Tamashii no Utsuri

Ein RPG in der Welt der Shinobi
 
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 [Kurzgeschichte] Baum im Westen

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Sarutobi Ringo
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BeitragThema: [Kurzgeschichte] Baum im Westen   Sa Dez 12, 2015 1:42 pm

~ Der Schnellschuss einer Kurzgeschichte. Im gestrigen Tellerwaschen hervorfantasiert, in einem Rutsch runtergeschrieben.
Der pure Spaß ~


Baum im Westen

„Alter Mann. Aufgewacht!“ Sie stand auf der sanft gewellten Kuppe eines Hügels und rief in die Senke hinunter. „Fünf Fingerbreit. Fünf Fingerbreit überm Horizont stehts, also erhebe dich! Was, du kannst nicht. Was, ich lüg dich an? Schwafele nicht, die Sache ist ernst. Natürlich sind es fünf! Nicht deine Fünf? Kunststück. Ich sehe noch mehr Fünfen, so nebenbei. Ich sehe fünf Fässer, gestern waren es zehn! Ich sehe fünf Eselchen, die den Karren mit den zehn Fässern zu dir heraufziehen durften, aber waren es nicht sechs? Selbst einer wie du kann sich also in die Besinnungslosigkeit zechen... Was rede ich, als täts mich überraschen. Nein. Nein, ich möchte nicht. Mir egal, ob es für einen Fingerhut noch reicht. Die Leute im Ort konnten kaum schlafen, so einen Geistertanz hast du aufgeführt... Singen nennst du es, schön.
Aufgemerkt, alter Mann. Richte deine hervorquellenden Äuglein auf mich. Ich gehe nun schon vor, du kommst nach. Raff dich auf, die Sache ist nicht lustig. Sie ist wichtig. Höllisch wichtig! Ach, von mir aus.“ Damit zog sie ab.

