Genin versuchten auch, diese Watte zu essen, spuckten sie aber rasch wieder aus.
Bwäh! Bwäh! Was ist das?
Schmeckt wie Verbranntes.
Ringo packte die beiden scharfen Kritiker am Kragen, zog sie auf den Boden und setzte je ein Knie zwischen ihre Schulterblätter. Ihr sollt es ja auch nicht essen, versetzte sie, schloss die Fingerzeichen erneut und schoss die nächste Ladung Qualm gezielt auf ihre beiden Gefangenen ab. Wenn ich das wollte, müsste ich ja... Sie blinzelte kurz. Puh, keine Ahnung.
Viel Zucker essen und in das Jutsu stecken?, half einer der Genin aus.
Das wäre... keine Ahnung. Egal. Ringo rollte von den beiden Kindern herunter, die nun am Boden festgeklebt waren; dann stürzte sie sich auf die nächste Gruppe, wickelte sie ein und sprang wieder weiter. Nachdem sie Gruppe Vier um einen Baum gesponnen hatte, war Gruppe Eins leider schon wieder frei, und so ging es immer weiter und weiter und weiter!

Es war das härteste Training, die höchste Testphase, und letztlich trug sie Früchte.

~ Ende ~
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BeitragThema: Re: Ringos Training   So Jun 25, 2017 5:17 pm

~ Der Chibi-Pfad
Der erste Teil der Lernposts ist der Einfachheit halber aus diesem Play zusammengeschnitten. Da es nicht hundertprozentig um Ringos Training geht, bin ich mit der Wortanzahl über die Mindestanzahl hinaus gegangen. ~

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Im Siegelraum, am Boden des Schachtes, wirbelten nach wie vor zwei Gestalten im klaren Licht zahlloser Siegel-Inschriften umher. Genauer gesagt, die kleinere Gestalt huschte am Rande des Bereichs herum und startete immer wieder wilde Vorstöße nach innen.
Sarutobi Ringo kämpfte auf der kurzen Bahn und bewegte sich fortwährend im Katzenstand. Ein Bein vorgelagert, den Arm der gleichen Seite vorgestreckt. So drehte sie sich stetig, während ihr Gegner ausgelassen herumhüpfte und -tollte. Der Angriff kam wie alle vorigen abrupt, und das katzengroße Monster flog ihr entgegen, mit weit aufgerissenem Maul, die Säbelzähne zum Zustoß berei-
Die rechte Hand, zur Faust geballt, schoss dem Chibi-Yonbi in die Seite. Der Mini-Avatar des Bijuu fegte aufknurrend vorbei, landete wendig auf allen Vieren. Und rettete sich mit einem Rückwärtssprung, weil Ringo einen Tritt nachsetzte und knapp verfehlte.
Bleib jetzt!, schimpfte Ringo gefrustet, Ich befehle dir, dich verprügeln zu lassen!
Der Chibi-Yonbi lachte schnaubend, seine vier Schweifchen pendelten angriffslustig in die Höhe.
Versuchst du überhaupt noch, fragte Shimura Keiko von oben, ihn wirklich zu kontrollieren? Oder lässt du nur Dampf an ihm ab? Die Siegelmeisterin stand an einer der Wände und zog verblasste Fuuin-Inschriften mit frischer Tinte nach. Einer ihrer Assistenten stand dabei neben ihr und hielt den Tintenstein, eine Art flaches Becken, in welchem Tinte angerührt wurde.
Ringo warf einen bösen Blick nach oben. Ich tue ja, was ich kann!
Sieht man. Keiko ließ sich nicht stören, auch nicht von der Meldung eines weiteren Assistenten, dass Besucher im Anmarsch waren. Hör auf, dich mit ihm zu dreschen. Wenn du ihn außen bekämpfst, kannst du ihn wohl kaum von innen kontrollieren.
Ringo schnalzte mit der Zunge - und wehrte einen erneuten Vorstoß des Chibi-Yonbi mit einem Ellenbogenschwinger ab. Seine Zähne sind wie jeder andere Affe, weißt du? Noch etwas länger. Er könnte mir das Gesicht abfressen.
Das wollen wir beide nicht, doch du solltest andere Wege finden, um dies zu verhindern.
Amaiko verfolgte dieses Gespräch mit hochgezogener Augenbraue. Sie hatte angenommen, es hier mit einer Jinchuuriki zu tun zu bekommen, die ständig nur einen halben Schritt vor dem Ausbruch stand, während sie trainierte. Einer Jinchuuriki, der fortwährend übles Chakra aus den Poren quoll, welches sie - Amaiko - auszulöschen hatte wie Funkenflug beim Lagerfeuer. Doch stattdessen schien die größte Gefahr wahrlich darin zu bestehen, dass sich Ringo eklige Bisswunden einfing.
Dies hier gilt doch auch als Mission, selbst wenn ich nicht wirklich nütze bin, oder?, fragte sie, um ihre wöchentliche Auftrags-Quote besorgt.
Sicherlich, Liebes, sicherlich. Keiko blickte über die Schulter zum Gang, durch den gerade die Neuankömmlinge eintrafen. Grüß´ euch, Ashitaka-san, Akari-chan, Inotachi-chan. Es wird voll hier, wie ich sehe?

