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 [2. Kurzgeschichte] Grabwächters Worte

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BeitragThema: [2. Kurzgeschichte] Grabwächters Worte   So Dez 13, 2015 2:11 pm

Am Ende ist alles einfach Aus und Vorbei.
Grabinschrift

„Ja, da staunst du, nicht wahr? Ob das meine letzten Worte waren, fragst du dich sicherlich. Ja, das... wie, du zweifelst daran, dass das mein Grab ist? Oh nein, hör auf zu zweifeln, es ist genau so. Das ist mein Grabstein, und darunter liege ich. Und bin gleichzeitig hier. Interessant, nicht wahr? Für mich auch, anfangs.
Du siehst anders aus. Hast wohl viel durchgemacht, hm? Wo ist dein Arm hin? Hat jemand etwas Derbes mit dir angestellt, meine Liebe? Ah, verstehe. Ich auch? Ja, stimmt... das Schwarz meiner Augen kann es mit dem Glanz eines polierten Onix aufnehmen, nicht? Immerhin ist das Blau noch da.
Ich frage viel. Du hast sicher auch Fragen. Was ich hier so tue? Nun, mein Grab bewachen, wie du siehst. Nein, ich kann nicht. Ich habe eine Order, direkt in meinem Kopf. Nicht metaphorisch, buchstäblich. Kriegt man auch nicht raus. Ich kann soweit gehen, bis ich den Grabstein nicht mehr sehen kann. Dann habe ich leider umzukehren... immerhin komme ich weit genug, um mir dort drüben Zigaretten kaufen zu können. Ich kann nun rauchen, soviel ich will! Klasse ist das... Wer? Direkt sagen kann ich es dir nicht. Es ist Er, der für alles verantwortlich ist, soviel kann ich erzählen. Ansonsten? Tja... Nein nein, das mit dem Grabstein-Sehen als Begrenzung hab ich jetzt gesagt, er hat es anders formuliert. Kein Löchlein in der Anweisung, zermarter dir nicht das Hirn, darauf wär ich selbst längst gekommen.
Hmm, schöne Vermutung. Aber nein, ich bin sicherlich kein Kämpfer, dem du begegnen wirst, wenn du zu ihm gehst. Ich war nie ein Kämpfer, und ich bin es auch jetzt nicht. Ich war stets Wissen und Lenken. Ich machte Worte, und andere machten Dinge. Vielleicht ja auch jetzt? Überlege mal, redest du gerade wirklich mit mir? Oder mit etwas... Programmierten? Wie mit einem Getränkeautomaten. Vielleicht bestellst du dir gerade einen Kakao, nachdem der Kunde vor dir Bohneneintopf hatte... das Ergebnis wär was Ekliges. Ja, über manches kann ich reden, über anderes nicht. Das Wer kann ich dir nicht konkret sagen, das Wo geht aber gerade so... grob. Vielleicht, weil ers vergessen hat, einfach nicht bedachte, genauso geplant hatte, dass du diese Frage stellst und irgendwas in meinem Kopf nun triggert und ich dir sage, wohin du in die Falle gehen darfst.
Aber eigentlich... bist du so wichtig? Hm. Auch das könnte manipuliert sein, von ihm. Von der Order in meinem Kopf. Lass es lieber. Aber auch das könnte manipuliert sein. Vielleicht will er genau das? Dich anstacheln. Vielleicht sollst du mich anzweifeln? Vielleicht sollst du meine Warnung wegen des Manipulierens anzweifeln?
GIJAHAHAHA! Hoppla, jetzt hab ich die Katze erschreckt.
Über etwas anderes ja. Verzeih. Ich mache dir Kopfweh.
Tot. Er ist tot. Ich weiß nicht, wie er starb, doch der Kleine ist tot.
Weine, wenn du möchtest. Du siehst aus, als würdest du wollen.
Schon vor Langem. Gräme dich nicht. Du denkst nun nach, hm? An die verschwendeten Tage, an die Stunden voller Pausen und Schlaf, an die Minuten des Sonnenuntergangbetrachtens, an das Liegen in warmem Wasser, an das Warten auf den Kellner, an das Zögern und Zaudern? Mach das nicht. Soviel Zeit ist vergeudet, wenn man so zurückschaut. Schau nicht gnadenlos zurück auf deinen Schlendrian.
Es hätte sowieso nichts genützt.
Es war der Gleiche. Was mir passiere, wenn du ihn tötest? Gute Frage. Habe die Systematik dieses Tricks noch nicht verstanden. Vielleicht vergehe ich wie Staub? Besser, als hier für den Rest der Ewigkeit zu sitzen und gut auszusehen, hm? Dann sollte ich allerdings wirklich gut auf meine Worte achten, schließlich könnten dann irgendwann wirklich meine letzten Worte aus meinem Munde kommen... Denn dafür hasse ich den Kerl wirklich, weißt du? Dass er mir meine letzten Worte abgenommen hat, denn schau, da stehen sie, und ich rede und rede immer noch! Besser acht geben, Gedanken werden zu Worten und so weiter, und außerdem will ich nicht, dass meine letzten Worte irgendwas sind wie „Ja, das öffentliche W.C. liegt - Hui...“ Na.
Rache. Für mich? Was hätte ich davon. Wenn du magst, zieh los, doch erwarte kein Happy End für deine Heldenreise. Denn am Ende ist alles einfach Aus und Vorbei.

Passiert nichts. Schade. Wär jetzt ein guter Zeitpunkt gewesen.
Niemand wird letztlich kommen, meine Liebe, und dich retten im atemberaubenden Moment voller Explosionen und säuregefüllter Haifischbecken, über denen du hängst und den Halt zu verlieren drohst. Ich zumindest nicht. Schlag dir das also aus dem Kopf. Meine Zeit, aus dem Schatten zu treten, weise Sprüchlein zu klopfen und das Blatt zu wenden, ist vorbei.
Hm.
Ja, versuchen muss man es wohl, zugegeben. Und wenn es nur um einem selbst willen geschieht. Seien wir ehrlich, am Ende tun wir doch eh nur alles für uns selbst.
Hmhm.
Ja, es war nett, dass du zuallererst hier vorbeischautest. Ich wünsche dir Glück. Auf bald.“
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[2. Kurzgeschichte] Grabwächters Worte
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