Tamashii no Utsuri

Ein RPG in der Welt der Shinobi
 
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 Laborkomplex Yuka Katsuhikas

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BeitragThema: Laborkomplex Yuka Katsuhikas   So Dez 15, 2013 11:57 am



Dieser Gebäudekomplex befindet sich an einer Hauptstraße der Innenstadt Kirigakures, wo sich noch zahlreiche andere Bürogebäude und Geschäftshäuser befinden. Man kann dieses 'Viertel' schon als nobel bezeichnen, allerdings nicht durch reiche Anwohner, sondern durch hier arbeitende Menschen und Firmenchefs, die durchaus wichtige und übernationale Arbeit verrichten. Dieses Gebäude hat insgesamt 4 Etagen über dem Erdgeschoss und jeweils drei untergeschössige Etagen, die in die Erde gebaut worden sind. Das große Grundstück ist von einem schwarzen Zaun mit Backsteinfundament und Säulen sowie einem großen hohen Tor umrahmt, während der Vorhof einen stets geschnittenen Rasen mit ordentlichen Wegen und saftig grünen Bäumen aufweist, die den Blick versperren, die sie allesamt am Zaun stehen. Die Leitung des Forschungslabor obliegt Yuika und Yuka Katsuhika. Es gibt noch zahlreiche andere Mitarbeiter, Auszubildende und auch Seminare für Lehrlinge der Iryônin-Karriere, hier allerdings mit Praxis-Anteil, da es sich nicht um eine Akademie handelt. Die Bekanntschaft des Labors und seiner Leiterinnen reicht weit über die Grenzen des Wasserreiches hinaus. Somit besteht hier nicht nur ein wichtiger Bildungs- und Wirtschaftsfaktor, sondern auch ein guter Punkt, um sich als bessere Konkurrenz gegenüber anderen Dörfern zu sehen. Das Labor eignet sich neben der Forschung allerdings auch zur Behandlung von Patienten, sollte das Krankenhaus überfüllt sein oder es sehr spezielle Fälle geben, wo Geräte gebraucht werden, die ein normales Krankenhaus nicht besitzt.
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BeitragThema: Re: Laborkomplex Yuka Katsuhikas   So Dez 15, 2013 1:39 pm

cf: Clanviertel des Teshima-Clans

"Bestellung abgeschlossen, ja? Sie sind wirklich ein vorzüglicher Lieferant, das kann ich durchaus unterschreiben. Aber dazu haben wir auf ihrem Schein ja kein Feld, das ist sehr schade. Sie sind ziemlich süß." Yuika Katsuhika stand gerade im Eingangsbereich des Laborkomplexes, als ein Lieferant mit ihr Unterschriften austauschen musste über eine Lieferung an Labortieren, Substanzen und zahlreichen Behältnissen für Experimenten. Der junge Mann mit den brünetten Haaren hatte recht gerötete Wangen und wusste nicht, ob er der älteren Dame auf die halb geöffneten Augen hinter der Brille schauen sollte oder auf die beinahe explodierten Argumente, die ihre violette Bluse unter dem Laborkittel aufdehnte wie zwei verschluckte Fußbälle. Die älteste der Katsuhika-Schwestern säuselte noch eine Weile weiter dem armen Burschen das Blut um die Ohren, welches sich nicht entscheiden konnte, in welche Höhen oder Tiefen es vordringen sollte. Ein Schlucken, Atemlosigkeit, Starren. Yuika tätschelte den Lieferanten. "Ach, gucken Sie doch nicht so betreten. Sie haben jetzt die Unterschrift, der Dienst ist bezahlt. Sie können gehen. Es war mir eine Freude." Wieder ein verstörtes Nicken, der Mann in blauer Uniform drehte sich um und ging mit hochrotem Gesicht hinaus. Er wagte vor der Tür noch einen Blick zurück, wo Yuika ihm winkte, woraufhin er aber nur noch verstörter wirkte und sich auf und davon machte. Mit den Händen an den Hüften zog die Großbosige die Augenbrauen hoch. "Also was die Jungs von heute nur für Probleme haben. Zu schüchtern, um sich normal zu verabschieden." Sie zuckte die Schultern und drehte sich zum Empfang um, wo drei verschiedene Angestellte saßen mit großen Büroschränken im Rücken. "Hat eine von euch Schätzchen Zeit für einen Kaffee?", fragte Yuika zuckersüß und lächelte entspannt. Zwei Empfangsdamen sahen auf, aber die Blicke aller Anwesenden richteten sich gen Eingang, als dort plötzlich jemand in schierer Panik hinein platzte. Es war eine der wenigen Krankenschwestern, die sich um Spezialpatienten kümmerte, die im Labor beherbergt wurden. Sie stolperte auf ihren weißen Klinikschuhen hinein, war bleich im Gesicht und schwitzte. Zuvor war sie wohl in einem der höheren Stockwerke gewesen und war die Treppe fast hinunter geflogen. "Katsuhika-sama! W-Wir haben einen... puh." Die Schwester bückte sich, stützte sich auf den Knien ab und atmete wie ein gehetztes Ferkel. "Jaaa? Was haben wir?" "Wir haben so etwas wie einen ... Notstand. Am Osten der Stadt gab es lauter Explosionen in einem Familienviertel. Man sieht die Flammen und den Rauch von den oberen Stockwerken her recht gut." "Und was hat das mit uns zu tun?", fragte Yuika desinteressiert. Dass gerade eine Katastrophe zugange war, war ihr klar, aber sie war ganz die Geschäftsfrau, die nun regelte, inwieweit dieses Drama von Bedeutung war. "Wir müssen doch etwas tun!" "Wir sind ein Labor, meine Dame, und kein Krankenhaus. Wir behandeln seltene Infektionen, Erbkrankheiten, drohende Epidemien, aber können uns nicht um hunderte von billigen Rauchvergiftungen kümmern. Was glauben Sie eigentlich, wo Sie hier arbeiten?" Die Schwester wollte gerade Widerworte erheben, da kamen gerade erschlagende Argumente durch die Tür geprescht. Die Schwester sah sich um, während Yuika mit hochgezogenen Augenbrauen einen blonden, älteren Mann sah mit einem Mädchen, das in eine Decke gehüllt in seinen Armen lag - oder eher leblos hing. "Was erwartet uns da denn?" Hinterher noch zwei Gestalten, ein junger Mann mit schicker Frisur, eine Blondine, die recht überarbeitet aussah. "Ich wusste nicht, dass heute Tag der offenen Tür ist." Yuika legte ihre vorherige Frage zum Kaffee beiseite und trat neben der Krankenschwester hervor, mit verschränkten Armen und skeptischem Blick. "Was wollt ihr hier? Seid ihr aus dem Stadtteil, der gerade brennt? Ich sagte bereits meiner Angestellten, dass wir kein Krankenhaus sind. Rauchvergiftungen gehören nicht in unseren Behandlungsraum." "Bitte. Ja, wir kommen von dort, aber wir sind auf Yuka Katsuhikas Empfehlung hier. Sie kommt noch nach. Sie müssen meiner Tochter helfen!" Anschließend trat Anise hervor, um mit Yuika zu sprechen. "Ich bin Haruka Teshima, Iryounin des Clans. Eure Schwester wies mich an eine Computertomographie durchzuführen. Wir müssen dringend dorthin, Chiyoko befindet sich seit knapp einem Tag im Sopor." "Natürlich, sobald die Anweisung vom Schwesterchen kommt, werden wir zum Alltagskrankenhaus. Aber meinetwegen, geht ins zweite Untergeschoss. Hier entlang." Anise und Kotaro folgten Yuika, die links einen Weg zum Treppenhaus einschlug. Chiyoko lag in den Armen ihres Vaters, während Ren wohl das Ende der Gruppe bildete, konfrontiert mit eltich Fremden und medizinischen Fakten, die nur Iryounin verstanden. Einige Stufen und Etagen später gab es keine Fenster mehr, sondern nur noch Trakte und Flure, die an eine andere Welt erinnerten. Alles war weiß erleuchtet, gefließt, steril, es liefen maskierte Gestalten (Ärzte und Forscher) umher und wunderten sich über den seltenen Anblick eines Patienten. Die Leiterin des Labors öffnete die Tür zu einem der vielen Räume und dirigierte Kotaro zu einem weißen dicken Ring, bei dem eine schräge Liege befestigt war. "Legt sie dort rauf." Gesagt, getan. Er legte Chiyoko auf die Liege, damit die CT-Trommel sich um sie herum drehen und sie bestrahlen konnte. Yuika verschwand mit Anise in einen Nebenraum, wo sie Befehle in eine Tastatur eingaben, woraufhin die Tomographie gestartet wurde. Derweil konnten sie nichts anderes tun, als herumzustehen und dabei zuzusehen wie anscheinend nichts geschah, doch nach und nach erscheinten auf vier Bildschirmen im Nebenraum die 3D-Darstellungen von Chiyokos Innenleben. Yuika stieß einen anerkennenden Pfiff aus, sie schien die Coolste in der gesamten Situation zu sein. "Da haben 'wa aber was besonderes. Würmchen, wie? Dieser ... Clan da. Teshima sagtest du, Süße. Habt ihr nicht diese Larven in euren Bäuchen?" Angewidert sprach Anise: "Ja, die Teshima tragen Shisei-Larven in ihren Bäuchen. Ich möchte Euch daran erinnern, dass Ihr gerade mit einer sprecht. Ich besetze gerade meine Wirtin, da diese nicht in der Lage ist, mit der Situation umzugehen. Können wir bitte weitermachen?!" "Alles klar. Beruhig dich, ich wollte nur fragen. Sag dem Blonden, dass er sein Kind wieder nehmen kann. Ich analysiere eben die Werte und Ergebnisse." Anise nickte und trat aus dem Raum heraus, wonach sie Kotaro anwies Chiyoko wieder an sich zu nehmen. "Lasst uns hier raus gehen." Die kleine Truppe trat mit der leblosen Chiyoko auf den Flur, während Kotaro an der Wand den Kopf gegen jene schlug, wobei er Chiko an sich presste. "Wie konnte das passieren? Welches Schwein tut so etwas?" Seine Stimme sprach, während sein blondes Haar ihm ins Gesicht fiel. "Schatz..." Anise berührte Kotaro am Arm, aber das half dem sorgenden Vater nicht viel. Derweil war genug Zeit vergangen, damit jemand anderes seine Ankündigung verwirklichen konnte. Man hörte aufgerecktes Stöckeln, eine herrische dominante Frauenstimme erfüllte die Flure und das gesamte Labor wusste: Yuka was in da hood. Der Hausdrache war in die Höhle seiner Heimat zurückgekehrt. "DU PENETRANTE AMÖBE! BEWEG DEINEN ARSCH IN DEN DRITTEN STOCK STATT MICH MIT SO EINEM BESCHISSENEN MIST ZU NERVEN!" Ein paar Sekunden später ein erneuter Ausbruch des lauten Organs. "WENN DU BIST ZWEI ZÄHLEN KÖNNTEST, WÜSSTEST DU, DASS YAMAI-SAN PATIENT B2 IM DRITTEN STOCK IST! HUSCH JETZT!" Geballte Fäuste, ein Gesicht wie ein wilder Löwe, festes Stampfen, bis Yuka in dieser Etage ankam, den Flur hinunter lief und den Raum erreichte, wo ihre Schwester die Tomographie auswertete. Sie schnaubte wie ein Güterzeug und hielt dann inne, als sie Kotaro und Anise an der Wand stehen sah. "Die Tomographie ist fertig?", fragte sie etwas ruhiger. Anise nickte. "Gut, wartete einen Moment." Yuka ging zu Yuika, welche sie mit einem Lächeln empfing. "Wie sieht's aus?" "Ganz gut, bis auf die Tatsache, dass du das Labor anscheinend nicht würdigst, indem du billige Patienten hier einweisen lässt. Aber die Morphologie der Kleinen ist interessant." "Es tut mir leid, aber wenn du wüsstest, was da gerade los ist ... Es gibt bereits die ersten Toten, keiner weiß, wer das war, alle haben geschrien und ich bin von einer Druckwelle gegen einen Schrank gerissen worden, weil ich diese Chiyoko mit zurückgeholt habe. Wenn du mich knechten willst, mach es bitte wann anders." "Schon gut. Es aus deinem Mund zu hören, ist ernstzunehmender als von einer panischen Krankenschwester, die mir von Kilometer entferntem Rauch berichtet." Die Schwestern wendeten sich den Bildern zu, wo für ihre Augen befremdlich eine in sich zusammengerollte Larve zu sehen war, die eindeutig Teil des Kreislaufs von Chiyoko war. "Genetik ist nach wie vor das faszinierendste Thema der Welt." Yuka kniff die Augen zusammen und drehte eins der Bilder so, dass Chiyokos Rücken zu sehen war. Sie zoomte heran, um sich die Wirbelsäule anzusehen. "Ich bin skeptisch, was ihre Wirbel angeht. Sie hatte ein eingeritztes Kreuz aus ihrem Rücken von dem Kerl, der sie gequält hat. Wir mussten sie retten, weil sie entführt war. Sie hatte auch noch Stichwunden von Senbon im Rücken. Dass die Haut so gerötet war, gefällt mir absolut nicht. Es war davon keine Verletzung ersichtlich, aber höchstwahrscheinlich wurde sie mehrfach mit Raiton konfrontiert." Yuika deutete auf einen der oberen Wirbel. "Siehst du das? Ein oder zwei Nerven sind nicht da, wo sie sein sollten. Ist sie wirklich so herb behandelt worden?" Yuka nickte und drehte sich zu einem anderen, größeren Bildschirm, während dessen Farbe in ihren Augen flackerte. Mit verschränkten Armen murmelte sie: "Ramus anterior ist betroffen. Es muss einen gewaltigen Schlag gegeben haben, ansonsten verschieben sich die Spinalneven nicht so leicht. Eine mikrochirurgische Dekompression wird nicht reichen. Yuika, ich möchte, dass du mir assistierst. Wir müssen operieren. Laminektomie, auf in den OP-Saal. Sag den Schwestern, dass sie alles vorbereiten sollen. Liege in Bauch-Lage, Haruka muss einkleidet werden, da nur sie sich mit diesem Symbionten ausgeht. Ich gehe mich eben umziehen. Bring Teshima-san und seine Tochter bitte zum Saal." Yuka beeilte sich, riss die Tür auf und lief den Flur hinab ohne irgendwas zu Anise, Ren oder Kotaro zu sagen. Sie verschwand im Schwesternzimmer, wo OP-Kleidung, Mäntel, Munschutz und zahlreiche andere Dinge hingen. Yuika kam derweil aus dem Nebenzimmer des CTs heraus, hatte die Arme verschränkt und schien entspannt. "Die Ergebnisse sind soweit ausgewertet. Der Risikofaktor ist die Wirbelsäule mit einigen ihrer Spinalnerven, wenn euch das etwas sagt. Tesima-san, folgen Sie mir bitte mit ihrer Tochter. Haruka, ebenso. Sie müssen mir und meiner Schwester als befugte Ärztin für ihren Clan helfen. Wir operieren." Haruka nickte, während Kotaro gar nicht mehr wahrnahm, was man ihm sagte. Er nickte nur und folgte der älteren Katsuhika, die sich noch kurz dazu an Ren wendete. "Sie bleiben bitte draußen, Schätzchen. Im Erdgeschoss sind im Foyer genug Sitzgelegenheiten, das hier kann eine gewisse Zeit dauern." Beim OP-Saal angekommen übergab Kotaro Chiyoko an einige Krankenschwestern, die die Teshima auf eine Liege legten. Sie verschwand in einem abgetrennten Flur, genau wie Yuika und Haruka. Yuka kam irgendwann dazu und sagte, dass Vater und Freund der 26-Jährigen wirklich nach oben gehen sollten. Daraufhin verschwand auch sie im OP, um sich um die Blonde zu kümmern. Kotaro lief derweil ziemlich ausgelaugt neben dem Schwertshinobi her, da er das Angebot hatte annehmen wollen ins Erdgeschoss zu gehen. "Ich... verstehe es nicht. Wer war das? Wer entführt meine Tochter, quält sie so und zerstört dann unser aller Hab und Gut?"
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BeitragThema: Re: Laborkomplex Yuka Katsuhikas   Di Dez 17, 2013 7:52 pm