Die Sonne schaffte kaum zwei weitere Fingerbreit, da kam das Örtchen schon in Sicht, das sich wie schüchtern zwischen die weichen, rollenden Hügel und den schroffen Fuß eines Gebirges gedrängt hatte. Als würde es sich vor irgendwas ducken. Die Bewohner des Örtchens jedoch duckten sich nicht. Sie flüchteten. Zumindest die Furchtsamen und Verängstigten, die Pessimistischen und die Übervorsichtigen. Letztere hatten Nachrichten zuhause zurückgelassen wie „Nur zur Sicherheit machen wir einen Tagesausflug. Hoffentlich bis morgen.“
Im Örtchen selbst versammelte sich das übrige Volk: Die Mutigen und die Dummen, die Abenteuerlustigen, die Unwilligen, die Neugierigen und so weiter. Die Menschen standen auf dem Dorfplatz umher, und die einzelnen Grüppchen versuchten, entweder wie eine Art tapfere Bürgerwehr oder wie unbeteiligte Zuschauer auszusehen.
Die Bürgerwehr starrte die Fremde an wie eine Art Heldin oder Anführerin. Als würde sie ihnen im Ernstfall Befehle erteilen, Kommandos brüllen und sie alle zum Sieg führen. Und wenn.
Am Ende liefen sie eh. Taten sie immer.
Die Anderen schauten, als wollten sie die Auswärtige am liebsten loswerden. Mit Blicken töten. Oder mit ihren Sensen und Spitzhäckchen, die sie umklammerten wie Rettungsseile. Vielleicht erwogen sie ja, sich im Angesicht der Gefahr gegen sie zu stellen und damit vor besagter Gefahr zu katzbuckeln. Und wenn.
Am Ende liefen sie eh. Taten sie immer.
„Ist euer ehrenwerter Parasit schon da?“
Sie sprach nicht laut. Musste sie gar nicht. Flüstern hätte genügt. Und die Blicke der Leute genügten ebenfalls zur Antwort, denn sie wandten sich allesamt in Richtung der Hauptstraße – die zugleich die einzig wahre Straße war, die nicht in Schlamm ersoff. Was nicht hieß, dass es eine Prachtstraße war. Der Mann, der diese Straße heruntermarschierte wie ein Feldherr auf einem Siegeszug, verspritzte dennoch bei jedem Schritt Dreck. Und er glänzte, wo besagter Spritzdreck ihn nicht zu beflecken vermochte: Er trug eine Kikko-Rüstung aus Kupfer, eine Weste mit glänzenden Metallplättchen.
Auf anderes Gerümpel hatte er verzichtet. Was er trug, trug er fast wie Schmuck. Bloß das Schwert war vielleicht interessant, abenteuerlich über die Schulter gehängt und in einer überraschend schlichten Lederschlaufe steckend.
Je näher er kam, umso weiter wichen die Leute zurück. Als schöbe er eine Barriere vor sich her, die nur für Handwerkerhände zu ertasten, nur für bäuerliche Nasen zu erschnuppern war.
„Wo ist mein Essen?“, fragte er. Noch im Stimmbruch. Drumherum lachte trotzdem niemand.
Vielversprechend.
Von den Dörflern sagte keiner etwas, als konnte es ohne Umschweife beginnen.
„Hast du Geld?“, fragte sie sachlich. „Wenn du Essen willst, wirst du Geld geben müssen.“
Er hatte sich von Anfang an auf sie konzentriert. Kannte wohl die Gesichter und wußte auch genau, was ein fremdes Gesicht bedeuten mochte. Unruhe. Fremde brachten immer nur Unruhe, ärgerten die Traditionsbewussten und versauten die Jugend mit ihrem fremden Gerede von fremden Ländern und fremden Sitten.
Der stimmbrüchige Schwertträger legte betont Hand an sein Schwert, als wolle er sichergehen, dass sie es auch bemerkte. Wo es wohl herkam? Es sah zu fein aus für... was auch immer für eine Art von Krieger sich in einem solchen Örtchen niederließ.
„Du“, sprach er, zog das Wort in die Länge. Sie widerstand der Versuchung, ´Ich´ zu sagen. „Warum bringst du Unordnung in diese Geschichte? Weißt du nicht, wie die Dinge hier laufen? Hat man dir nichts erzählt?“
„Man hat mir erzählt, was passiert. Ich möchte gern sehen, wenn es passiert.“
„Du willst es sehen?“
„Sehen und beseitigen.“
„Beseitigen.“
„Ich will das Monster sehen, das man mir versprochen hat. Und ich will es ausweiden, dieses Monster, das diese unerhörte Menge an Reis verschlingt. Ganz generell bin ich interessiert an diesem Ding, das sich so menschenfreundlich ernährt.“
„So.“ Der glänzende Schwertträger wandte sich der Menge zu. „Was ist das hier. Was für eine abgerissene Strauchdiebin habt ihr angeheuert, um für euch solche Reden zu schwingen?“
„Sie haben mich nicht angeheuert und mich sogar förmlich pausenlos gewarnt“, entgegnete sie geduldig. „Bleiben wir beim Thema. Reis? Dein Monster frisst Reis? Nicht einmal eine Jungfrau pro Monat oder sonst Irgendwas?“
„Bötest du dich etwa an? Bedaure, du scheinst mir aus dem Alter heraus.“
Sie lächelte beinahe. „Hol einfach, wovor mich gestern jeder hier warnte.“
Sie sah das Zögern. Doch nicht das Zögern eines Lügners. Es lag Genervtheit darin, keine Sorge um ein Märchen. Es war das Zaudern von Jemandem, der in seiner Wohlfühl-Routine steckte und einfach keine Lust hatte, diese Schale aufzubrechen.
Sehr gut.
Der Blick des Schwertträgers wanderte nun an ihr herab. Insbesondere an ihrer rechten Seite. „Irgendetwas ist seltsam an dir.“ Er ging sogar soweit, dichter heranzukommen und ihren Umhang beiseite zu schlagen. Was er sah, erheiterte ihn. „Eine Einarmige.“
„Gute Augen.“
„Keine Waffe?“
„Ich mag keine Klingen.“ Nun lächelte sie wirklich. „Du siehst auf eine ganz fabelhafte Heilkunst. Und einen tadellosen Schnitt, nicht wahr? Nichtmals zwei Fingerbreit von der Schulter sind noch da. Das, was mir diesen Genuss beschert hat, war ein wirklich schönes, scharfes Schwert. Fast so schön wie Deines.“
Irgendwas passierte. Er trat wieder zurück, gefasst, aber mit maskenhafter Miene. Vielleicht hätte sie nicht so direkt lächeln sollen.
„Hol das Monster.“
Er ging, es zu holen.