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Keiko verfolgte, wie sich das Chibi-Sandmonster aus dem Rucksack kämpfte und von Akari gerade so vom Sprung in den Schacht abgehalten werden konnte. Wie ich sehe, hast du das Ergebnis deines Pfad-Trainings zu einem nur etwas unartigem Taschenmonster erzogen, hm?, kommentierte sie das Gebaren des Chibi-Ichibi mit schmalem Lächeln. Du stehst da, als hättest du gerade ein Stofftier an der Wurfbude gewonnen. Aber gut, andere Leute schlagen sich schlechter.
Unten in der Kammer musste sich Ringo angesprochen fühlen, denn schon als sie Akaris Stimme erstmals gehört hatte, war sie erstarrt und blickte grimmig nach oben. Chibi-Yonbi hatte soeben wieder angegriffen, mit einem fliegenden Faustschlag, doch sie hatte mit plötzlichem Eifer die Faust mit einem Griff ums Armgelenk gefasst. Yonbi hatte mit der anderen Faust nachgesetzt, und Ringo hatte auf die gleiche Weise gekontert. Yonbis Arme hatten sich dabei überkreuzt.
Ringo setzte einen Griff an wie jemand, der das Steuerrad eines Schiffes herumreißen musste. Bei ihrem Herumreißen rotierte Yonbi in der Luft um die eigene Achse und dotzte auf den Höhlenboden, mit dem Rücken zuerst.
Warum bringst du mir noch ein weiteres Mädchen mit Kuscheltier, Ashitaka?, fragte Keiko nun.
Ich entschuldige mich für das unangemeldete Herkommen; in vorderster Linie sind wir wegen Amaiko-san gekommen. Das Thema betrifft Siegel und Fuuton.
Kein Arenakampf also, versetzte Keiko scherzhaft. Schade, ich würde gern wetten. Sie sah sich nach Amaiko um, die bereits hellhörig geworden war. Liebes, dein Typ wird verlangt.
Ich höre Siegel und Fuuton! Amaiko kam eifrig herbei. Wäre sie ein Hund, hätte sie mit dem Schwanz gewedelt. Was gibts, was gibts?
Sie hier, Ashitaka deutete auf Akari, hat Pläne für eine neue Technik, und deine Expertise passt perfekt dazu.
Oh, echt? Begeistert wandte sich Amaiko Akari zu. Was hast du auf Lager?
Unten rangelten Chibi-Yonbi und Ringo nun, indem Ringo das Mini-Monster in eine Beinschere genommen und sich auf es gesetzt hatte. Die vier Schweife peitschten hinter ihr herum und trommelten auf ihren Rücken ein, weswegen sie mit dem rechten Arm herumgriff und die Schweifspitzen wie einen Strauß Blumen zusammenraffte.
Lass los, dumme Göre, grollte Chibi-Yonbi, Ich rieche Wüstenluft da oben, den Hauch von Sand und sengender Sonne! Lass mich einen Leidensgenossen grüßen, so viel Ehre hast du gefälligst zu haben als mein Jinchuuriki!
Maul. Ein Schweif befreite sich und knallte ihr gegen den Steiß. Au!
Beiß ihm ins Ohr, Rin-chan, rief Inotachi, Wie einem Hund!

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Am Boden der Kammer kämpfte Ringo sich auf die Beine zurück, einen Fuß auf dem Rücken des Chibi, den andern Fuß auf das Bündel aus Schweifen gestellt. Grimmig starrte sie sowohl Inotachi als auch den Ichibi-Chibi an. Ihr Blick blieb allerdings an dem Mini-Monster hängen, welches zu Akari gehörte. Ihre Augen verengten sich ärgerlich. Hatte Akari ihren Bijuu soweit unter Kontrolle, dass ihr Chibi sie nicht fortwährend anzugreifen versuchte? Sie konnte das Wesen wohl sogar im Raum herumstreunen lassen, ohne sich Sorgen zu machen.
Ärger. Neid. Heiß. Stechend.
Wenn selbst Akari es schafft, dann will ich es auch. Nein, dann muss ich auch.
Unter ihr grollte der Chibi-Yonbi. Fühlst du dich sicher? es klang mahlend, als er eigentümlich lachte.
Ich fühle mich unsagbar nutzlos und miserabel. Ringo war nicht mehr nach dem Austausch bösartiger Höflichkeiten. Ich sehe dieses Ding da oben, und ich denke an diejenige, dem das Ding gehört. Und kann mir nur vorstellen, dass Akari selbst gar nicht weiß, was sie richtig macht.
Weiteres, grollendes Lachen. Dein Neid, mein Sieg.
Wir haben für dich die verfluchten Pfirsiche aus einer Festung voller menschenfressender Affen gestohlen, und das ist dein Dank, hm?
Ich versprach dir das Geheimnis, diesen Pfad zu rufen. Nicht, diesen Pfad auch zu kontrollieren.
Hmmm. Grimmelig konnte Ringo diese Auslegung nur akzeptieren. Es ist... alles eine Frage der Betrachtung, nicht wahr?
So ist es.
Hmmm.