cf: Clanviertel des Teshima-Clans

Während sie die Flammen hinter sich zurückließen, lehnte Ren seinen Kopf kein einziges Mal über die Schulter. Es war, als ob sie ein ödes Land verliesen. Als ob sie nur zu Besuch gewesen wären - jedenfalls kam ihm das Verlassen in der Eile so vor. Dabei züngelten sich Flammen an den Hölzern entlang auf die Lebenden. Man hörte Schreie. Rufe. Doch sie entfernten sich weiter, während er alles ausblendete. Seinen Blick kurz auf Chiyoko fokusierte, welche wie leblos in Kotaros Armen lag. Es machte ihn fertig, dass sie noch nicht aufgewacht war. Es kotzte ihn an, dass er nichts tun konnte, außer zuzusehen. Nicht einmal diesen Mistkerl hatte er schnappen können - stattdessen hatte letzterer gar noch drohen können, dass er und Chiyoko sich nochmals wiedersehen würden. Einem Gedanken, vor dem es Ren grauste. Wiedersehen. Chiyoko und dieser Kerl? Nur über seine Leiche! Er hatte sie gesehen, verstand nicht, wie man anderen so etwas antun konnte. Natürlich, ein jeder hatte eine dunkle Seite - doch das, was dieser Dunkelhaarige getan hatte. Der Schwertshinobi spürte förmlich, wie die seine an die Oberfläche kroch. Hörte wenig später das Suiton des ersten Helfers einschlagen. Ob seine Familie darunter war? Er beherrschte zwar kein Suiton, doch das traf nicht auf den Rest seiner Familie zu. Zumal er behaupten konnte, dass seine Familie gerne anderen half. Nicht nur deshalb waren zwei Iryônin unter ihnen. Mit einem missmutigem Gesicht wich er Chiyokos leblosem Körper aus, verlangsamte schließlich seinen Schritt, als sie am Labor ankamen. Ein Labor, in welchem man sie nicht wirklich freundschaftlich oder gar alarmiert begrüßte. Nein stattdessen zuckte man fast noch mit den Schultern. Als ob es alltäglich war. Hätte Anise nicht beherzt die Lage beschrieben, hätte er die Frau am Kragen gepackt. Ren rastete im Normalfall nicht aus. Doch das hier war kein Normalfall. Hinter ihm starben Leute in Flammen. Jämmerlich. Verbrannten in Unkenntlichkeit, was ihn ernsthaft ankotzte. Doch nicht nur hier hätte er sich fast gegen sie gestellt, sondern auch wenige Minuten später, als man ihnen sagte, sie sollten draußen warten. Nachdem Yuka gekommen war. Nachdem Kotaro bereits seine darauffolgende Frage angekündigt hatte. Warum man so etwas tat. Wie man so etwas tun konnte. Wütend hatte sich Ren neben dem Mann verspannt, genauso wie gegenüber Yuika. Umso dankbarer war er gewesen, als er Yukas bekannte Stimme vernommen hatte. Nur wurde ihnen wenig später mitgeteilt, was Sache war. Sicherlich. Er war kein Familienmitglied und das versetzte ihm gerade einen ungeahnten Stoß. "Nenn' mich nich' Schätzchen. Wenn ich eins bin, dann mit Sicherheit nicht... Ihres.", kam es gefährlich zwischen seinen Zähnen hervor. Geradeso hatte er noch den Anstand wahren können. Es war gut, sich im nächsten Moment abzuwenden. Wer weiß, was sonst geschehen wäre? Niemand wollte sich wohl darüber Gedanken machen. Und so befand er sich letzten Endes an Kotaros Seite, der jene Frage stellte. Eine Frage, bei welcher er sich abermals verspannte. Nur dieses Mal stehen blieb und mit einem dunklen Schatten auf der Mimik den Vater Chiyokos bedachte, nachdem er des Bodens überdrüssig geworden war. "...Ernsthaft...?" Ren wusste, dass er Kotaro keine Schuld geben konnte, doch seine Stimme klang leise. Zu leise, wenn man ihn kannte. Er konnte es nicht verhindern, dass die Lächerlichkeit, welche diese Frage seiner Ansicht nach aufwies, deutlich hindurch drang. "Sie wissen ernsthaft nichts? Wollen sie mich verarschen?" War Kotaro vorher nicht selbst ausgerastet? Was war das hier? Fassungslosigkeit?! Als ob! "Sie haben nicht mitbekommen, wie man sie meinetwegen beobachtet hat? Wie sie deshalb immer in ein schlechteres Licht gerückt ist und man sie schließlich vollkommen ausgegrenzt hat? Sie ist Ihre Tochter und sie haben es nicht bemerkt?" Ein böses Funkeln trat zusätzlich in Rens braune Augen - wobei er nicht einmal selbst bemerkte, dass er sich bereits ohne Widerwort die Schuld gegeben hatte. "Was glauben sie wohl, wen sie nicht sehen sollte? Wem sie ein Dorn in den Augen war? Heh..." Wohingegen er in den letzten Satzteilen lauter geworden war, wurde seine Stimme nun noch leiser, wobei er es mehr zu sich selbst sagte. "... und dieser Mistkerl ist auch noch davongekommen... warts nur ab..."
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BeitragThema: Re: Laborkomplex Yuka Katsuhikas   Di Dez 17, 2013 9:06 pm