Die Minuten verstrichen, die Dörfler murmelten, die Fremde wartete. Der Schwertträger war noch einige Zeit in Sicht gewesen, während er sich als kupfrig glänzender Schemen den Berghang hinaufgekämpft hatte. Dann versperrte eine vorspringende Felsnase die Sicht.
„Gleich kommt es“, flüsterte ein Vertreter der spontan gegründeten Bürgerwehr. „Was jetzt?“
„Was jetzt? Tut, was ihr wollt“, entgegnete sie gemächlich. „Geht in Deckung oder so etwas.“
„Wo ist... dieses... Ding, von dem Ihr gestern spracht?“
„Schläft seinen Rausch aus.“
Einige Mutige wurden zu Ängstlichen, einige Dumme und Unwillige zu Übervorsichtigen.
„Vielleicht schafft er es noch pünktlich.“
Es wurden mehr und mehr und mehr.
Dann ein Krachen, ein Donnern, ein Brüllen. Getöse rollte den Hang herab und über die Flachdächer bis in die Hügel davon. Auf der Felsnase erschien eine Gestalt, riesig und muskelbepackt und rot wie das schönste Feuer auf dem schönsten Kinderbild, gemalt mit den schönsten Filzstiften.
Sie lächelte. „Vielversprechend. Er kann sich also verwandeln.“
Um sie herum war niemand mehr. Die Dörfler beobachteten von fern, wie das pelzige Monster sich mit Felsbrocken bewaffnete. Es nahm sie in seine Pranken und packte sie mit seinen Schweifen, schickte ein halbes Dutzend mannsgroßer Steinkugeln durch den Himmel.
Präzise. Die Felsen schlugen ein wie Katapultgeschosse, zermalmten Dachgiebel und pulverisierten Schornsteine, platzten schlammsprühend in die schöne Hauptstraße und rauschten durch die Wände der nahen Schenke wie Glasmurmeln durch Papier. Ein Schuss ging in die Brauerei. Ein Pflaumenwein-Geysir war die Folge.
Sie war überrascht. Hatte nicht gedacht, dass noch soviel davon übrig war.
Auf den Schockbeschuss folgte der Ansturm hangabwärts. Das Monster warf sich förmlich die Klippe herunter. Es hatte etwas Spielerisches an sich, wie es die Bergflanke herunter tollte, auf ebenem Grund ankam und auf das Dorf zupreschte. Die Hauptstraße war seine Achse.
In ihrem Kopf entstand der Gedanke, dass nun ein paar Barrikaden nicht schlecht gewesen wären. Vielleicht hätte sie die Geschichte nicht gar so lässig angehen sollen. Immerhin hatte sie zumindest bis gerade eben noch eine Fülle von Arbeitskraft zur Verfügung gehabt. Doch... Sie zuckte mit den Achseln, selbst wenn niemand diese Geste sehen und deuten konnte. Und atmete Rauch aus. In dicken Schwaden wallte er ihr aus dem Munde, sammelte sich wie eine schwere, träge Wolke in einem Talkessel auf dem leergefegten Dorfplatz. Formte sich zu einem windenden Leib, der sich um sie rollte. Es gab Raum genug, und der Rauch nutzte ihn völlig, bildete einen kraftvollen gliederlosen Körper mit einem keilförmigen Kopf. Und Augen. Mandelförmige Flecken weißen Qualms im rußschwarzen Rauch.
Die Schlange richtete sich aus wie eine Armbrust.
Das Monster fegte über die Dorfgrenze und die Straße entlang, die trotz all ihrer Hauptstraßigkeit nicht breit genug war, um ihn einfach so durchzulassen. Die Schultern der Bestie streiften links und rechts die Dächer in einem Funkenflug aus erdbraunen Dachziegeln. Einige zerflatterten sogar zu fluffigen Wölkchen.
Die Schlange schoss vor. Monster und Rauch trafen sich auf halber Strecke, und plötzlich war da ein neuer Dorfplatz, ein frisch geschaffener kreisrunder Raum in der Vogelsicht des Örtchens, wo vorher eine Gerberei und die zwei Töpferei-Gewerbe gestanden hatten. Wofür brauchte ein Dorf auch zwei, morgen würden sich die Dörfler wenigstens eine wünschen.