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Alles eine Frage der Betrachtung. Nicht kämpfen. Du sollst nicht kämpfen. Du sollst kontrollieren. Ringos Gedanken jagten im Kreis, doch kletterten dabei stetig höher. Und als Kyo erneut von oben herunter kommentierte und regen Spaß daran zu finden schien, hob sie den Fuß und ließ ihn entschlossen niedersausen.
Der Chibi zerplatzte in einer kleinen Wolke aus Dampf und einer winzigen Spur roten Chakras.
Nochmal von vorn. Sie sagte es laut, als wolle sie, dass man es weiter oben auch ja hören konnte. Hier kommt der Akari-Weg. Zumindest so, wie Ringo ihn interpretierte. Sie ballte die Fäuste und verschränkte die Knöchel gegeneinander. Dann verfiel sie in meditatives Murmeln. Die Lehre des Iro Katsura, die Sechs Kräfte. Die Kraft eines Menschen, der seinen Instinkten traut. Die Kraft eines Menschen, Willen zu besitzen. Die Kraft eines Menschen, Kraft aus der Umgebung zu ziehen. Die Kraft eines Menschen, zu höheren Emotionen in der Lage zu sein. Zu lieben und Abneigung zu empfinden, zu fühlen über den puren Überlebenswillen hinaus. Die Kraft eines Menschen, seine höheren Gefühle der Umwelt zu vermitteln, sich ihrer nicht nur voll bewusst zu sein, sondern sie auch zu kommunizieren in Wort und Tat, ohne Zaudern und Verstellung. Sie zitierte Fünf von Sechs, griff sich dann ins Haar und zupfte ein Einzelnes daraus hervor. Sie hielt es auf der offenen Handfläche, blies es in den Raum - und sah zu, wie rotes Chakra um das Haar tanzte, anschwoll und Form annahm. Einen Moment später landete der Chibi-Yonbi wieder im Raum, auf allen Vieren wie eine Katze und knurrend wie ein tollwütiger Wolf.
Die Kraft eines Menschen, alle Fünf Kräfte fließen zu lassen und im Einklang mit seiner Umwelt zu existieren, zitierte Ringo nun hastig, Lebend ohne Reue und Bedauern, ohne Rückhalt. Schrecklich im Sturm, entschlossen im Streit, ganz und gar in Freundschaft und Liebe.
Der katzengroße Affe schoss heran, sprang ab.
In Harmonie und Balance die Fallwinde und Aufwinde des Schick- Seine Faust landete in ihrem Gesicht, und weil sie den Angriff gänzlich ungedeckt annahm, explodierten Lichtpunkte direkt hinter ihren Augen und taumelte sie rückwärts. Weiter! In Harmonie und Balance die Fallwinde und Aufwinde des Schicksals nehmend, wie sie kommen. Komm doch! Die letzten zwei Worte gehörten nicht zu der Philosophie, die sie gerade zitiert hatte. Schlag nochmal zu, wenn du kannst! Ich befehle dir, es zu lassen!
Nochmal kam die Faust, doch diesmal schien dort eine Hemmung zu sein; der Schlag schwirrte leicht zur Seite und streifte ihre Wange. Sie schob den Chibi nur leicht mit dem Arm weg, starrte ihn nieder. Und sprach sehr, sehr bedächtig: Ich befehle dir, es zu lassen.
Da war etwas neues. Der Yonbi schlug wild mit den vier Schweifen und gebärdete sich wie ein Hund, der unbedingt ein Eichhörnchen jagen wollte, aber von einer Leine zurückgehalten wurde.
Über das Brennen in ihrem Gesicht breitete sich ein Lächeln aus.
Ich soll nicht kämpfen. Ich will nicht kämpfen. Ich muss nicht kämpfen. Ich werde nicht kämpfen. Ich kämpfe nicht.
Ein Wille wie reines, pures, stilles Wasser.
Stolz beendete Ringo das Zitieren der Philosophie, welche den Titel "Der Wahre Jinchuuriki" trug. Wer mag einem Menschen trotzen, der zu dieser göttlichen Tat imstande ist?
Sie blickte nach oben, wo Kaiko nun wieder zuschaute und ein paar Male höflich in die Hände klatschte.

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Dass Akari alles mithörte, hatte Ringo eigentlich nicht im Sinn gehabt... oder? Schwer zu sagen. Der Ausspruch mit dem Akari-Weg war ein Schnellschuss gewesen, in der Hitze des Gefechts an die Oberfläche gestoßen. Nun schwamm das Fischchen Bäuchlein aufwärts, bildlich gesprochen. Gab halt kein Zurück mehr. Als Akari Ringo gratulierte, blickte Ringo auf und rieb sich die schmerzenden Stellen im Gesicht, die sicherlich noch einen farbenfrohen Anblick bieten würden. Der Weg, den ich nach dir benannt habe, tut weh, stellte sie trocken fest. Aber schön, wenn es dir gefällt.
So sprachen sie also wieder miteinander. Ringo hatte das Gefühl, dass es an allen Ecken und Enden knirschte, und sie sollte beleidigt sein, doch andererseits gingen alle anderen auch professionell mit der Lage um. Und war Beleidigtsein nicht ein zu schwaches Ding, was war stärker? Hass? Sollte sie Akari hassen? Zu stark, irgendwie war sie ja nur Mittel zum Zweck gewesen.
Es ist leichter, Gras über die Sache wachsen zu lassen. Vielleicht hatten alle, die so professionell handelten, eigentlich auch nur den gleichen Schluss gezogen.
Tue ich es halt ebenso. Ringo blickte zu der Siegelmeisterin. Was nun, Kaiko-san?
Du machst ein wenig Platz, entgegnete Kaiko, und arbeitest diese kleine Liste durch. Sie warf ein dickes Büchlein hinunter. Ringo fing es und las den Titel.
"Taschenmonster - Schnapp sie dir alle". Ist das ein Begleitbuch für ein Konsolenspiel?
Ist es. Beachte das Lesezeichen. Nun rück ein Stück nach links.
Kurz darauf wurde der Raum geteilt: Eine blassgelbe Barriere entfaltete sich wie ein durchsichtiger Schirm und wies Ringo die eine Hälfte des Raumes zu, während die andere offenbar für Akari gedacht war.