"Den Dornfortsatz haben wir entfernt." Yuka sprach leise, aber deutlich gegen ihren türkisen Mundschutz, während eine Krankenschwester ihr mit einem Lappen über die Stirn wischte. Chiyoko lag weiterhin in ihrem Sopor auf einem Operationstisch auf ihrem Bauch, während Yuika mit Skalpell und einigen Zangen den Rücken der Teshima aufgeschnitten hatte. Mit einem feinen Schnitt, nicht allzu groß, aber groß genug, um einen gesamten Wirbel der Säule der jungen Frau klar zu sehen. Dabei hatte die ältere Katsuhika durch die Narbe schneiden müssen, welche der Patientin bei ihrer Folter mit einem Kunai zugefügt worden war, sodass Anise ihre Hände mit Medic-Chakra auf den Wundrand hielt, um die Regeneration der Zellen zu stützen. Yuika sah auf den Knochenfortsatz, den Yuka soeben mit einem Knochenfräser entfernt hatte. Er lag in einer Silberschale auf einem schiebbaren Regal mit ein bisschen Blut an der Spitze. "Wir müssen die Dekompression vorbereiten. Knochensäge." Yuika hielt ihre Hand auf und bekam das entspreche Gerät hinein gelegt. Sie warnte Anise vor, auch wenn ihr klar war, dass sie das Geräusch eventuell kannte. "Achtung, das wird sehr unangenehm." Plötzlich wurde das Gerät eingeschaltet und es ertönte das beißende Geräusch einer hochbetriebenen Säge, die wohl selbst Glas in Windeseile heilsam zerschneiden konnte. Yuika führte das Sägeblatt näher an Chiyokos Wirbel und kniff leicht die Augen zusammen, während Anise den Kopf wegdrehte. Der Ton schoss durch Körper und Seele, als die Säge in den Knochen schnitt. Es war kurz, aber sehr desorientierend. Dann folgte eine nächste kurz Schneidephase, eine dritte und letzte. "Knochenmeißel", forderte Yuika und tauschte das Gerät ein. Sie begann gröbere Stücke des Wirbelbogen zu entfernen, die zu scharfkantig waren und schliff anschließend mit einem weiteren Werkzeug die behandelte Stelle glatt. "Wirbelbogen ist fertig. Nun der Querfortsatz, damit wir den Nerv befreien können." Weitere Säge-, Bohr- und sogar Hackgeräusche, während das sanfte Surren von Anises Medizin-Chakra zu hören war. Nebenbei überprüfte Yuka den Kreislauf von Chiyoko. "Du solltest dich beeilen, meine Liebe. Ihr Puls fällt und ich weiß nicht, welche Auswirkungen das auf den Symbionten hat. Haruka, was kann Raiton Euch am Bauch antun?" Die Blonde sah auf, wobei die Larve einfach antwortete. Ihr Gesicht war ernst, mit einer sachlichen Erklärung parat. "Raiton ist eines der aggressivsten Elemente, das bei einem Angriff direkt zu uns als Symbionten weitergeleitet wird. Zwar kann das Schmerzempfinden geschwächt bis blockiert werden, indem die Nozirezeptoren deaktiviert werden, allerdings trifft dies nur auf den Wirt zu. Sollte Jolinar von Raiton - mehrfach - getroffen worden sein, ist sie extrem geschwächt. Sie befindet sich eventuell selbst in so etwas wie einem Koma oder eine schweren Paralyse. Garantiert ist, dass weder sie noch Chiyoko Zugriff auf das Bewusstsein des jeweils anderen haben. Ansonsten hätte schon irgendwer von ihnen mit uns gesprochen. Die Larve ist zudem noch lebendig. Wenn der Wirt lebt, lebt sein Symbiont ebenso. Sie sterben nur gemeinsam." Yuka nickte und sah wieder auf die Wirbel, die Yuika gerade behandelte. Sie arbeitete wieder mit der Meißel, sodass es leiser war. "Tun können wir für die Larve also nicht sehr viel, wenn sie in einem ähnlichen Zustand ist. Die Erweckung ruft höchstwahrscheinlich Gehirnschäden hervor." Die bezeugte Anise lediglich mit einem ruhigen Nicken unter ihrer OP-Haube und dem Mundschutz. Yuika nahm derweil weitere Knochenteile hervor, tat sie in die Silberschale und ließ sich die Stirn abwischen. "Du bist dran. Wir müssen die Spinalnerven bewegen. Ganz vorsichtig, ansonsten kommt es zu Nervenschäden." Yuka verdrehte kurz die Augen. Sie wusste, was nötig war und was sie tun musste. Ihre Schwester tadelte sie lediglich, weil sie diese OP ohne Vorwarnung oder Befragung veranlasst hatte. Die 38-Jährige führte ihre rechte Hand in die Wunde ein, die wie alle anderen Hände von einem gelblichen Handschuh bedeckt war. Sie wirkte Medizin-Chakra, das sie anschließend ganz genau formte, um eine Art Haken am Ende zu haben. Dieser war extrem fein. Sie bewegte ihn langsam mit konzentriertem Gesicht, hakte den Spinalnerv ein und zog vorsichtig. Er bewegte sich wie gewollt und war letztlich wieder an seiner alten Position. Yuika betrachtete das Ganze, während Yuka sich um den zweiten Nerv kümmerte, der komplizierter verrutscht war. Gerade als sie diesen verflixten Faden an ihrem Zeigefinger hatte, beugte die Krankenschwester sich zur Seite und rief entsetzt: "Ihr müsst abbrechen! Sie hat keinen Puls mehr und die Atmung ist ausgefallen!" "Ach verdammt!", zischte Yuika, spreizte die Hand und umhüllte sie mit grünem Chakra. Sie drückte sie auf die offene Wunde am Rücken wie ein Spinnennetz. Das Innenleben wurde davon durchflutet und in einen Art Speicherzustand verlagert. Anise drehte den OP-Tisch, wobei Yuka mit der Schwester Chiyoko auf die Seite drehte. Sie konnten sie schlecht auf ihren aufgeschnittenen Rücken legen. "Stimmt etwas mit der Larve nicht?! Was ist das?" Die Blonde presste geübt ihre Hände auf den zierlichen Brustkorb, wobei Anise mit geschockten Augen auf die nackte Chiyoko sah. "I-Ich weiß nicht! Es gibt dafür keinen Grund, unser ... Organ ist nicht mit dem Rücken auf ... dieser Höhe verbunden. Jolinar!" Anise konnte plötzlich nicht anders als diese Namen auf das Kreuz der Teshima zu rufen. Yuka drückte derweil in einem schnellen Rhythmus immer wieder auf Chiyokos Brustkorb. "Komm schon! Ich hab dich- ... nicht gerettet, damit ... du stirbst." Sie pumpte, pumpte und pumpte. Die Sekunden schlugen wie Ambosse vom Himmel, die Krankenschwester betrachtete den Hals, fühlte und sah in das Gesicht der Operierten. Yuika wusste zuerst, was der Blick der jungen Frau bedeutete, als sie die Augenbrauen nach oben zog, ein Stück zusammen, wobei sie Yukas und Anises Blick erhaschte. Sie schüttelte bedauernd den Kopf. "Lass gut sein, Süße." Yuka war keine von den panischen Ärzten, die immer und immer wieder versuchten ein Leben zu retten, wenn es vergeblich war. So entfernte sie sich einen halben Meter, senkte die Arme und betrachtete Chiyoko, die fast leichenblass vor ihr lag. Anise stockte der Atem. "Es war wahrscheinlich zu viel für die Hübsche. Vor allem mit ihren physischen Eigenschaften ... Zu viel." Yuka sah zur Seite, Anises Augen waren geweitet, starr vor Schock. Erst sah sie auf das Kreuz, dann auf Chiyokos Gesicht. "W-Was? D-Das kann nicht sein!" Die Larve ging mit Harukas Körper in die Knie, beinahe wie auf den Boden gestoßen. Sie legte die Hände auf Chiyokos Hüfte und führte den Mund an den Bauch heran. Was dann geschah, verwirrte die Anwesenden zusehens. "Hol, Jolinar! Kal kek m'al? Kel shak lo, kree! Kree!" Harukas Augen begannen Tränen zu bilden und diese für Anise austreten zu lassen. Ihre sonst so symbiontische stoische Ruhe zerbarst völlig. "Haruka, was-" Sie schrie weiter. "Leaa! Niss trah, Anise! Pal time shree tal ma!" Yuika stand derweil auf und verschränkte erzürnt die Arme. Für sie war das Ganze eine Nummer zu viel des Guten. Einerseits war ihr das Drama von Herzen nicht so wichtig wie anderen andererseits wollte sie nicht, dass demnächst noch mehr Leute hier einmarschierten, um sich eine Luxusbehandlung zu holen. "Das reicht jetzt. Bring sie hier raus, Yuka. Oder ich verliere die Geduld!" Yuka nickte lediglich, sie war ein wenig betäubt. Anise hing derweil mit dem Kopf am OP-Tisch und weinte, konnte nicht aufhören. Yuka zog sie an den Oberarmen nach oben, wobei sie glücklicherweise keine Gegenwehr leistete. Yuika und das restliche Team kümmerten sich um die offene Wunde, auch wenn das nur eine Art Endpunkt war, damit die Familie als Leiche keinen halben Zombie zur Beerdigung bekam. Yuka führte Anise nach draußen, die es aufgab Haruka zu kontrollieren. Jene trat nun selbst ans Tageslicht, klammerte sich an die Ältere, Hilfe suchend. "Warum? Was habe ich falsch gemacht? Das darf nicht sein!" Yuka tätschelte Haruka den Rücken, führte sie den Gang entlang bis zu einem Wasserspender, um ihr einen Plastikbecher mit Wasser reichen zu können. "Ich habe mich gegen alle gestellt, und konnte es trotzdem nicht verhindern. Nun ist sie tot! CHIYOKO!" Haruka raufte sich die Haare und sank mit dem Rücken an der Wand hinunter. Im Hintergrund hörte man, wie eine Tür knallte. Offensichtlich war jemand sehr genervt von dem Tobak. Yuka stand mit dem Becher daneben und hörte sich den Ausbruch einfach an. Mehr konnte sie nicht tun. Nur Schluchzen, nur Tränen. Was anderes brachte Kotaros älteste Tochter nicht fertig. Es vergingen etliche Minuten. Sie hockte neben Yuka, gefühlte 30 Minuten, wobei es letztlich nur 10 waren. Als sie ihre geröteten Augen öffnete, sah sie in die Leere. "Yuka-sama..." "Steht auf. Eure Gefühle sind in diesen Gängen nur verlorene Winde." Haruka heppte sich hoch, ergriff dankbar den Becher und trank einen kleinen Schluck. Yuka legte einen Arm um sie, während die beiden die Treppe in die oberen Stockwerke nahmen. Es hatte keinen Sinn hier zu bleiben. Letztlich würde das erschöpfte Mädchen nur selbst zusammenklappen, das konnte niemand hier gebrauchen.

Quasi völlig aus seinem Kummer gerissen sollte Kotaro sich derweil wohl Rens Ausbruch stellen. Mitten im Gang des Erdgeschosses zum Foyer schien dem Schwertshinobi der Kragen zu platzen, auch wenn er es zunächst nicht so laut untermalte. Der Teshima-Ehemann blieb stehen, hob erschöpft das Gesicht und sah dem Freund seiner Tochter in die Augen. Er überschwemmte ihn mit Vorwürfen, oder zumindest mit Fragen, die sich so beißend anfühlten, dass Kotaros Stirn sich in unangenehme Falten legte. Der ebenso Blonde ballte bei jedem Wort stärker seine bereits etwas gealterten Fäuste. Er wollte keinen Riesenstreit in diesem Komplex, aber dennoch wollte er um keinen Preis sitzen lassen, was er sich hier gerade anhören musste. "Im Vergleich zu allen Menschen, die ich bisher erleben musste, ging es ihr bei ihrer Familie immer am besten. Sicher nicht bei allen, aber du denkst wirklich, dass ich als ihr Vater so blind gewesen bin?" Kotaro verengte drohend die Augen, wobei er einen Schritt auf Ren zumachte. Er wollte ihn entweder am Kragen packen oder mit den Schultern gegen die Wand drücken, aber letztlich entschied er sich zu einer ausdrucksstärkeren Maßnahme, indem er sauer die Augen schloss, kurz darauf neben Rens Gesicht die Faust in die Wand schlug. Sein Atem ging schwer, die Wut und der Kummer musste irgendwie raus. Und so gereizt und sensibel momentan beide waren, so sehr sprangen sie sich wohl auch gegenseitig an. Mit der Hand in der Wand hob Kotaro sein Gesicht an. Seine Augen blickten unter seinen Augenbrauen ein bisschen empor, da er sich ein bisschen neigte. "Nenn mich einen schlechten Vater, und ich zeige dir, wen du hier versuchst zu beleidigen. Ich habe meine Frau nicht aus Spaß geheiratet oder Töchter gezeugt, weil es Unfälle waren. Ich wollte es. Ich habe meine eigene Familie dafür hinter mir gelassen, weil sie mich wegen meiner Liebe zu Naora verstoßen haben. Ich habe mehr Glück in diesem Clan gefunden, als du kleiner Junge dir vorstellen kannst. Ich sehe auch, was die anderen mit meinen Kindern versuchen zu tun. Was sie nun getan haben, wohl auch erfolgreich. Aber nenn mich nie wieder unauferksam oder blind - als wären meine Töchter nichts für mich." Anschließend zog er seine Faust zurück, drehte sich weg und ging den Flur entlang. Sein Schritt war beschleunigt, bis er sich im Foyer zitternd auf ein dunkelblaues Sofa neben einer Zimmerpflanze niederließ. Er war am Ende mit den Nerven. Vor allem verging die Zeit so dermaßen langsam. Sie schritt dahin, tick tack. Einmal musste Kotaro sogar gähnen vor lauter Anstrengung, bis ziemlich viele Leute nach etlicher Zeit ihren Kopf in eine Richtung drehten. Ren sah Besagtes wohl besser, da er sich gefühlt 10 Meter am anderen Ende des Foyers niedergelassen hatte. Kein Wunder, Kuschellaune herrschte ja gerade nicht oder? Auf die Tragödienbühne trat Yuka Katsuhika mit Haruka Teshima an der Seite, welche von Tränen überwässert war, gerötet, erschöpft. Sie hing eher an der Iryounin, als dass sie selbstständig neben ihr lief. Die Katsuhika sah Ren als erste Person, weswegen sie auf ihn zusteuerte. Nebenbei ließ sie Haruka noch auf ein Sofa sinken, beinahe wie eine geistig völlig Abwesende. Kotaro hatte sich erhoben und war zu den drei gerannt, fragte sofort: "Gibt es Neuigkeiten?" Die Sätze danach dürften sich wie eins der schlimmsten Genjutsu auf der Welt anfühlen, wie Felsen, die die Herzen der Anwesenden zermalmten, um leere Hüllen zurückzulassen. Yuka schloss kurz ihre honigfarbenen Augen, während sie einen Schritt zurücktrat, um Abstand zu Kotaro zu gewinnen. Sie sah zunächst Ren an, die Schweigsamkeit sprach wohl schon Bände. Dann den Vater. "Es tut mir leid, Teshima-san. Wir konnten nichts mehr tun. Chiyoko ist während der Operation verstorben."
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BeitragThema: Re: Laborkomplex Yuka Katsuhikas   So Dez 22, 2013 3:24 pm