Sie schaute zu, wie zwei Tiere miteinander rangen. Schemenhaft in der Rauchwolke, wie Schattenspiel. Die Sonne stand praktisch dafür. Massige Pranken tobten sich aus an diesem seltsamen Gegner, der zum Einen nur Qualm war und zum Anderen trotzdem zubeißen konnte. Umschlingen konnte. Verschlingen wollte? Das Maul der Schlange stülpte sich über den säbelzahnbewehrten Kopf. Das gefiel dem Monster weniger. Es stieß die Pranken in den Schlund der Schlange, fasste fleischformenden Rauch oder rauchformendes Fleisch oder was auch immer. Und riss das ganze Wesen mittendurch wie ein Held aus einer Sage, verstreute die zwei Hälften in der Landschaft und erleichterte die Infrastruktur um weitere wichtige Einrichtungen, wie das Barbier-Lädchen und die Schuhmacherei. Um Ersteres wars schade.
Nun nahm er die Fremde aufs Korn, schnaubte den Rauch in fast schon niedlichen Niesern aus und donnerte wieder los.
Sie duckte sich weg, in eine Gasse, und sprintete noch ein ganzes Eckchen schneller, als sie außer Sicht war. Das Monster rammte durch das Haus, als wäre es eine Sandburg. Verpasste sie. Ohne den Sprint wärs anders gekommen. Eine Rauchwolke klatschte ihm ins Gesicht. Hätte auch ein Schwamm sein können. Es schüttelte den massigen Schädel, brüllte und lief wieder nach. Nun begann ein Hürdenlauf für die Gejagte, ein Sprintrennen durch vernachlässigbares Material für den Jäger.
Ihre Hand tastete über den Gürtel, prüfte die darin steckenden gläsernen Phiolen, erfühlte die Formen der Verschlüsse und zog ein Gläschen, in dem maisgelbe Körnchen herumschwammen. Sie schmiss es dem Monster ins weit geöffnete Maul, wo es an einem Zahn zerplatzte.
Kurz darauf quoll maisgelber Schaum aus dem Schlund hervor, verhärtete und machte das Brüllen schwierig.
Und jetzt?
Sie sprang in die Höhe, als das Biest sich drehte und seine vier Schweife wirbelte wie Dreschflegel. Hasselte durch eine ellenlange Kette von einhändigen Fingerzeichen und spie erneut Rauch aus, diesmal von der zähen Sorte. Der Qualm zog über das Biest und fing sich als ein Gewimmel von Spinnweben. Zappeln machte die Sache nicht besser.
Würde das jetzt noch lang halten.
Während das Monster sich weiter verstrickte, umschritt sie es in gebührendem Abstand, die noch unversehrten Dächer als Trittsteine nutzend. Irgendwann würde Jemandem die Puste ausgehen. Dieser hier konnte da auch nicht anders sein. Hatte wohl eine heftige Ladung abgekriegt, um so lang so groß werden zu können. Vielleicht auch ein Jäger und Sammler? Nein, dann hätte er nicht hier im Nirgendwo den Hungrigen Gott einer kleinen Gemeinde mimen müssen. Wahrscheinlich hat er nur Glück gehabt.
Aus bernsteingelben Augen starrte er sie an. Sie lächelte und hob die Hand zum Gruß. „Du hast mir wirklich ein Monster gebracht! Wunderbar!“ Als er sie anbrüllte, lachte sie ihn aus, auch wenn die Windböe an ihren Haaren riss. „Kommst du nicht raus?“
Die Mimik des Biestes gefror plötzlich. Und schmolz gleich darauf. Sein ganzer Körper zog sich zusammen, implodierte, schwand zusammen – bis auf das nur noch mannshohe Ding, von blutroten Energieschwaden umgeben. Hinter ihm her schleiften zwei Schweife übers Dach, er er auf sie zupreschte. Mit einem schönen Schwert.
Sie begegnete dem Ansturm. Seitschritt, gleiten, Vorwärtsschritt, reingrätschen. Waffenarm packen, wegstoßen. Vom Außen ins Innen gehen. Kopfnuss ersetzte den Ellbogenstoß.
Nachtreten. Drauftreten, auf die Zehen. Festnageln. Keine zwei Arme mehr, aber zwei Beine. Das Knie fuhr hoch, durch heißprasselnde Energieschleier in den Schritt.
Das Schwert fiel ihm aus der Hand, klimperte über die Ziegel. Er stürzte vom Dach.