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Unten verfolgte Ringo Akaris Treppenstieg und blickte grimmig auf den Chibi-Shukaku, der vor dem "Schaufenster" abgesetzt wurde. Obwohl die Voraussetzungen gegeben waren - Ringo war schließlich ein Mädchen - fand sie das Wesen offenbar nicht knuffig oder gar knuddelnswert. Als Akari eine gute Nachbarschaft wünschte, wirkte sie daher ein wenig wie die klassische Schreckschraube von nebenan, die es gar nicht gern sehen würde, wenn die Promenadenmischung der frisch Zugezogenen in ihren eigenen Garten geriet und dort ins Blumenbeet preisgekrönter Rosen schiffte.
Ja, auf gutes Vorwärtskommen, grüßte sie zurück und schlug im Taschenmonster-Begleitbuch nach, wo Kaiko Lesezeichen gesetzt hatte. Aus dem Augenwinkel verfolgte sie jedoch auch zum Einen, wie Chibi-Yonbi damit begann, Chibi-Ichibi nachzuahmen, und zum Anderen, wie sich Akari mit ihrem Elementar-Training befasste. Und offenbar kleine Startschwierigkeiten hatte.
Obwohl Akari offenbar vorhatte, in Meditation zu gehen, sprach Ringo sie an. Weniger aus Hilfsbereitschaft, sondern eher, weil sie überhaupt mit der anderen Jinchuuriki sprechen wollte. Falls du einen Tipp von mir möchtest: Als ich meine Elemente erweckte, sprach sie, habe ich mit inneren Bildern und Standmeditation anstelle des Lotussitzes gearbeitet. Ich habe mir für Katon vorgestellt, wie es wäre, Flammen auf meiner Hand zu balancieren, während ich für Suiton so tat, als watete ich in knöcheltiefem Wasser. Sie kam sich plapperig dabei vor, und irgendwie um Aufmerksamkeit bettelnd, doch andererseits konnte sie auch nicht einträchtig mit Akari schweigen. Vorher musste das Eis brechen, welches sich zumindest aus Ringos Perspektive gebildet hatte. Mein Rat wäre also, es vielleicht in Bewegung zu versuchen. Zumal es Fuuton ist, was du wecken willst.
Es führt kein Weg daran vorbei, dachte sie bei sich, Ich brauche guten Kontakt zu allen Jinchuuriki von Konoha, unbedingt.

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“Meinst du Zhan Zhuang? Dabei sitzt man doch in der Luft, was auch irgendwo passt."
Ringo hob eine Augenbraue. Ohne Fuuton kann man nicht in der Luft sitzen, erwiderte sie trocken und zwecks weiterer Auflockerung. Die auch bitter nötig war, denn Akari versuchte sich sodann an einer Entschuldigung. Sie stand einen Augenblick lang steif da, ehe sie sich bedächtig eine Haarsträhne hinter das Ohr schob.
Dann... such mal, erwiderte sie schmallippig, zögerte und nickte dann bekräftigend. Du findest deinen Weg. So wie Akari einen Weg nach draußen gefunden hatte, und einen Weg nach drinnen, nach wie vor im Besitz ihres Bijuu. Sie wirkte irgendwie stets etwas verloren, schien aber doch immer die richtigen Pfade zu bewandern. Sie kam an die Ziele, die sie sich vorsetzte.
Wenn sie sich anstrengte, würde alles wieder ins Reine rutschen.
Nun aber fokussierten sich beide Jinchuuriki wieder auf ihr jeweils eigenes Training. Ringo hatte das Büchlein durchblättert, nochmals etwas ratlos zu Kaiko aufgeblickt und dann, das Buch unter den Arm geklemmt, Fingerzeichen geschlossen.
Einen Kampf simulieren, hm? Fein, das schaffe ich. Sie raunzte Chibi-Yonbi an, der sich gezwungenermaßen von der Kekkai wegdrehen musste. Acht gegeben. Geh auf Entfernung. Halte dich bereit und höre auf mein Kommando.
Das Chakrawesen knirschte mit den Zähnen, doch Widerworte kamen vorerst nicht heraus. Es begab sich in die entfernte Ecke des Raumes und harrte aufmerksam der Dinge, die da kamen.
Ringo musste nun zweierlei tun: Zum Einen die Kontrolle halten, zum Anderen ein weiteres Jutsu ausführen. Dies klang schwer in ihren Ohren; selbst im Bunshin-Pfad war sie dazu noch nicht in der Lage. Doch möglicherweise war dieser auch noch in anderer Weise verschieden vom Chibi-Pfad, sodass die Einschränkungen geringer waren.
Suiton: Takedakeshii sakana. Sie spie Wasser, und als sich das Nass zu einem kugelfischartigen Wesen formte, welches knurrend und offenbar elastisch auf dem Boden hüpfte, lächelte sie erleichtert. Es hat geklappt. Dann nahm sie dramatische Geste ein, wie es das Büchlein verlangte. Goldini Hornstoß! Der Sakana hatte kein Horn, doch dies hier war ja nur ein Rollenspiel, also mussten sich die Zuschauer dies eben vorstellen.
Der Sakana hüpfte vorwärts, um den Chibi-Yonbi zu rammen.
Yon- ich meine, Flampion, Glut-Attacke!

Oben schüttelte Kaiko den Kopf. Das wird nicht sehr effektiv. War dies Nichtwissen, hatte Ringo die entsprechende Tabelle falsch gelesen, oder wollte sie, dass Yonbi nass wurde?