Insgeheim wusste Ren ja, dass er zu weit gegangen war, als er das Wort an Kotaro gerichtet hatte. Doch irgendwo in ihm war einfach nur der Drang gewesen, alledem Luft zu lassen. Mit Sicherheit, es war nicht richtig gewesen, es gegenüber ihrem Vater zu tun - nur was hätte er sonst tun sollen? Einfach abwarten? Herumsitzen? Alles in sich hineinfressen, so wie er es so oft getan hatte und für was er auch noch öfter von seiner Familie angeprangert worden war? Dennoch hatte Kotaro mit seiner Reaktion Recht, wobei sie der seiner Mutter alles andere als unähnlich war. Der einzige Unterschied bestand wohl darin, dass die Faust wirklich in seinem Gesicht gelandet und er durch die Räumlichkeiten geflogen wäre. Ob die Nase dann gebrochen war? Das interessierte die ältere Kunoichi mit dem wachen Verstand, die sowieso zu einen der fähigsten Iryô zählte - nicht. Hauptsache dem Sohn die Leviten lesen und ihn wissen lassen, dass er einfach den größten Mist verzapft hatte. Denn nicht anders fühlte er sich, als er sich wenige Zeit später abseits von Chiyokos Vater niederließ und sich zurück an die Wand lehnte, seinen Blick über die Decke streifen lies. "Ich denke nicht, dass Sie blind waren, vielleicht habe ich mich falsch ausgedrückt. Wenn, dann war ich genauso blind wie Sie, Kotaro-San. Es geht eher darum, dass wir es eigentlich hätten verhindern können. Es hätte nicht dazu kommen müssen, das sie nun hier liegt und um ihr Leben kämpfen muss." Ihm war, als würde die Uhr immer langsamer und lauter zugleich ticken. Wie viel Zeit verging? "Krümel und Knopf waren bei mir. Ihre Kater. Sie haben mir davon erzählt, wie sich Dinge verdichtet haben, aber ich habe auch nichts unternommen, weil ich einfach nicht wusste, ob ich ihr dann nicht noch mehr schade. Dabei hat sie mir eigentlich geschrieben, dass ich ihr "überhaupt nicht schaden" kann - in gewisser Hinsicht." Auf seine Schulter bedacht streckte sich Ren, der sich einfach total verspannt fühlte, durch. "Ich kann nicht ewig ruhig bleiben, Kotaro-San. Ich war es auf der Mission. Ich war es, als wir sie fanden. Ich war es, als ich sie 'nach Hause' trug... Es gibt manchmal Bilder in einem Kopf, die einen in den Wahnsinn treiben können. Daher der Ausbruch und dafür Entschuldigung." Nicht weiter sitzen könnend, stand der Kitoku auf - musste nun selbst ein wenig auf und ab gehen. Nur wurde er kurze Zeit später unterbrochen.
Es war Haruka, die ihm als erstes signalisierte, dass etwas nicht so geklappt hatte, wie es es hätte tun sollen. Ihr bleiches Gesicht, ihr heißen von Tränen überströmten Wangen. Der Zusammenbruch auf dem Sofa. All das hätte ihn eigentlich schon vorbereiten müssen für die Worte, die er hören würde. Von Yuka, die im nächsten Moment entschlossen auf ihn zutrat, da er anscheinend als erstes in ihr Blickfeld gerückt war. Er wünschte, er wäre nicht aufgestanden. Hätte sich kurz etwas zu Trinken geholt oder sonst was. Nur um diese Worte nicht zu hören. Diese Worte, bei denen er einen Stein in sich spürte, der mit einem lauten ekelhaftem Platschen auf den Grund eines Meeres der Taubheit fiel. So und nicht anders fühlte es sich an. Schwindel ja. Aber Glauben? Nein. Vor seinem inneren Auge sah er das Grinsen. Hörte das Lachen und sah sich, wie er ihre zwei Kater mit einer genervten Miene packte oder sie mit beiden Händen an den Wangen zog, wenn sie einmal hatte freundlicher schauen sollen. Oder bei der Baby-Mission, wie sie das Essen gemacht hatte und ihn auf die Wange geküsst hatte. Wie er ihr angeboten hatte, dass sie Freunde sein und bleiben könnten. Unverfänglich. Einfach so. Ihre kurze gemeinsame Zeit lief nochmals vor ihm ab, wie in einem Film. Er las nochmals den Brief, hörte nochmal die Worte durch das Genjutsu. Gleichzeitig durchlebte er aber auch nochmals den Tod seines Onkels, den er ebenfalls nicht hatte verhindern können. Taubheit. Genau das war das richtige Wort. Und dann dieses Grinsen des Dunkelhaarigen mit dieser widerwertigen Visage. Ren verkrampfte sich. Dieser Mistkerl hatte gewonnen? Warum?! Er biss sich auf die Lippen. In seine Augen waren Verletzung, Trauer, Schmerz und Wut in einem vereint, als er Yuka anfunkelte. "Wieso?", kam es nur von ihm. Leise. Drohend. Er war in diesem Moment froh, dass Yuka sich einer besseren Gesundheit als er erfreute. Denn das Wissen darum hielt ihn davon ab, sie am Kragen zu packen und gegen die nächstbeste Wand zu drücken. Sie anzuschreien. Wie sie es hätte zulassen können! Aber genau diese Fragen bahnten sich ihren Weg an die Oberfläche. Sie wollten raus! Gesprochen werden! Er wollte einen Schuldigen, wollte ihn verurteilen - auch, wenn Yuka am wenigsten dafür konnte! Doch das war das nächste Problem: Nicht einmal auf Rache konnte er hoffen, denn dieser Kerl war ein unbeschriebenes Blatt! Sie kannten nicht einmal seinen Namen! Oh Gott, er wollte Takara töten. Sie vernichten. Rädern. Nein, eigentlich nicht. Er wollte Chiyoko wiederhaben. Seine Augenlider wurden schwer. Er stieß leisen Laut aus, presste jene Lider aufeinander und senkte sein Haupt. Die Bleiche im Gesicht, die Hände zu Fäusten geballt. Alle Spannung der Welt in seinem geschundenen Körper. "Wie haben sie sie sterben lassen können?" Nein, er hatte die Worte nicht verhindern können. "Wieso musste ausgerechnet sie sterben?!"
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BeitragThema: Re: Laborkomplex Yuka Katsuhikas   So Dez 22, 2013 8:04 pm

Yuka sah sich die Reaktionen der beiden Männer vor sich mit Bedacht an. In diesem Augenblick war sie einmal nicht die Furie vom Dienst, die das andere Geschlecht in Grund und Boden exorzierte. Dafür war sie viel zu sehr in das alles involviert worden, berufliche Distanz bröckelte ein wenig, also zog sie nur leicht die Augenbrauen zusammen, während Ren und Kotaro nur nachvollziehbar reagierten. Dächte Yuka an Yuika oder eine ihrer anderen Schwestern, wäre sie wahrscheinlich total ungehalten und würde in Verzweiflung jeden umbringen, der sie daran hindern wollte die Verantwortlichen zu stellen oder Ähnliches. Je nachdem, um welche Schwester es sich handelte. Die Verhältnisse waren nicht alle gleich eng. Während Ren zusehends um Beherrschung rang, nachdem quasi eine taube Welle durch ihn gefahren war, kamen die Fragen des Warums und Wiesos auf - gar wie Yuka es hatte zulassen können. Damit kratzte er recht stark an ihrem Mitgefühl und schubste sie in typisches Verhalten gegenüber Kerlen, die ihren Missmut erregten. Yuka verzog dementsprechend skeptisch das Gesicht, verschränkte die Arme und trat etwas zurück. "Ich habe letzte Versuche unternommen sie wiederzubeleben, allerdings schlug ihr Herz nicht weiter. Hätte ich auf ihrem Oberkörper herumhämmern sollen wie ein Kind in einer Hüpfburg springt?" Yuka zog lang und beherrscht die Luft ein, schloss die goldenen Augen und sah daraufhin zu Kotaro, welcher einfach mit großen, geschockten Augen da stand und nichts anderes ansehen konnte als die Iryounin. "U-Und der Symbiont?", fragte Kotaro leise, mit brechender Stimme. Seine türkisen Augen begannen allmählich zu flackern. Dicke Tränen sammelten sich zunächst in einem Wasserfilm über der Hornhaut des Teshima, bevor sie zu schwer wurden und über die Lider traten. Links tropfte es auf seine Wange, rechts floss es langsam und träge die Wange hinab. "R-Rein ... gar nichts?" Yuka schüttelte einfach den Kopf. "Wir haben keine Verbindung zu der Larve erhalten und auch sonst keine Zeichen vernommen. Sie war geringfügig bis zum Ende mit Chiyoko in Kontakt wie Haruka es mir sagte. Aber ansonsten ... sind sie gemeinsam ihren Weg gegangen." Dieser melancholisch schöne Satz gab dem Vater den Rest. Sein Körper schüttelte sich augenblicklich, er blinzelte, mehr Tränen kamen und er fiel auf die Knie. Ob er nun wie ein Mann aussah oder wie ein kleiner Junge, war ihm so verdammt egal wie dass hier so viele Leute um ihn herum waren. Seine tiefe Stimme wurde von einem Schluchzen verzerrt und erstickt. Dann begann er richtig zu weinen, während immer wieder der Name seiner Tochter erklang, den er hervorpresste. Yuka drehte sich kurz zu Haruka um, welche wie versteinert neben Ren saß. Ihre Augen waren apathisch. Die Ältere ging zu ihr und legte ihr die Hand auf die Schulter. "Bleibt beisammen. Ihr seid hier sicher." Ob das Relevanz besaß, war Yuka egal. Irgendwas musste sie ja sagen, statt betreten zu schweigen. Anschließend wendete sie sich ab, um zu den Empfangsdamen zu gehen. "Trefft bitte Vorkehrungen dafür, dass wir im Labor eine verstorbene Patientin haben. Es muss jemand kommen, der sich um den Leichnam kümmert."

In den tieferen Gefilden des Labors taten sich derweil eigenartige Dinge. Yuika Katsuhika war gerade dabei Chiyokos Wunde gänzlich zu schließen und die Frau auf den Rücken zu drehen, um sie in einen Plastiksack einpacken zu lassen, als die Messgeräte am Körper plötzlich explodierten. Die Anzeigenfelder zersprangen, die Zeiger schossen von einem Ende zum andern, lauter Pieptöne waren zu hören, ein Gerät rollte sogar zurück und stieß das Regal an, auf dem die Schale mit den Wirbelsäulenteilen ruhte. "Was zum Henker ist nun los?!" Yuika schrak hoch, nahm Abstand von Chiyoko und traute ihren medizinisch erfahrenen Augen nicht. Die Patientin, die eben noch als tot deklariert worden war, und seit mindestens fünf Minuten hier so gelegen hatte, riss die Augen auf. Ihr Brustkorb hob und senkte sich in krampfartigen Abständen, wurde geschüttelt, während die Augäpfel sich wild umher bewegten. Auf einmal sah Yuika mit an wie Chiyokos Augen weiß aufleuchteten, was ihr noch griechischer war als dieses plötzliche Erwachen. Dazu leuchtete der gesamte Körper plötzlich blau auf, als würde er nur für eine Sekunde mit einer Chakra-Hülle ummantelt. "Schwester!" Drei von ihnen kamen herbei gestürmt wie gehetzte Ziegen, verfielen genauso in Schreckstarre und vernahmen die kommenden Befehle erst recht spät. "Fixieren! Atmung unter Kontrolle bringen und alles hinein jagen, was wir haben!" Yuika trat an Chiyoko hinan und hielt ihre Wangen fest, während eine Schwester sich daran machte sie notdürftig an den Oberarmen festzuhalten. Die Zweite griff zu drei Spritzen, befüllte sie mit unaussprechbaren Substanzen, um die Herzfrequenz zu stabilisieren und die Dritte holte eine Atemmaske, die sie Chiyoko überstülpte. "Mädchen, du machst mich fertig." In dem Moment ließ die Katsuhika Chiyoko los und beobachtete das Spektakel, wofür die Schwestern zuständig waren. Sie schafften es tatsächlich, dass die Teshima sich beruhigte, zumindest weitestgehend. Nach einer Minute hörte der Schüttelanfall auf, die Atmung wurde regelmäßiger und der Puls kam in einen Bereich, der zwar nach wie vor erhöht, aber medizinisch vertretbar für eine Frau in solchem Zustand war. Allmählich beruhigten sich auch alle Anwesenden, wobei die dritte Schwester zuerst die Atemmaske wegnahm. Die mit dem Spritzen ging mit ihren leeren Behältnissen aus dem Raum und jene, die Chiyoko fixiert hatte, prüfte deren Zustand. "Sie hat Puls, sie atmet und ... sie lebt." "Sie ist ... sie war doch gerade erst tot!" Verwirrt beobachtete Yuika die Teshima und rieb sich über die Stirn. "Davon kriege ich noch Falten. In Ordnung, bringt sie gefälligst in den dritten Stock in ein Einzelzimmer. Ich werde mich zu den Angehörigen begeben, die wohl gerade in Verzweiflung innerlich am Bratspieß gedreht werden."