Sie betrachtete die roten Flicken und Fetzen wabernder Energie, die an ihrem Körper hängen geblieben waren. Durchsichtig, aber zäh. Brennend heiß. Wie ein Tuch voller Rasierklingen und hochkonzentrierter Heilkraft, denn ihre Haut pulsierte in einem sich stetig neu webenden Muster roter Schlitzer und frisch verheilter Wunden.
„Sehr schön.“ Sie tat einen tiefen Atemzug, griff mit ihrem Bewusstsein in die Schwaden und zog sie in ihren Körper hinein. So unangenehm wie eh und je; als trinke sie brühheißes Wasser, ohne auf den Reflex des Aufhörens zu achten. Sie spürte kein Anwachsen von Kraft; dafür war das hier nicht genug. Kastanien aus einem prasselnden Lagerfeuer sammeln. Das brachte wenig.
Sie wandte die Augen ab von ihrem Arm und hin zur anderen Seite des Daches. Schweigend starrte das Monster sie an. Verwandelt, erneut. Zum ersten Mal jedoch wirklich verblüfft.
„Da staunst du, hm? Du genießt die Kraft und hast so wenig Ahnung von der Quelle.“ Ihr Blick wanderte fast träge über die Schulter des Monsters in die Ferne. „Wenn man vom Esel tratscht.“
Ein Donnerkeil aus Lava explodierte zwischen den Schulterblättern des Monsters, das mit einem Aufbrüllen vorwärts flog. Sie sprang, setzte vom Dach ab, landete zwischen den geweiteten Augen und querte seine Stirn, hechtete über das wie von rotem Honig benetzte Chaos seines Rückens und eilte über den dritten der vier Schweife hinweg auf ein anderes Dach.
Der Neuankömmling platzte durch die Häuser, die noch standen, als wären sie Pflastersteine in einem Garten, die den Weg durch ein Blumenbeet wiesen. Er rammte das Monster mit einem Schulterstoß, folgte dichtauf und zwang den Gegner in einen Ringkampf. Er hatte den Vorteil der Übung, und den nutzte er. Lenkte nach links, steuerte nach rechts, stieß wieder nach links, erneut nach rechts, noch einmal nach links – und riss ihn runter, nagelte ihn am Boden fest. Zog eine Furche, eine Mulde. Irgendwer konnte daraus mal einen Dorfteich machen.
„Alter Mann, du bist spät.“
„Du wolltest mich wecken, oder nicht?“ Er blickte auf seinen Gegner herunter. „Immer wieder eine seltsame Erfahrung, in sein Spiegelbild zu blicken.“
„Es wird nicht besser, egal wie oft wir es tun, was?“
„Nein. Wird es nicht.“
Der eingequetschte Körper implodierte wieder, wechselte von Monster zu Maulaufreißer zurück. Der Schwertträger, nun ohne Schwert.
Sie sprang vom Dach und ihm in den Weg. „Du kommst nicht weg“, erklärte sie ihm. „Deine Rolle in dieser Geschichte ist vorbei. Ich nehme dein Päckchen von jetzt an.“ Er sträubte sich, als sie ihn am Kragen packte. Sie stieß ihn gegen eine Hauswand. „Nicht dein Fehler. Das Schicksal gab dir ein paar Momente von Glanz und Glorie. Nun nimmt es sie dir wieder. Wärst du einfach ein guter Junge geblieben.“
Dieser Moment gefiel ihr am wenigsten. Sie klebte ihm ein Siegelpapier auf das Kikko-Hemd. Legte die Hand auf die Kreisform. Und griff hindurch, während er mit jugendlich hoher Stimme wimmerte. Durch alles. Durch Metall und Leder und Haut und Fleisch.
Zog etwas heraus. Etwas, das siedend rot glimmerte.
Sie warf es in die Höhe wie einen Gummiball. „Für dich, alter Mann.“ Der Angesprochene fing das Ding mit dem Maul und schluckte, ohne zu kauen.
Der schwertlose Schwertträger blieb stehen, an die Wand gelehnt und so leblos wie das Örtchen, das er regiert hatte. Die Dörfler fanden ihn später, doch keine Spur mehr von den anderen.

Sie zogen über die Gipfelkette, folgten dem Rückgrat des Gebirges in Richtung untergehender Sonne, dem Meer entgegen.
„Es wird Zeit, heim zu gehen.“
Sie waren einen ganzen Ozean von ihrem Heim entfernt, doch selbst von hier aus konnte man ihn sehen, aufragend wie eine Himmelssäule, den Baum.
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