Yonbi öffnete das Maul... und sprang plötzlich zur Seite, ließ das Wassermonster vorbei und gegen die Wand klatschen, wo es zerbarst.
Ringo blinzelte. Heh, du solltest angreifen.
Yonbi griff an. Er spie eine Mini-Feuerkugel aus, der die unvorbereitete Ringo hastig auswich. Rasch genug drehte sie sich dem Wesen wieder zu, um zu sehen, wie es mit viel Schwung wieder ins alte Muster fiel: Der Chibi griff frontal an und setzte ihr mit Faustschlägen und Schwanzhieben zu.
Haaah... Wie ist das für einen Rutenschlag! Er landete und führte eine Drehung aus, wobei seine Schweife in vier unterschiedlichen Höhen peitschten. Ringo übersprang sie einfach alle, zog dabei die Knie an.
Was ist ein Rutenschlag? Und woher kennst du den!
Masaru hatte eine ältere Edition. Das Wesen riss das Maul auf. Er hat sich einiges aus Spielen und Serien abgeguckt. Ich war gezwungen, mit ihm darüber zu reden! Und nun fängst du auch damit an! FLAMMENWURF! Es war bloß der gleiche, kleine Feuerball, den Ringo nun mit einem kurz angesetzten Schlag der durch Lederschützer gepanzerten Arme beiseite fegte.
Als hätte ich dazu Lust. Ringo streckte den Arm aus, nun wieder völlig auf den Chibi-Yonbi konzentriert. Schluss, steh wieder still! Und er tat es. Er hielt inne, wurde zur Salzsäule. Seine Augen glimmten, doch er rührte sich nicht mehr. Ringo verfolgte dies argwöhnisch, zu neuem Ausweichen bereit. Als alles ruhig blieb, nickte sie bedächtig. Auf zwei Dinge gleichzeitig konzentrieren, als wäre jedes Einzelne das Wichtigste auf der Welt, murmelte sie. Ja, verstehe.
In den nächsten Minuten schuf Ringo noch weitere Suiton-Fische, doch jedes Mal konnte sich Chibi-Yonbi ein wenig freimachen und sie wie beim ersten Mal, wenn sie aus dem Konzept war, erneut attackieren. Verstehen war eben doch nicht alles.
Aber es ist schon richtig so. Dieser Pfad soll auf schließlich zu gegebener Zeit auch zum Einsatz kommen, und wenn er nun eben eine Konzentrationsübung ist, soll es von mir aus so sein.
Akari schien sich dagegen besser zu schlagen. Die Sarutobi verfolgte das Tun der anderen Jinchuuriki aus dem Augenwinkel - eine zusätzliche Ablenkung - und stockte, als sich Akari nach einer dramatischen Ankündigung plötzlich zu drehen begann. Sie rotierte wie eine winzige Puppe auf einer Spieluhr. Und um sie herum... flimmerte leuchtender Sand?

Interessant. Ashitaka hielt trotz - oder gerade wegen - der Ankündigung, dass die Siegel zurückgelehnt werden dürften, zwei Stäbe in den Händen, deren Holz mit Siegeln versehen war. Amaiko stand daneben, wieder mit aufgefächerten Siegelpapieren, und Kaiko spielte mit einem Pinsel zwischen den Fingern. Doch niemand tat etwas, alle waren lediglich bereit für alles.
Ja, ich glaube aufs Wort, dass ihre Chakrakontrolle gut ist, stellte Amaiko beeindruckt fest. Aber... ist das sie? Oder das Wesen in ihr?

Ringo betrachtete den Wirbel mit widerwilligem Staunen. In ihrem Kopf erklang eine Stimme.
Sieh es dir gut an... was ein Jinchuuriki schafft, der seinem Bijuu mit Respekt begegnet. Yonbi, nicht der Chibi-Platzhalter in der Realität, gab ein fernes, rumpeliges Lachen von sich. Oh, du wirst dich ranhalten müssen...
Ringo biss die Zähne aufeinander. Wenn ich einen Rat von dir will, lasse ich es dich wissen.
Kurzes Schweigen. Und solltest du dereinst mal in Not kommen, werde ich mir mit diesem Rat entsprechend Zeit lassen.

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~ Nicht mehr aus dem Play ~

Nachdem Akari spektakulär die Aufmerksamkeit auf sich gezogen hatte, war Ringo nicht mehr motiviert gewesen, an ihrem Chibi-Pfad zu feilen. Stattdessen hatte sie sich zu den zahlreichen Helfern der anderen Jinchuuriki gesellt.
Nun aber war sie zurück und rekapitulierte.
Zunächst hatten der Chibi und sie gegeneinander gekämpft. Es war eine Frage des Willens gewesen. Ringo verstand nun, dass sie jegliche Absicht, gegen das Chakrawesen kämpfen zu wollen, verlöschen lassen musste. Nur eine Spur davon, und es würde sich eine Lücke in der Kontrolle auftun. Fokus war der Schlüssel. Ringo musste sich des Monsters stets bewusst sein.
Akari hatte es nicht so schwer. Vielleicht lag es am Siegel, welches in Ringos Falle viel geschlossener und abschirmender wirkte. Vielleicht lag es an Akari, vielleicht plante auch Shukaku etwas Schräges und der kooperative, drollige Chibi war Teil seiner Verschwörung. Was es auch war, Chibi-Yonbi war nicht so leicht zu halten.
Doch möglich wars, immerhin. Schon kurz nach Entdeckung der Fokus-Geschichte hatte Ringo dem Chibi Kommandos geben können. Die zweite Stufe mit den Taschenmonstern war dann vor allem albern gewesen. Immerhin hatte sie durch das Simulieren des Kampfes festgestellt, wie anspruchsvoll es war, Chibi-Yonbi unter Kontrolle zu halten und gleichzeitig zu kämpfen.
So hatte sie ein Spiel begonnen und einen unsichtbaren Begleiter geschaffen: Sie stellte sich Chibi-Yonbi vor. Lief sie durch die Straßen des Dorfes, dachte sie sich einen katzengroßen, vierschweifigen Affen, der bei Fuß ging. Sprang sie über die Dächer, wetzte das Tier stets einige Schritte vor ihr über die Ziegel. In der Wohnung wählte sie einen Platz im Blickfeld, auf dem das Tier liegen und ruhen durfte. Traf sie auf Leute, die sie nicht leiden konnte, setzte sie ihnen das Monster auf den Kopf.
Alles nur vor dem inneren Auge. Die Bewegungen des Yonbi waren ihr schon seit einer ganzen Weile geläufig, und so fiel es ihrer Fantasie nicht schwer, den Rest zu übernehmen.
Hoffentlich halte ich diese Spinnerei unter Kontrolle, dachte sie bei sich, und werde nicht wahnsinnig. Obwohl es für eine Jinchuuriki wohl passend wäre, in die Klappsmühle zu kommen, weil sie an jeder Ecke Monster sah.
Im Grunde war dieses Einbildungsspiel nichts anderes als das Elementartraining, welches sie Akari empfohlen hatte. Das Handeln mit Chakra war immer auch Vorstellungskraft. Und so zog sie das Spiel nicht nur im Alltag durch, sondern auch während des Trainings von Tai- und Ninjutsu.
Eine ganze Woche verging so. Dann fühlte Ringo sich sicher genug, kehrte in die Siegelkammer zurück und beschwor das echte Chibi-Monster. Und sie spielten Go. Runde um Runde, stundenlang. Bis der Schweiß von Ringos Fingern aus auf das Tischchen tropfte und die Steine glitschig wurden. Konzentration, wie gebündeltes Licht! Eine Folter für den Geist. Doch die Kontrolle über den Chibi blieb bestehen. Bloß einmal, da war sie weggebröckelt. Es war im vierten Spiel gewesen, als Ringo etwas herausgerutscht war.
Deine Züge sind echt veraltet. Der Oma-Tisch im Seniorenheim hat modernere Taktiken als -...
Chibi-Yonbi hatte ihr den Go-Tisch ins Gesicht geworfen, und eine Kante hatte sie über der Nase getroffen.
Ansonsten aber? Jutsu gemeinstert!