Die gut bestückte Frau nahm mit bemerkenswerter Ausdauer und ohne Klagen die Stufen ins Erdgeschoss, wobei sie sich zweimal die rahmenlose Brille zurecht rückte. Das dunkelblonde wellige Haar wippte dabei etwas, sah allerdings nicht mehr so hübsch aus, da auch die älteste Katsuhika irgendwann Schweiß bildete, der sich auf ihrer Kopfhaut sammelte. Welch stressiger Arbeitstag. Ob angekommen seufzte sie erschöpft, aber kam danach in ihrem weißen Kittel gleich um die Ecke und erblickte ihre Schwester am Empfangsbereich, während die klagenden Weinkrämpfe bereits zu hören waren. "Yuka. Ich muss mit dir reden. Sofort." Yuka sah verwundert auf und drehte sich Yuika zu. "Hm? Ist etwas passiert?" "Das kannst du lauter sagen als der Herr da drüben gerade trauert. Sie lebt." Noch verwirrter zeigte Yuka dies nun in ihrem Gesicht und legte jenes schief. "Du musst schon ausführlicher werden, bevor ich dich verstehe." "Das kleine Mädchen mit dem Wurm. Sie lebt. Gerad eben ist sie wieder erwacht, es war total merkwürdig. Völlig anders als alles, was ich bisher erlebt habe. Ihre Augen leuchteten, sie zitterte wild und hatte wohl kurz Kammerflimmern, bis wir sie stabilisieren konnten. Die Wunde ist zudem geschlossen. Die Schwestern bringen sie ins dritte Stockwerk. Hast du den anderen schon gesagt..." Yuka nickte zügig. "Das dürfte die Tortur ihres Lebens für sie sein. Na gut, wir müssen es ihnen irgendwie sagen." Die beiden höchst weiblichen Schwestern drehten sich zu Haruka, Ren und Kotaro, gingen mit ihrem stöckelnden Schuhwerk auf sie zu und blieben in der Nähe stehen. Zunächst sahen sie sich sah, seufzten dann, und Yuika ergriff aus Barmherzigkeit, die ihr sonst fehlte, das Wort. "Entschuldigt die Störung, aber es gab einen Zwischenfall. Es handelt sich nicht um einen medizinischen Fehler, also bitte bezichtigt uns nicht. Ich kann nicht genau sagen, wieso. Wahrscheinlich liegt es an diesem Kekkei Genkai, was die Süße hat. Sie hatte soeben eine Art Anfall, ist aus ihrem Sopor erwacht und wir haben es geschafft sie stabil zu halten. Chiyoko war nur kurzzeitig klinisch tot. Schwestern bringen sie gerade in den dritten Stock in ein Zimmer."
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BeitragThema: Re: Laborkomplex Yuka Katsuhikas   So Dez 22, 2013 10:12 pm

Ren wusste nicht mehr genau, was sich eigentlich schlimmer anfühlte: Die Wut, welche er auf Yuka verspürte oder die Leere, wenn er die Wut herausgelassen hatte? Alleine ihre Worte hatten ihn zur Weißglut gebracht, wohingegen die Leere in ihm durch das eintretende Schluchzen Kotaros verstärkt wurde. Sein Onkel war ihm mindestens genauso nahe gestanden, war ein Familienmitglied gewesen und doch hatte es sich nicht so hart angefühlt, wie nun. Er spürte den Kloß in seinem Hals, das Brennen in den Augen, welches vor allem bei Kindern so vertraut war. Aber hier wollte er nicht weinen. Nicht vor Chiyokos Vater. Nicht vor ihrer Schwester und schon gar nicht vor Yuka. Vielleicht musste er sich selbst beweisen, dass er wenigstens am Ende stark sein konnte? Am Ende? Er wollte in einen Raum gehen, seiner Trauer freien Raum lassen. Er wollte zu ihr. Sie noch einmal sehen und das so, als ob nichts von alledem hier geschehen war. Angezogen. Lächelnd. Wieder hörte er die letzten Worte von ihr ins einem Kopf widerhallen, obwohl sie nie wirklich aus ihrem Mund gekommen waren. Es war ein Genjutsu gewesen. Nur wünschte er, er hätte es ihr beantworten können. Ihr irgendeine Antwort zukommen lassen... das war seine Pflicht gewesen und auch ihr war er nicht nachgekommen. Nun war sie gestorben. Ohne zu wissen... Ren schlug mit der Faust gegen den weißen Putz. Er war nicht kräftig, doch bröckelte er leicht. Der dumpfe Schmerz lenkte ihn jedoch nicht ab. Am liebsten würde er sich die Hände wund hauen. Aber auch das konnte er nicht. Stattdessen verklang alles außer Kotaros Weinen, Harukas Unglauben... überall waren Tränen und er war mittendrin. Spürte, wie sich seine Augen auch damit sammelten, doch wollte er er stark sein. Was brachte es, nun zu weinen? Eben. Nichts.
Sie war tot. Der Gedanke war unerträglich. Noch einmal schlug er ungläubig gegen die Wand. Dieses Mal mit seinem ungesunden Arm. Damit es schmerzte. Damit er sich betäuben konnte, was aber nicht wirklich klappen wollte. Natürlich nicht. Wäre ja lustig gewesen. Seine Stirn lehnte er gegen den Unterarm, der an jener Wand weiterhin bleib. Mit stockendem Atem holte er tief Luft, während er die heiße Tränenflüssigkeit spürte. Er wusste nicht, wann er das letzte Mal geweint hatte. Vor wie vielen Jahren. Nicht beim Tod seines Onkels. Nicht, als er einmal verprügelt worden war. Wann war es gewesen? In der Akademie? Wahrscheinlich. Damals war er gehänselt worden, hatte sich mehr vorgestellt. Mehr in der Akademie. Mehr im Leben. Sein Onkel hatte sich ihn zur Brust genommen, ihm geholfen. Damit er nicht mehr im Schatten stand. Nur hier war niemand, der ihn zur Brust nahm. Hier war niemand mehr. Chiyoko war tot und ihm blieben nur Erinnerungen. An die gemeinsamen Späße, sowie auch damit verbunden an die Möglichkeiten, die es gegeben hatte. Sie war ihm mehr als nur einfach ans Herz gewachsen und gerade deshalb tat es ihm umso mehr weh.
“Haruka!“ Im Gang ertönte die helle Stimme seines Bruders. Jemand rief, dass er nicht so einfach hier eindringen konnte, doch Raijin war das egal. Ren wusste, dass es ihm egal war. Ohne etwas dagegen tun zu können, empfand er Neid. Weil Raijin so viel Glück in seinem Leben hatte und Haruka nun in den Arm schließen konnte. Etwas, was er tat – wie Ren aus den Augenwinkel heraus sah. Richtig. Er wiegte sie. Konnte das noch immer tun. Sie trösten. Ihr durchs Haar streicheln und sie an sich drücken. Bekümmert auf den Vater blickend und dann ausgerechnet auf ihn. Ihn, der stumm an der Wand stand und selbst geweint hatte. Ren erkannte in den Augen seines Bruders die Erkenntnis. Dass er wusste, was geschehen war. Umso finsterer war der Schatten, der sich über sein Gesicht legte, das sich nun ebenfalls schmerzlich verzerrte. Raijin hatte Chiyoko vielleicht nicht lange gekannt, doch er wusste, dass sie geliebt worden war. Von vielen Leuten. Und so sehr sie geliebt worden war, desto größer war das Loch, welches sie hinterließ.
Nur wusste niemand der Anwesenden im nächsten Moment, wie ihnen geschah. Denn als Yuka wieder kam, ein wenig verwirrt wirkte, wollte Ren schon nichts mehr von ihr wissen. Wollte diese grausamen Räumlichkeiten verlassen. Es wurde zu eng hier. Die Luft zu schlecht. Doch stattdessen hörte er zu. Stattdessen wischte er sich in einer schlampigen Bewegung die Tränen von den Augen und blickte Yuka auf eine kalte Art und Weise an, als ob er gerade wirklich sämtliches Leben aus sich verbannt hätte, nur eine Hülle war. Insgeheim fragte er sich, ob es nun noch schlimmer kommen könnte, doch stattdessen weiteten sich seine Augen. Weiteten sich, als er von der Iryônin hörte, dass Chiyoko lebte. Lebte. Wollten sie ihn verarschen?! Sie hatten gesagt, sie war tot! Ihr Vater, Haruka, er... sie alle hatten geglaubt, sie sei tot! Was war das für ein Spiel?! Versteckte Kamera?! Eigentlich waren es diese Gedanken, welche man nun dachte, von ihm zu hören – doch stattdessen stand er kurzzeitig einfach nur da. Einfach nur da und wusste nicht, wie lange er das tat. Wie lange man um ihn herum redete. Mehrmals hörte er Raijins Stimme, der immer noch bei Haruka war. Doch letzten Endes war er selbst es, der sich in Bewegung setzte. Das Zimmer aufsuchte und gar nicht auf die Aussagen der Leute um ihn herum achtete. Irgendwann schaffte er es schließlich vor dieser Tür zu stehen. Vor dieser Tür, hinter der Chiyoko lag. Lebend. Nicht tot. Und er wusste nicht, wie lange sie da schon lag, hatte er doch nicht auf die Uhr gesehen. Stattdessen machte er nun die Tür auf. Roch den bekannten Geruch von medizinischen Mitteln, von welchen er ohnehin nichts verstand. Roch die Sauberkeit. Alles. Doch nichts in diesem Raum interessierte ihn, außer das Geschöpf, welches in diesem Bett dort lag.
Langsam schritt er an ihr Bett heran, zog einen Hocker an dessen Seite. Schwerfällig sank er auf eben diesen, blickte vor sich. Das Kekkei-Genkai, dass Chiyoko hat... hatte es sie gerettet? Der Symbiont in ihr? Joli...nar? Ren atmete tief durch, ehe er vorsichtig seine Hand auf die ihre legte. Eine Hand, die sich nicht kalt anfühlte. Dieses Mal musste er die Freudentränen zurückhalten, senkte seinen Kopf und atmete tief durch. “Danke...“, war alles, was er herausbrachte, ehe er ihren Handrücken küsste. Ihre Hand hielt und einfach bei ihr blieb. “Danke, dass du nicht aufgegeben hast... dass du stark bist... Ich schwörs dir.. wenn du aufwachst, bin ich für dich da und lass dich nicht mehr gehen... Ich werde dich nicht mehr hergeben. Egal an welchen Clan und an welche Familie. Scheiß drauf... mir ist alles egal, nur nicht du.“ Erschöpft hob er seinen Kopf wieder, blickte ihr Gesicht an, das wohl noch immer Farbe brauchte. Mit einem Mal übermannte ihn die Müdigkeit. Gefolgt von Freude und Dankbarkeit. Doch das war für ihn kein Grund zu gehen. Nein, stattdessen blieb er – auch, wenn er in diesen Momenten nicht glauben konnte, was ihn erwarten würde.
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BeitragThema: Re: Laborkomplex Yuka Katsuhikas   So Dez 22, 2013 10:55 pm

NPC Kaiya Teshima

Sie hatte die Flammen gesehen, sie gespürt und ihren Tribut gezollt. Das blaue Haar ward schwarz, die roten Augen geschlossen. Sie selbst hatte es getan. Die Tür ihrer Wohnung verschlossen und ihre Kinder alleine gelassen. Ausdruckslos hatte sie das Viertel verlassen. Und kurz nachdem sie die Rauchwolke am Haupttor gesehen hatte, hatte sie sich dem Clanviertel genähert. Danach die Explosionen, das Leid, das wie eine gigantische Rauchbombe alle Häuser einhüllte, bis hin zur halben Stadt. Und sie hatte etwas getan, wofür ihr verstorbener Ehemann sie wahrscheinlich gekreuzigt hätte. Kaiya Teshima hatte ihre Tochter Saya gemeinsam mit deren Schwester Madoka Zuhause gelassen und ohne Worte die Türen verriegelt. Beinahe intuitiv, um ihre Paranoia siegen zu lassen. Sie würden in Gnade ihrer Mutter sterben, gereinigt durch Flammen. Als Wirte eines Symbionten, nicht als Parasiten. Takara konnte unmöglich sagen, dass Saya und Madoka Parasiten waren. Selbst wenn sie nun verbrannt waren durch die eigenen Vorkehrungen ihrer Mutter - in Kaiyas dunkelvioletten Augen waren die beiden Mädchen nun gesegnet worden. Es bestand nicht mehr die Gefahr eines Verrats oder ein Risiko durch Beeinflussung von dummen Kindern wie ihren ganzen Nichten. Naora war an sich eine gute Schwester, aber hatte ihre Töchter keineswegs im Griff. Und nachdem Kaiya sich nun um ihre eigenen Sprösslinge gekümmert hatte, war sie unverzüglich auf dem Weg, um ihrem Clanoberhaupt die Ehre des letzten Befehls zu erweisen. Sie hoffte, dass es nicht der letzte war, doch es würden nicht so schnell neue kommen. Die Grauhaarige ging festen Schrittes einem Schatten hinterher, den sie beobachtet hatte. Der den Namen Kitoku trug. Welcher es war, war ihr egal. Er war das Indiz dafür, dass Chiyoko sich im Labor der Iryounin Yuka Katsuhika befand. Ein nobler und gut bezahlter Ort, doch er sollte nun dazu da sein, um das Grab für Kaiyas Nichte zu werden. Es war ihre Pflicht gegenüber ihrem Clan und ihren Vorfahren sowie den Symbionten für Reinheit zu sorgen. Ihre Familie durfte nicht durch Parasiten verseucht werden. Ihr Bruder und ihr Mann waren schon tot. Die gealterte Frau war nicht so ungeschickt, dass sie direkt durch den Vordergang hinein platzte. Sie huschte in einen Nebeneingang und stahl sich dann durch einige Besucher hindurch zum Empfangsbereich. Sie schien nur wie eine von vielen. Hier erkannte sie keiner. Vorgebeugt fragte sie die dritte Empfangsdame leise: "Gomenesai, aber ich suche Chiyoko Teshima. Ich bin ihre Tante und mir wurde berichtet, dass sie hier eingeliefert wurde. Ihre Schwester ist wahrscheinlich nicht mehr in der Lage sich um sie zu kümmern, weswegen ich diese Arbeit nun übernehmen muss. Wir haben leider nicht mehr Iryounin aus unserem Clan. Wo befindet sie sich?" Die Empfangsdame war nicht darum verlegen Kaiya die Infos zu geben, die sie für ihr Attentat benötigte. Sie nickte dankbar, mit einem recht falschen Lächeln, drehte sich weg und nahm das Treppenhaus. Ihre Schritten hallten leise. Jeder war eine Sekunde weniger bis zu Chiyokos Ableben. Glücklicherweise hatte keine dieser Katsuhika-Schwestern sie gesehen, denn Yuka kannte sie durchaus. Im dritten Stockwerk angekommen wurde Kaiya vorsichtig. Sie schlich ein bisschen herum, machte sich ein Bild von den Gängen und den Anwesenden, bis sie ins Schwesternzimmer kam. Sie erklärte ihre Position und Befugnisse, weswegen sie als Iryounin aus dem Krankenhaus der Stadt begrüßt wurde. Man gab ihr Kittel, Mundschutz, Handschuhe und diverse Instrumente, die jeder Arzt so am Körper trug, jedoch kam es ihr auf eine Spritze an, welche sie vom Utensilientablett mitnahm. Dies bemerkte niemand. Auch nicht das kleine Gefäß mit einer kleinen Aufschrift, das sie von einem Tresen ergriff. Es war ein Medikament zur rapiden Verlangsamung von Herzschlägen. Kombiniert mit Chiyokos Schwäche war dies perfekt, um dieses kleine blonde Biest endlich aus den Reihen des Clans zu verdammen. Etwas, was anderes wohl missglückt war. "Arigato." Sie verbeugte sich und verschwand. Die Schritte führten weiter, leise, zu dem Zimmer, wo Chiyoko lag. Der Schatten auf Kaiyas Gesicht wurde größer. Vor der Tür stehen geblieben, umfasste sie die Spritze in ihrer rechten Hand, die sie auf dem Weg hierhin gefüllt hatte. "Shol'va. Klavel ha, Jolinar, Chiyoko." Verräterin, Parasit. Zu spät, Jolinar, Chiyoko. Ruhig hob sie die Hand an die Klinke, drückte sie hinunter und öffnete die weiße Tür. Beinahe wie ein stummer Windzug trat Kaiya in das Zimmer, lehnte die Tür an, sodass keiner hinein sehen konnte, aber auch kein Geräusch ertönte. Sie erblickte Ren, welcher an Chiyokos Bett ruhte, eingeschlafen. Gut, dachte sie sich. Das wäre immerhin kein Problem. Eine Spritze war schneller gesetzt als aufgehalten durch so einen Bengel. Kaiya kniff leicht die Augen zusammen, als würde sie schon ihren Erfolg voraussehen. Sie ging daraufhin ans Bett heran, zog ihren Mundschutz hoch und hob ihren rechten Arm, während sie rechts von Ren am Bett stand, um Chiyoko ihr Todesurteil in den Hals zu pumpen. Stirb qualvoll. Etwas anderes kann man dir nicht wünschen. Verrätst deine Familie ... für solch ein dummes Kind. Dabei bist du nur selbst eines. Die Nadel kam der sanften Haut näher, welche an etlichen Stellen Wunden aufwies. Kaiya hörte auf auf Ren zu achten, während sie Chiyoko die Spritze an den Hals führte. Sie versank langsam und punktgenau in der Hauptader. Es musste nur noch gedrückt werden, damit das Medikament seine Wirkung entfaltete. In dem Moment zuckte Kaiya jedoch zusammen. Unter Chiyokos Bettdecke bewegte sich etwas. Es war nur eine kleine, flache Bewegung, doch sie ahnte, was dort vor sich ging. Ihr eigener Symbiont bestätigte es im Stillen. Kurz darauf hörte man ein ohrenbetäubendes Zischen, wie von einer gepeinigten Schlange, nur höher und schriller. "M'al Sharran, Jolinar!" Kaiya schrie Jolinar plötzlich an, welche unter der Decke aus Chiyokos Hautkreuz herausgekrochen kam und zischte und fauchte. Wenn das nicht störte, wäre Chiyoko auf jeden Fall tot. Aus Schreck hatte Kaiya die Spritze losgelassen, die aus Chikos Hals gerutscht war. Sie ergriff sie aus dem Konzept gerissen wieder und wollte sie erneut in das junge Fleisch stechen, aber Jolinar hatte sich früh genug an die Luft gewagt und ihr Klagen von sich gegeben, um ihre Wirtin zu retten - anders wäre es nicht möglich gewesen. Ein letztes Mal.
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BeitragThema: Re: Laborkomplex Yuka Katsuhikas   So Dez 22, 2013 11:52 pm

Wäre Ren wach gewesen, vielleicht hätte er früher handeln können. Doch stattdessen schlummerte er mehr oder weniger tief und fest an Chiyokos Seite, während die letzten Tränen auf seinen Wangen trockneten. Die Erschöpfung hatte ihn einfach übermannt. Wehren? Dazu hatte er keine Kraft mehr gehabt. Es war einfach nicht mehr gegangen. Gefühlt hatte er sich, als ob man ihm mit dem Knie in den Bauch getreten hätte und danach wäre eine Kopfnuss gefolgt. Als ob man ihn windelweich geprügelt hätte. Dabei klang das alles so viel harmloser, als das, was er durch gemacht hatte. Für einen kurzen Moment war alles so leer gewesen. Rastlos waren seine Gedanken von einem Ende zum anderen gesprungen, ohne auch nur ansatzweise etwas zu verknüpfen. Weil es nichts mehr zu verknüpfen gegeben hatte. Doch aus diesen Träumen gesäumt von verschiedenen Erinnerungen, wurde er alsbald aufgewacht. Zuerst war es nur eine Berührung unter der Decke gewesen, auf welche er nicht reagierte. Hielt es für einen Traum. Bis er das Zischen hörte. Ein lautes, aggressives Zischen, das einem jeden einen Schauer über den Rücken gejagt hätte – so auch ihm. Erst recht, als er neben sich das laute Rufen vernahm.
Wie aus einem Bann gerissen schreckte er hoch, während sein Blick sofort auf Chiyoko huschte, von deren Decke jenes Zischen kam. Das nächste, was seine Augen wahrnahmen, war das aufblitzen im matten Licht. Eine Spritze, die aus dem Hals glitt. Aus dem Hals. Eine Schwester? Mit einem Mal war er wach. Der Schrei hallte wohl nicht nur durch den Raum, sondern auch durch die Wände des Gebäudes. "M'al Sharran, Jolinar!" Ren wusste nicht, was es hieß. Er kannte nur den Namen „Jolinar“ darin, welchen er seit kurzer Zeit mit Chiyoko in Verbindung brachte. Und dieser Unterton gefiel ihm gar nicht. Ohne es jedoch zu analysieren griff er die Hüfte der Frau, welche sich gerade wieder die Spritze schnappen wurde und riss sie vom Krankenbett weg. Mit einer Wucht, bei welcher der Hocker gar umkippte und sie beide hinflogen. Die Frau, welche sich hereingeschlichen hatte, sowie auch er selbst. Ein dumpfer Schmerzenslaut entfuhr ihm, als die Schulter auf einem der Beine des Hockers landete, doch biss er die Zähne zusammen, wollte wieder aufstehen – ehe er die Spritze aufblitzen sah. Dieses Mal nicht für Chiyoko. Sondern für ihn. Seinen Reflexen folgend, hechtete er zur Seite weg, packte die Frau dabei am Arm und versuchte sie zu überwältigen. Normalerweise hätte er sie nun auf den nächtlichen Besuch angesprochen, doch auf Grund der nicht vorhandenen Fitness und seinem ohnehin angeschlagenen Zustand, konzentrierte er sich vielmehr darauf, nicht von ihr erwischt zu werden. Was auch immer sie Chiyoko hatte spritzen wollen, das sah nicht gut aus. Genauso wenig wie die Tatsache, dass Sakanade, welches er zuvor an das Bett gelehnt hatte, ebenfalls entfernt von ihnen auf dem Boden lag. Super Sache. Dieser Tag wollte ihm wirklich den Hintern versohlen. Als er einen Ellbogen in seinem Gesicht spürte, ließ er den Eindringling los, spürte im nächsten Moment allerdings den brennenden Schmerz einer Nadel in seinem Arm. Geistesgegenwärtig, trat er auf den Brustkorb der Frau und beförderte sie dadurch an die gegenüberliegende Wand, pflückte sich die Nadel mehr oder weniger aus dem Arm und warf sie in die nächste Ecke. Dorthin, wo die Frau vorerst nicht kommen würde, denn dann müsste sie erst an ihm vorbei. Und eben das würde er nicht zulassen. Mit einem kurzen Schlittern schnappte sich Ren Sakanade und stand auf, holte mit der Scheide aus und hatte der Dunkelhaarigen mit einem dumpfen Knall einen Schlag verpasst. Während er bereits Schritte im Gang hörte, packte er sie an den Haaren und zog ihren Hinterkopf zu sich, während Sakanade fast gleichzeitig aus der Scheide gezogen wurde und ihren Platz an der Kehle der Meuchelmörderin fand. Aus dem Augenwinkel konnte die Frau wohl sein Gesicht sehen, das nicht bleich vor Schock, sondern von Abneigung und Kälte war. So, wie es eigentlich so gar nicht seine Art war. Dementsprechend kalt war auch seine Stimme. “Nenn mir einen Grund, dir nicht auf der Stelle die Kehle aufzuschlitzen, du mieses Stück Dreck. Nur einen. Mehr verlange ich nicht, denn wie es aussieht, wird es ihn sowieso nicht geben!“ Er packte die Frau fester, setzte Sakanade an, wobei in diesem Moment allerdings die Tür aufflog und sein großer Bruder hereingestürmt kam, der offenbar das Krankenhaus ebenfalls nicht verlassen hatte. “NICHT!“, war alles was er schrie, ehe er neben seinem Bruder Platz fand und sein Handgelenk packte. Seine Finger in denen des Jüngeren verhakte und ihn intensiv ansah, damit seine Worte zu ihm durchdrangen. Ren selbst hörte gerade nur den alarmierten Puls seines Herzens und sah dann zu Chiyoko, welche noch immer im Bett lag. Es war kein lang gezogener Ton zu hören. Das hieße, ihr Herz schlug noch, oder? Oder? “Ich kümmere mich darum, okay? Nimm die Waffe runter. Es ist alles in Ordnung. Es wird in Ordnung sein, hast du mich gehört? Ren!“
In den darauffolgenden Minuten wurde Kaiya von Raijin abgeführt, zum Verhör gebracht. Was den Jüngeren anging, so lehnte er außer Atem an einer Wand, während man sich der Einstichwunde annahm, sie verband und ihn zur Ruhe nach Hause schicken wollte – was er mit allem ironischen Dank der Welt ablehnte. Nun würde er erst Recht nicht gehen. Ärztliche Behandlung hin oder her. Wieso ließen sie jeden Idioten einfach so passieren? Das war es, was den Anwesenden seine kalte Mimik und seinen wütenden Ton bescherte. Mit den Nerven nun vollkommen am Ende, hielt er sich die schmerzende Schulter und begab sich an das Fenster. Nein, diese Nacht würde er nicht mehr schlafen können. Diese Nacht und noch weitere Nächte würde er alles im Auge behalten. Nachdem man sich nochmals vergewissert hatte, dass bei Chiyoko alles in Ordnung war, drehte Ren der Aussicht den Rücken zu, blickte die fast leblos daliegende an. “Das warst du, Jolinar... oder?“, fragte er leise. Fast ein wenig schüchtern, aber zugleich auch resignierend. Nur ein fahles, abgefertigtes und schmales Lächeln schaffte es noch auf seine Lippen. “Danke fürs Wecken. Ruh dich aus. Ich passe auf sie... und auf dich auf.“
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BeitragThema: Re: Laborkomplex Yuka Katsuhikas   Mo Dez 23, 2013 12:53 am