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BeitragThema: Re: Ringos Training   Sa Dez 09, 2017 10:44 am

Suiton: Ikoyki Kamuy [Altes Wort für Orca, lit. "Wale jagender Gott"]

Zuallererst wollte sie natürlich einen Drachen.
Wohin Ringo auch blickte - Drachen waren überall. Sie umschlängelten die Becher, umkränzten Säulen, windeten sich auf Wandschirmen und stierten von den Dächern. Herr des Himmels, Wächter der Flüsse. Wenn man an Kraft dachte, dachte man an Drachen. Wenn man an die Macht der Natur dachte, dachte man an Drachen.
Doch das Problem war: Ringo dachte auch bei Feuer an Drachen. Ihr mentales Bild verlangte Flammen, selbst wenn in ihrem Falle nur Rauch dabei herauskam. Suiton zu schmieden und an Drachen zu denken, das kam nicht so recht an bei ihr - auch wenn ein Kollege ihr verriet, dass es Suiton-Drachen-Jutsu bereits gab.
Liegt mir trotzdem nicht sonderlich, hatte sie erwidert. Sie hatte trotzdem einen näheren Blick auf die erwähnte Kunst geworfen. Keine schlechte Sache. Mächtig sah sie aus, doch bei dem Blick auf die Fingerzeichenkette hatte Ringo die Stirn gefurcht. Kalte Asche, welch ein Monster. Ein ziemlicher Aufwasch für eine Technik, die zwar ordentlich aufräumte, aber andererseits eine gewisse Raffinesse vermissen ließ. Zumindest für Ringo, die seit der Rauch-Spinnennetz-Technik einen Geschmack an Mehrzweck-Tricks gefunden hatte.
Ich will ja nicht unbedingt das ganze Schlachtfeld umpflügen, murmelte sie im Selbstgespräch, sondern Katon effektiver bekämpfen, einen verlässlichen Verbündeten schaffen und im besten Falle den Gegner auch dann behindern, wenn er ein echter Brecher ist.
Der Wasserdrache war da ein Overkill. Mit all den Fingerzeichen war er vergleichsweise schwerfällig, und sein Chakraverbrauch war für Ringo auch zu viel. Der Gegner muss nichtmals ein Fingerzeichen-Künstler sein, um schneller fertig zu sein als ich... für einen Konter ist das schlecht. Sie zog sich dennoch einen Schreibblock heran und notierte die Fingerzeichenkette. Brechen wir die Formel mal herunter.
Der reinste Urschrei. In der Kette verbarg sich Kraft in Massen. Wer dieses Jutsu einst entwickelt hatte, hatte gewiss nicht an einem zu kleinen Chakrafluss gelitten.
Ringo schrieb eigene Jutsu-Ketten darunter, zum Vergleich. Ihren Rauchdrachen und ihren Fisch. Sie isolierte die Fingerzeichen, die im Rauch zur Formgebung dienten, und umkreiste sie im Wasserdrachen. Beim Fisch tat sie das Gleiche.
Tauschen wir die Gestalt einfach mal aus.
Sah noch immer ziemlich massig aus, natürlich. Immerhin wurde die Kette bereits durch die leichtere Fischform etwas geschlankt. Ringo kürzte noch ein paar Zeichen heraus, welche dem Jutsu die überwältigende Wucht gaben - nicht alle, aber doch ein paar. Zu viele kleine Chakrafresser.
Etwas kleiner - fügen wir stattdessen noch etwas Beständigkeit ein.
Die Klauseln, welche externe Wasserquellen hinzuzogen, ließ sie natürlich unangetastet. Einen schönen Trick versaute man ja nicht. Sie fragte sich müßig, ob diese Funktion schon in der ersten, ursprünglichen Formel steckte. Es sah ja fast aus, als hätte jemand das Jutsu modifizert, um es auch den Leuten zugänglich zu machen, die nicht über einen gewaltigen Chakrafluss verfügten.
Nun gut... das erklärt die lange Kette ein wenig.
Mit ihren Notizen war Ringo vorerst zufrieden. Es wurde Zeit, das Ganze einem ersten Feldversuch zu unterziehen.