Während Kaiyas Versuch Chiyokos Leben zu nehmen, in einem Kampf endete, der sie und Ren zu Boden beförderte, zog Jolinar sich wieder erschöpft in Chiyokos Bauch zurück. Was ihr vorhin in den unterirdischen Räumen geglückt war, war reiner Wahn gewesen. Eine Verzweiflungstat mit einer Überlebenschance von maximal 10 Prozent. Etwas, was noch kein Symbiont vorher gewagt hatte, aber was wohl auch keiner jemals wieder tun könnte, da Jolinar es allein getan hatte. Und Larven konnten anderen Larven nichts beibringen. So blieb es ihr vorbehalten, was sie getan hatte. Während der gesamten Rückreise aus Toya hatte Jolinar Chiyokos Chakra absorbiert und in ihren eigenen Kreislauf geschläust, um es bei sich zu lagern, während Chiyokos Chakra-Gehalt gen Null sank. Letztlich war dieser Punkt bei Yukas und Yuikas eingeleiteter Operation erreicht worden, sodass Chiyoko gestorben war, weil Jolinar ihr jegliches Chakra abgezogen hatte. Kaum eine Zeit später, wo Jolinar sich heftigst an ihr Leben klammerte, während ihre Wirtin bereits dem Tod die Hand reichte, öffnete sie ihre Pforten und überflutete Chiyoko mit allem Chakra, das sie ihr abgezogen hatte. Dies sorgte für die aufblitzende Energie-Hülle sowie die weiß aufleuchtenden Augen, weil Jolinar sich anschließend mit ihrer Wirtin wieder verbunden hatte wie damals bei ihrer Geburt. Diese Energie-Durchflutung übereilte jegliche Organe, sodass sie auf 200 Prozent geschaltet wurden und die Krankenschwestern mit Yuika dafür kämpften, sie auf gesunde 100 Prozent zu kriegen. Und nach etlichen Minuten wurde aus der 10 Prozent-Chance Chiyokos Überlebensticket. Sie ergriff es, bis sie schließlich hier im Bett landete und ihre eigene Tante es ihr entreißen wollte. Jolinar hatte in der Zwischenzeit ihr eigenes Bewusstsein einerseits verloren andererseits wiedererlangt und hatte den Stich am Hals von Chiyoko bemerkt, woraufhin sie Alarm machte. Aus Verzweiflung heraus. Ob es half, hätte sie nicht gewusst. Doch ein letztes Mal übertraf die Shisei-Larve sich und wurde ihrer Bezeichnung aller Ehre. Ren konnte die Gefahr abwenden, weil Jolinar sich nach draußen gewagt und geschrien hatte - um Hilfe. Auch wenn es nur ein Zischen war, hatte sie um Hilfe gerufen. Schmerzhaft, weil sie keine Luft atmete, aber notwendig, damit Chiyoko leben konnte. Dies war der Inbegriff einer Symbiose so innig wie tiefste Liebe zwischen zwei Menschen auf dieser Welt. Der eine ging nicht ohne den anderen in seinen Tod, und so hatte Jolinar Chiyoko wieder mit sich gerissen - ins Leben.
Von dem ganzen Desaster bekam die Wirtin allerdings herzlich wenig mit. Sie lag in dem Bett, während ihr Wächter seine Position hielt und die Krankenschwestern sich um sie kümmerten. Der Mond stieg auf, erhellte das Zimmer und wanderte seinen Weg über etliche Stunden am Himmel entlang. Das Chaos im Clanviertel hatte sich gelegt. Das Feuer war gelöscht. Schutt und Asche ruhte dort, wo vor ein paar Jahren Familienhäuser aufgebaut worden waren. Leichen wurden geborgen, Tränen auf Knien vor dem Chaos geweint. Etwas war zerbrochen. Nicht nur der Clan selbst. Weitere Stunden vergingen, in denen sich nichts tat. Chiyoko rührte sich nicht. Um 4 Uhr morgens kam eine Schwester mit Frühschicht hinein, tauschte eine Tropfflüssigkeit aus und überprüfte die Werte der Patientin. Kurz danach schloss sich die Tür. Das erste Geräusch, das Chiyokos Ohren erreichte. Wie aus einem tiefen Koma griff sie nach ihren Sinnen. Ihre Gesichtsmuskeln bewegten sich mit einem ganz sanften Zucken, während Jolinar in ihr schlief. Sie hörte nichts außer ein atmendes Geräusch in ihrer Nähe, das Tropfen und das Surren einiger Gerätschaften. Ihr war recht schnell klar, dass sie sich in ärztlicher Obhut befand. Weiter bewegte sie das Gesicht, zog die Augenbrauen zusammen und öffnete anschließend ihre bleischweren Lider. Die grauen Iriden erblickten eine weiße Zimmerdecke, traten überhaupt seit etlichen Stunden wieder in die Gegenwart. Sie war aus der Hölle entkommen. Da war ein Kissen, eine Decke, ein Bett, das Zimmer. Ein Fenster, das Mondlicht. Mühsam beobachtete sie alles ohne ein Wort zu sagen. Sie war viel zu erschöpft, um sich aufzuregen oder sich an das zu erinnern, was ihr passiert war. Im Moment zählten nur die Sekunden der Gegenwart. Vorsichtig neigte Chiyoko das Gesicht nach links, sodass sie den Tropfständer erahnen konnte, aber dabei etwas viel Wichtigeres erblickte. Es hatte kurzes blondes Haar, geschlossene Augen und zerrüttete Kleidung, die zeigte, was für ein Verzweiflungsakt es gewesen sein musste nun hier am Bett bei ihr sitzen zu können. Kurz schloss Chiyoko die Augen, bevor sie sie langsam öffnete und um Gefühl in ihren Fingern bat. Ein wenig rutschte der Arm nach links, während sie die Hand dazu Rens Gesicht entgegen schob. Mit leicht nach oben zuckenden Mundwinkeln berührten ihre Fingerkuppen seine rechte Wange, streiften sie, aber mehr konnte sie nicht bieten, da sie zu schwach war. Nur das kurze Streichen dieses Gesichts, das sie so in sich aufnahm wie eine Erlaubnis leben zu dürfen. "Eine so kleine Illusion", flüsterte die Blonde wie einen kaum hörbaren Hauch von ihren Lippen und dachte an das Gedicht, das sie Ren mit dem Genjutsu hatte zukommen lassen. "Sie ist Realität geworden."
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BeitragThema: Re: Laborkomplex Yuka Katsuhikas   Mi Dez 25, 2013 7:57 pm

Es dauerte seine Zeit, bis Ren seinen Platz wieder neben Chiyokos Bett eingenommen hatte. So wusste er nicht wirklich, wie lange er noch am Fenster stand und sie beobachtete, während hinter ihm bereits die Nacht Einkehr erhielt und man immer noch hier und da ein paar Anweisungen, beziehungsweise Schreie, auf Grund des abgebrannten Clanviertels vernahm. Er wusste gar nicht, wie er es Chiyoko beibringen sollte, wenn sie aufwachte. Einerseits hatte sie schon genug durchgemacht, andererseits konnte man es ihr jedoch nicht vorenthalten. Und er wusste auch nicht, wie er ihr nach allem in die Augen sehen und sie belügen konnte. Sagen könnte, dass alles okay war. Dass es allen gut ging, damit sie sich schonen konnte und nicht in das nächste Chaos gestürzt wurde. Für wenige Sekunden fragte er sich, ob er überhaupt da bleiben sollte, verwarf diesen Gedanken allerdings so schnell, wie er auch gekommen war. Natürlich blieb er da, denn immerhin war es genau das, was er zuvor nicht geschafft hatte. Was er nicht gekonnt hatte, weil er irgendwo auch ein Feigling gewesen war. Gut, vielleicht sollte er sich auch nicht diese beschissenen Vorwürfe machen, denn es war nicht seine Schuld. Aber er hatte sie ja auch nicht rechtzeitig gerettet. Sie hatten Chiyoko nicht rechtzeitig gefunden und er hatte diesem Arschloch nicht einmal einen Kratzer verpassen können. Dafür sah sein Arm aber unter diesem Verband gänzlich anders aus. Ja, Ren war sauer. Und bis dieses Gefühl endlich von dannen zog, würden noch ettliche Stunden vergehen. Stunden, nach welchen er sich letzten Endes an Chiyokos Bett setzte und seinen Kopf wieder auf dem Ellbogen abstützte. Ihre Hand hielt und die Augen schloss. Kurz darauf schlief er ein – wurde allerdings von Alpträumen heimgesucht, die den Lauf vernahmen, dass Yukas Auskunft über Chiyokos Tod die Wahrheit gewesen wäre. Dass sie sich wie ein Clown hinstellte und ihm sagte, sie seie nun doch verstorben. Dass es ja ohnehin keine Wunder gäbe. Eine andere Variation dann war die Tatsache, dass die Teshima nie wieder aufwachen würde. Einfach so. Für immer schlafen. Zwar lebendig, aber tot zugleich. In diesen Träumen fühlte sich der Schwertshinobi ungemein machtlos, denn kein Schwert und keine Illusion konnte Chiyokos Körper dort daran hindern, zu versagen. Sie nicht erwachen zu lassen. Den Ruhepol zu mimen, während er selbst sich am liebsten aus dem Fenster gestürzt hätte. Auch, wenn sein eigener Körper schlief und somit Ruhe bekam, sich erholen konnte, so laugten sie Ren aus. Sie wühlten seine Gedankenwelt auf, bis er in immer größere Abgründe hinabsah und sich fragte, ob er sich einfach fallen lassen sollte.
Jedenfalls tat er das, bis es schon bald morgen war, außerhalb des Krankenhauses jedoch noch kühl. Die ganze Nacht hindurch hatte Ren an Chiyokos Bett gewacht, hatte darauf bestanden, hierzubleiben, im Falle eines Falles, dass wieder so etwas wie die eigene Tante antanzen würde. Hier ließ er niemanden mehr ran. Niemand, der nicht zehnmal vorweisen könnte, ein Iryônin und ohne Bedenken zu sein. Nachher würde er mit Sicherheit auch nochmals mit Yuka reden, wie... Leute einfach so vorbeilassen konnten! Doch bevor er überhaupt dazu kam, wurde er geweckt. Geweckt von einer sanften und doch so bestimmten Bewegung an seiner Wange. Undeutlich stieß er ein Murren aus, da er es zunächst für die Krankenschwester hielt, die ihm wieder sagen würde, dass er sich ein Bett holen sollte. Nur würde er ihr antworten, dass er hier nicht weg ging. Erst, als er ein leises Flüstern hörte – aus der Nähe und doch so leise, dass er es nicht wirklich verstand -, öffnete er die Augen. Langsam. Ungläubig. Ohne auf den Kopfteil des Bettes zu blicken, blieb sein Kopf zunächst in seiner Haltung. Sah die Bettdecke. Doch legte sich dann schief, seine Augen suchten ihr Ziel der Seite nach am Ende des Bettes. Genau dort, wo ihn schwach zwei graue Augen anblickten, von denen er schon gedacht hatte, sie nie wieder sehen zu können. Bleiche und Unglauben war wohl das, womit man seine Mimik am besten beschreiben konnte. Und Dankbarkeit. Sehnsucht. Gefühle. Viel zu viele von ihnen, als dass sie alle in diesen wenigen Quadratzentimetern unterkamen. Nur schließlich musste er hart schlucken, sein Hals war trocken. “Chiko...“, murmelte er zunächst nur, richtete sich auf dem Hocker nun ganz auf, während seine Hand nach der ihren tastete. Mit der anderen fasste er sich an die Stirn, fuhr dann sein Gesicht hinunter – schämte sich für die Tränenspuren, die dort als Überreste der Alpträume verweilten, was er jedoch gar nicht bemekrte. “.. ich dachte... wir dachten, du...“ Er drückte ihre Hand fester, flehte jemanden an, ihn zu kneifen. Letzten Endes erhob er sich jedoch, schritt noch einen Schritt an ihr Bett heran, um sich über sie zu beugen. Konnte nicht anders, als seine Stirn schwach und sanft gegen die ihre zu legen. Ihm fehlten die Worte. Also sprach er jene, die mit ihrem warmen Klang wohl das wichtigste ausdrückten. “Willkommen zurück.“
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BeitragThema: Re: Laborkomplex Yuka Katsuhikas   So Dez 29, 2013 1:00 pm