Wollte sie bereits vorhandenes Wasser in das Jutsu hineinziehen, würde sie das Chakra anders verteilen und leiten müssen. Im ersten Testlauf entschied Ringo sich daher gegen diese Variante und blieb bei der kraftaufwendigeren, aber dafür leichteren Methode.
Chakra schmieden, Fingerzeichen schließen. Sie "las" vom Notizblatt ab, rief sich das übliche Bild von sprudelndem Wasser ins Gedächtnis und spürte im nächsten Moment schon, wie die Technik in ihrer Kehle emporstieg. Noch war das Jutsu in der Form reiner Energie - alles andere wäre schließlich ungünstig. Materialisierte sich das Jutsu bereits im Inneren des Körpers, geschah, schlicht gesagt, ein Unglück.
Ein Unglück, welches allerdings so gut wie nie jemandem widerfuhr. Selbst unverbesserliche Nichtskönner im Ninjutsu verschwendeten eher einfach nur Kraft und spien schlicht Nichts aus, anstatt sich den Kopf wegzusprengen.
Ringo ließ frei, was raufkam: Kaum passierte das Chakra ihren Mundraum, verwandelte es sich in einen flüssigen Strahl, der wiederum zu einer Kugel wurde.
So weit, so bekannt. Jetzt größer!
Der Fisch kam hervor, mit den Flossen waddelnd und paddelnd, und er war größer, doch das machte ihn wahrlich nicht beeindruckender. Ringo war darüber doch ein wenig entsetzt - wenn etwas massiger und mächtiger wurde, sollte es doch auch gleichsam mehr Eindruck machen, oder? Doch der Fisch sah einfach nur... aufgeschwemmt aus. Wie einer dieser riesigen Gummibälle, in die man hineinkriechen konnte. Er flog auch nur wenige Meter, dann knallte er zu Boden - und zerplatzte. Eigentlich hätte er nach dem Auftitschen wieder hochhüpfen müssen. So gehörte sich das gewöhnlich. Doch diesmal hielt die Außenhülle den Aufprall wohl nicht aus. Das Suiton spritzte in alle Himmelsrichtungen; Ringo wurde von einer kleinen Welle getroffen und hielt sich nur mit Mühe auf den Beinen, die Arme vor dem Gesicht gekreuzt. Patschnass wurde sie.
Aaach... scheiße, dachte sie bei sich, Schade um die Kraft. Sanfter sein beim Abschuss? Na, ein Versuch ist es wert...
Unbefangen versuchte sie es direkt nochmal. Wenn etwas nicht klappte, setzte man sich besser sofort wieder ran, dann konnte sich der Fehler nicht im Kopf festsetzen. Chakra wurde geschmiedet, Fingerzeichen wurden geschlossen.
Und nun tun wirs gaaanz vorsichtig! Sie spuckte das Jutsu aus, hatte sich schon im Vorfeld weit nach vorn gebeugt. Als sie das Wasser spie, befand sich ihr Kinn bereits auf Kniehöhe, so weit war sie unten. Das Jutsu überlebte diesmal immerhin den Auswurf, war jedoch noch immer ein Ball. Nichtmals ein besonders Schneller. Ringo sah missgelaunt zu, wie sich die Technik übers Gras wälzte, sich dabei um die eigene Achse drehte. Der Ball hatte immerhin das Fischgesicht, doch es sah unglaublich dämlich aus. Und die Flossen waren viel zu weit oben, sie flatterten nutzlos wie Hühnerflügel. Ja, ein bisschen lustig war es vielleicht auch.
Nun geh nach links, rief Ringo und deutete in die angegebene Richtung, Zerstöre das Ziel!
Der Kugelfisch besaß einen Funken Intelligenz - zumindest genug, um Befehle zu verstehen und Feinde zu attackieren. Er drehte sich dem Ziel, einem Heubündel, zu, und... kullerte ohne jeden Richtungswechsel weiter. Offenbar besaß das Ding keinerlei Macht über seine Bewegungen.
Ringo war nach diesem Anblick bereit, das ganze Projekt wieder zu den Akten zu legen

Bis zu der Mission mit den Piraten.
Ho no kuni, das Reich der Segel. Welch ein wunderschönes Land, doch die Küsten waren von Piraten verseucht. Seit der Machtergreifung des Kaisers waren es nur mehr geworden - möglicherweise hatte es mit der Erhöhung der Steuern zu tun? Ringo wußte es nicht. Sie schob einfach ihren Wachdienst an Bord eines massigen Händler-Schiffes, einer Badewanne von Fahrzeug, und blickte aufs Meer hinaus.
Hier sah sie Schwertwale zum ersten Mal, abseits von Büchern und Fernsehen.
Auf einer einsam gelegenen Sandbank badete ein Rudel Seelöwen in der Sonne. Die dicken Tierchen rollten träge umher, gähnten einander an. Einer von ihnen hatte es irgendwie geschafft, sich in Seetang einzuwickeln und sah damit aus wie eine Wurst, eingewickelt in Salat. Appetitlich - und offenbar sah nicht nur Ringo das so. Denn plötzlich war da eine Flosse, eine Rückenfinne, welche die Wasserfläche durchschnitt. Sie pflügte auf die Sandbank zu, und dann fuhr der Wal in seiner ganzen Pracht aus dem Wasser hervor! Er strandete sich selbst, glitschte trotz seiner Massigkeit unglaublich elegant vorwärts. Der in Tang gewickelte Seelöwe wurde getroffen, gerammt. Nein, sogar zielgenau von den Kiefern des schwarz-weißen Räubers gepackt. Der Wal hatte noch immer viel Schwung - er glitschte bis auf die andere Seite der Sandbank, wobei er panische Seelöwen nach rechts und links aus dem Weg hechten ließ. Mit kräftigen Flossenschlägen und kontrollierten Zuck-Bewegungen schob sich der Wal das letzte Stück zum Wasser, die Beute zwischen den Zähnen, und kam schließlich wieder ins Schwimmen. Er schlang den Seelöwen mit wenigen Bissen herunter, um anschließend wieder abzutauchen.
Wow rief Ringo aus, Das will ich auch! Da war sie, ihre Eingebung. Bitter nötig, und sie war der Natur so unendlich dankbar!

Ihre Notizen hatte sie noch. Obwohl das Projekt ja eigentlich gestorben war, nach zwei Versuchen voller Uneleganz und Trampeligkeit. Doch es musste wohl ein Fingerzeig des Schicksals gewesen sein, dass sich die Unterlagen noch immer in Ringos Schreibblock befanden. Sie modifizierte die Fingerzeichenkette nicht - nein, sie würde etwas anderes ändern. Und zwar die Vorstellung beim Schmieden des Chakra.
Schluss mit dem Bild vom Piranha. Ich will etwas Großes, etwas Majestätisches, etwas Tolles! Sie wollte einen Schwertwal, und zwar jetzt!
Nach fünf Versuchen war es endlich soweit: Sie spie Suiton, und hervor platzte ein riesiges Wasserwesen, massig und doch stromlinienförmig, mit Flossen, die wirklich etwas ausrichten und einem Maul, das ordentlich zuschnappen konnte. Dieses Chakra-Tier war schnell unterwegs, und im Wasser kam auch noch Wendigkeit dazu.
Für das Land, so hatte Ringo sich ausgedacht, bräuchte es wohl einen glitschigen Untergrund. So flocht sie eine weitere Klausel in die Fingerzeichenkette: Der Wal wurde hierdurch in die Lage versetzt, kontinuierlich Wasser abzugeben und damit seinen eigenen, rutschigen Film zu produzieren.
Durch diesen Trick wurde der Wal leider zusehends kleiner; ein Faktor, der wohl einberechnet werden musste.
Scheint gut zum Fangen zu sein, sagte einer der Jonin, denen sie das Jutsu vorführte. Wenn jemand in dein Jutsu hineingerät, solltest du dich vielleicht darauf konzentrieren, dass der Gefangene nicht so schnell wieder hinauskommt.
Sie nahm sich diesen Tipp zu Herzen. Vielleicht... durch eine Strömung im Inneren?
Würde sicherlich Zeit verschaffen.
Das gefiel ihr.
Und so lernte Ringo, einen Schwertwal aus Wasser auszuspucken.
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BeitragThema: Re: Ringos Training   Sa März 03, 2018 3:00 pm

Kampftechniken musst du lieben. Und du liebst sie erst, wenn sie dir in deinen Träumen begegnen.
Ringo Sarutobi pflegte zum Taijutsu eine Hassliebe. Das war nicht erst seit gestern so, doch neuerdings verschärfte sich die Sache noch mehr. Sie erwachte um drei Uhr nachts, schweißgebadet und im festen Glauben, ein frei schwebender Ellenbogen müsste ihr gerade die Nase gebrochen haben.
Scheiße! Phantomschmerz puckerte in ihrer Nase wie ein Stromschlag. Erst ganz allmählich bekam sie sich wieder in den Griff.
Seit einigen Wochen würzte Ashitaka, ein entfernter Verwandter, ihr Training mit neuen Methoden. Sie fand nicht, dass es mit Training zu tun hatte, wenn man vor sämtlichen Genin und Chuunin des Clans für vogelfrei erklärt wurde.
Wann immer ihr dienstfrei habt, werdet ihr eure Funkgeräte auf den Kanal 6677 stellen, hatte er gesagt, Ich werde euch anfunken. Funke ich euch an, attackiert ihr sie, sobald ihr sie seht.
Ringo wälzte sich aus dem Bett und tapste im Stockdunklen Richtung Küche. Bis zum Rang B hatte sich das Tai-Training an feste Zeiten gehalten. Wie sich das für Unterricht gehörte. Nun aber, wo sie unvorsichtigerweise erklärt hatte, den nächsten Grad anzupeilen, verschlimmerte sich alles.
Rang B ist Pflicht für einen Jonin, hatte Ashitaka schneidend gesagt, Alles darüber ist blutige, schweißgetränkte Kür. Er selbst war vom Können her der pure Durchschnitt. Nur im Entwickeln von Übungsmethoden strahlte er bis in den S-Rang hinein.
Ringo marschierte gerade an einem Zimmer vorbei, in dem drei Genin schliefen, da hörte sie in der Totenstille das Knacken eines Funkgeräts, das viel zu laut aufgedreht war.
Angreifen.
Im nächsten Moment ging die Papierwand zu Bruch, denn drei Zwölfjährige sprangen wie kleine Tiger mitten hindurch.
Ringo sah eine Faust auf ihr Gesicht zufliegen und packte zu, direkt dahinter, am Gelenk. Sie drehte sich weg, wich mit einem Gleitschritt aus und zerrte den Jungen dabei in die Schussbahn seiner Zimmergenossen hinein. Als er quiekend und getroffen zu Boden ging, trat sie entschlossen über ihn hinweg und zwischen die beiden andern, hinten an den Hosen der Schlafanzüge packend. Mit einem Ruck stemmte sie beide hoch. Ohne Bodenkontakt kamen sie nicht dazu, volle Kraft in ihre Schläge zu stecken. Sie schlugen aber natürlich trotzdem zu, hämmerten ihr wiederholt in die Seiten.
Wollt ihr sterben, ihr Kleinen?
Angreifen! Zerstören!
Drauf! Drauf! Drauf!
Ringo warf sie ins Zimmer zurück, setzte nach. Der Erste sprang schon wieder auf. Sie packte seinen Arm und zerrte ihn herum, wie zuvor schon, doch diesmal hakte sie den Arm des ersten Genin um den Arm des Zweiten, schubste sie um und verknotete anschließend in einer chaotischen Abfolge von Griffen ihre Ärmel und Hosenbeine.
Sie war ein guter Babysitter. Und ließ die drei Kinder - das Dritte warf sie wie einen Kartoffelsack zurück ins Bett - in ihrem Zimmer zurück.
Kraft. Kraft floss stets in Strömen, in ganz gewissen Strömungen. Wenn man sie verstand, konnte man sie biegen und gegen den Feind richten. Man brauchte dafür nichtmals besonders viel eigene Muskelmasse. Geschicklichkeit fuhr viel mehr Punkte ein. Diese Lektion hatte Ringo gründlich gelernt - spätestens seit der Bullensache.

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Auf der Wiese stand ein Stier. Das konnte nicht gut sein.
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