Wie diese Momente zu beschreiben waren, war ein Ding der Unmöglichkeit. Zumindest für jemanden, der versetzt mit medizinischen Substanzen und ein paar seiner Wirbelfortsätze beraubt worden war. Chiyoko erfasste das, was passierte, eher in einem Zustand, als hätte sie jemand in Watte gekleidet und sie wochenlang in dieser weichen Isolationshaft gelassen. Während ihre zweite Seele schlief und ihren Körper heilte, war sie selbst wach und kam der Realität wieder näher und näher. Ihre Extremitäten wie Füße und Hände waren zwar ziemlich kalt, was sich auch nicht besserte, als Ren sie an der einen Hand festhielt, aber in ihrem Kopf fühlte sie eine betäubende Wärme. Einerseits, weil sie sicherlich genug Narkotika für zwei im Körper hatte, andererseits, weil zahlreiche Dinge auf sie warteten, die die Unschuld dieser Situation, in der sie sich nun noch befand, gnadenlos zertrampeln und zerstören würden. Wie bestellt und nicht abgeholt lag sie für weitere Sekunden in dem Bett, was ihr zugewiesen worden war, während Ren nicht wusste, mit welchen Worten er an sie herantreten sollte. Und Chiyoko selbst schien erst richtig zu Sinnen zu kommen, als seine Stirn ihre berührte, mit ein wenig Ponyhaar dazwischen, und er sagte, was er in zwei Worten auszudrücken versuchte - die Erleichterung, dass sie lebte. In diesem Moment senkten sich Chiyokos Augenlider immer weiter, sie sah auf irgendeinen Punkt in Rens Gesicht, unbewusst, während ihr kleines Lächeln von gerade eben schwand. Das Drücken an ihrer Hand erwiderte sie nicht, dafür arbeitete ihr Kopf gerade zu sehr, oder fing zumindest damit an. Sie alle hatten gedacht, dass sie tot wäre oder? Das hatte er vorhin darlegen wollen, als Befürchtung. Die Blonde wusste nicht, dass sie wirklich kurz tot gewesen war, weswegen sie schlussfolgerte, dass man sie aufgegeben hatte, bevor sie überhaupt gefunden worden war. Dieses Treffen im Wald, ihre Naivität gegenüber einem verdammten Kuchiyose, das sich verwandelt hatte, die Fäden, anschließend die pure Auslieferung. In diesem Keller hat sie mehr als einen verdammten Tag zugebracht. So viel ertragen. Ihr wurde der Moment bewusst, in dem sie sich gesagt hatte, dass sie all das ertrug, damit es keinem aus ihrer Familie passierte. Damit die anderen verschont blieben und nicht mehr zerbrach als ohnehin angeknackst war. Selbst wenn sie das Ganze nicht überlebt hätte oder gar nicht erst gefunden worden wäre, dann hätte sie für sich immerhin die Gewissheit gehabt, dass sich der Kreis dieser Verschwörung bei ihr schloss und damit endete. Ihren Schwestern ginge es gut, genau wie ihren Eltern, selbst wenn sie selbst als stummes Opfer für die Sache davon gegangen wäre. Nun war sie aber hier. Mit den Erinnerungen an das, was sie hatte ertragen wollen mit dem Gedanken, dass sie ohnehin nicht wieder aufwachen würde. Gewissheit hatte sie wenigstens bei dem Punkt wer schuld an der Sache war. Nun schloss sie ihre Augen. Diejenigen, die dieselbe Farbe wie ihre eigenen hatten, tauchten in ihrem Kopf auf, mit violettem Haar und einem ernsten Antlitz. Keine Wiederworte, Gehorsam, sie war losgezogen, auf ihren unantastbaren Wunsch hin - den heimtückischen Wunsch ein naives Mädchen loszuwerden, das sich der Isolation durch den Clan hatte widersetzen wollen. Takara-sama. Sie hatte all das gewollt, vielleicht auch Cordesh, aber an der Spitze der Familie stand die Wirtin, nicht die Larve. In einer kleinen Sekunde empfand Chiyoko nichts anderes als Mitleid für ihr Clanoberhaupt. Eine immer älter werdende Frau, die ihre Liebe gänzlich begraben hatte, nur sich und ihrem Symbionten trauen wollte und an nichts mehr glaubte außer Macht und Stärke. Wäre ihr Freund vor etlichen Jahren nicht gestorben, hätte ihre Regentschaft eine Blütezeit werden können. Eigentlich konnte sie nie etwas dafür, dass sie das Kind des Schicksals war, das nicht begnadigt worden war. Während die anderen lächelten, stand sie im Schatten der Vergangenheit. Danach schloss sie eine Mauer um sich herum, während der Hass in ihr gekeimt hatte. Auf die anderen. Die sie allein gelassen hatten. Takara war nichts anderes wie eine zerbrochene Seele, die sich mit allen Mitteln an das klammerte, was ihr blieb - ihr Clan. Eine Familie, die durch Tradition und ein Erbe vereint der letzte Ort war, zu dem sie gehen konnte, wenn sie es wollte. Und sie hatte sicherlich nur das Risiko dämmen wollen, dass ihre Geschichte sich wiederholte. Bei Chiyoko, bei einer ihrer Schwestern, Cousins oder Cousinen. Sie war einfach bemitleidenswert, eine traurige Gestalt, die mit Fäden aus dem Innern heraus gezupft wurde wie ein spielbares Instrument. Nur das wusste die 26-Jährige nicht, als sie über Takara nachdachte. Dass Cordesh der Hauptverantwortliche für all das war. Weil ihr Clan eigentlich geglaubt hatte, dass Symbiont und Wirt in so einer Beziehung standen, dass beide auf ewig innig vereint wären, aber niemals auf unterschiedlichen Stufen stünden. Und Cordesh war über Takara drüber gestiegen - letztlich mit der Auswirkung, dass das die Spaltung des Clans hervorgerufen hatte.
Nach einer gefühlten Ewigkeit öffnete Chiyoko wieder langsam ihre matten Augen. Der leichte Druck auf ihrem Kopf, den sie durch Ren spürte, wirkte einerseits wohltuend, andererseits bedrückend. Sie war froh, dass sie ihn sehen durfte, nachdem sie ihm das Gedicht geschickt hatte, aber ihr Erwachen und seine Anwesenheit war auch ein Indiz dafür, dass noch einiges auf sie wartete. Aber dem wollte sie sich gerade noch nicht stellen. Sie wollte zunächst einfach wissen, was mit ihr geschehen war. Langsam öffnete sie ihren Mund, hob den Blick und sagte mit trockener Stimme: "E-Es ... tut mir leid, Ren." Ein kratziges Schlucken folgte, während sie das Gesicht zur Seite drehte, die Augen wieder schloss und ihm ihre Hand entzog. "Ich hätte es für mich behalten sollen. Das alles war ein Fehler. Nur wegen mir ... musstet ihr leiden." Zitternd zog sie Luft in ihre Lungen, um dann die Beine mühsam anzuwinkeln und sich aus dem Bett zu kämpfen. Wahrscheinlich entgegen jeglicher ärztlicher Empfehlung. Nach ihrer Operation hätte sie jeder wohl zu einer Woche Daueraufenthalt im Bett verdonnert, aber sie war ja kein normaler Mensch. Für Takara war sie ein Parasit, für die Menschen um sich herum eine Außerirdische mit einem Loch im Bauch, wo andere das Zeichen ihrer menschlichen Geburt trugen. Das gestattete ihr aber gerade mit schwächelnden Glieder die Schläuche aus ihrem Arm zu ziehen und sich abzustützen, um aufzustehen. Alles fühlte sich taub und schwach an, als würden ihre Knochen in ihrem Körper wie Pudding wabern und zerfließen. Doch eines wollte sie - das Ausmaß dieses Lebenskapitels sehen. Auch wenn der Kitoku dabei war. Als sie aufrecht im Bett war, hustete sie kurz, wobei ihr Gesicht sich etwas verzog. Ihr war zwar nicht ganz klar, dass sie gerade nichts anderes wie ihre Unterwäsche trug, die Haruka ihr im Viertel übergezogen hatte, aber nun war ohnehin alles bedeutungslos. Sollte er es sehen. Das, was Ren auf einem Trainingsplatz einst zu der Frage gebracht hatte, ob sie schwanger sei. Der Grund dafür, dass sie in den Quellen einst Kreislaufprobleme bekommen hatte. Kurz strich Chiyoko sich ein wenig Haar aus dem Gesicht, ehe sie dieses kleine Zimmer nach einem Spiegel absuchte. An einem schmalen, aber hohen Kleiderschrank mit weißem Holz hing an der rechten Schranktür eine längliche spiegelnde Fläche. Von ihrer Position aus sah man nichts anderes als das Fenster neben dem Bett, wo die Stadt im Morgengrauen noch im Schlaf lag. Ihre Füße betasteten den Boden, sie rutschte vor, wobei die Decke immer mehr von ihrem spärlich bekleideten Körper preisgab. Ohne weitere Worte stand sie zögerlich auf, ballte die Hände zu Fäusten, um sich Halt zu geben und ging langsam auf den Spiegel zu, wobei Ren wohl nur ihren Rücken, aber in ihrem Spiegel ihre Vorderseite sah. Die grauen Augen musterten sich selbst und was dazu gehörte. Diese Zermürbung, die sie bei sich sah, war rekordverdächtig. Wie eine Flamme, die langsam kleiner wurde, bis sie erlosch und nur noch Rauchschwaden übrig waren. Chiyoko sah ihr Hautkreuz an, legte eine Hand darauf, strich sanft über die feinen Einkerbungen ihres Gewebes, wobei Jolinar sich ein Stück nach innen bewegte, wie ein verletztes Kind, das schlecht träumte. Danach änderte ihre Wirtin den Blick im Spiegel so, dass sie Ren ansehen konnte. "Das ist es, was ich dir nie zeigen konnte. Mein Kekkei Genkai." Sie ließ die Hand sinken und sah sich weiter an, als wäre sie voller Fehler, die gerade alle offen und schutzlos prangten. "In mir lebt etwas. Ein Wesen namens Jolinar. Ich habe sie seit meiner Geburt, sie ist so etwas wie meine zweite Seele, während ich ihr Gefäß bin, durch das sie leben kann. Und hätte ich sie dir gezeigt oder ... das hier", Chiyokos Blick ging tiefer, direkt auf das Kreuz, "Hättest du mich sehr wahrscheinlich abgestoßen. Und wenigstens einmal wollte ich nicht wie etwas behandelt werden, das kein Mensch sei. Weißt du ... mein Großvater, unser letztes Oberhaupt, hat mir als Kind einmal erzählt, dass es eine Frau in unserer Familie gab, die als Verräterin gilt. Sie hieß Chiyeko. Ihr wurde gesagt, wenn sie sich verliebt und geht, dann stirbt sie. Wenn das Ziel ihrer Gefühle nicht mit ihr mitgeht, dann müsse sie das akzeptieren. Wenn sie es nicht kann, muss sie damit zurechtkommen so gut es geht." Kurz danach zog Chiyoko ihr langes Haar über die rechte Schulter, drehte sich, wobei Ren sie von vorne sah, sah selbst aber über ihre linke Schulter, um ihre Rückseite zu betrachten. Dort waren Narben, die wohl nicht so schnell verschwinden würden. Wo ihr Haar nun vorne lag, sah man es deutlich: Zahlreiche Einstichstellen von Senbon und ein riesiges Kreuz, das ihr mit einem Kunai geritzt hatte, als wäre es nicht genug gewesen, dass sie bereits auf ihrem Bauch eines trug. Kurz spannten ihre Kiefer sich merklich an, aber dann bezog sie sich schnell weiter auf ihre Vorfahrin. "Es ist Ironie, dass wir fast denselben Namen haben, nicht? Jedenfalls ging sie, nachdem sie bereits Clanoberhaupt geworden war. Sie hatte sich in Otogakure in jemanden verliebt. Zudem herrschte einer der Shinobi-Kriege und dieser hatte sie gezeichnet und ihr Herz verweichlicht. Pures Mitleid für einen kleinen Dieb, der versuchte zu überleben. Ihre Larve - Thoran - bekam alles mit. Und es ist bei uns ein Ritus, dass die Larven ihren Wirt ausschalten, sobald ... dieser eine Gefahr für ihre eigene Gattung darstellt. Thoran hat Chiyeko vor der versammelten Familie getötet. Daraufhin hat niemand um sie getrauert, sie wurde einfach entsorgt. In irgendeinem Gewässer, wie Unrat. Dafür, dass sie jemanden liebte, der aber nicht bei ihr geblieben wäre. Und für das Überleben der Shisei-Larven ist es essentiell, dass die Wirte sich nicht in alle Himmelsrichtungen zerstreuen. Ihre Liebe war ihr Tod. Sie gilt als Schande, weil sie sich für ihre Familie nicht zurücknehmen konnte." Allmählich drehte Chiyoko sich wieder herum, um sich von vorne zu betrachten. Das hellbraune Haar und die grünen Augen ihrer Vorfahrin erschienen für sie kurz an der Stelle ihres eigenen Kopfes. Als wäre sie sie und hätte dasselbe Schicksal teilen müssen. Doch Jolinar war nicht Thoran. Und es herrschte kein Krieg. Die ruhige, nostalgische Erzählstimmung von eben zerbarst auf einmal. Die Teshima senkte das Gesicht, zog die Augenbrauen zusammen und kniff die Augen zu, um die Tränen nicht herauskommen zu lassen, die sich anbahnten. Mit einem Wimmern brachte sie hervor: "Ich hätte nicht überleben sollen. Dann ginge es euch allen gut. Und der Sinn meiner Entführung wäre gegeben gewesen. Meine Familie und ihre Larven wären in Sicherheit."
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BeitragThema: Re: Laborkomplex Yuka Katsuhikas   Di Jan 07, 2014 9:20 pm

Eigentlich hätte er wissen müsse, dass er falsch handelte – war es doch anscheinend der Lauf der Dinge, dass er ziemlich viel vermasselte. Jedenfalls in letzter Zeit. Nein, er bemitleidete sich diesbezüglich nicht. Es war einfach die Wahrheit, mit der er sich mal wieder konfrontieren musste. Eigentlich war er gar ein Mann, der Konfrontationen suchte und sie nicht scheute, aber in den vergangenen Stunden hatte er nicht wirklich etwas gefunden, wenn er sie bestritten hatte. Kein gutes Ergebnis oder überhaupt gute Dinge. Keine Freude. Keine Hoffnung. Lediglich, als sie erfahren hatten, dass Chiyoko noch lebte. Da war dieses etwas gewesen. Hoffnung. Freude. Da war sie gewesen – und war kurzzeitig gewichen, als er sie angesehen hatte. Wie sie ihn anblickte, ein wenig schief lächelte. Er hatte nicht gewusst, was er sagen sollte. Hatte einfach darauf los geredet. Was damit bezweckt? Was erreicht? Nur, dass sie nun leicht unter ihm ihre Stirn in Falten legte. Das Lächeln matter wurde, wenn überhaupt noch vorhanden. Ihm ihre Hand entzog und ihren Kopf zur Seite drehte, woraufhin er schlecht etwas erwidern konnte, weil sich ein mulmiges Gefühl in der Magengegend breit machte. Anstatt die mit Sicherheit von Neutralen hineininterpretierten Schuldgefühle, war es jedoch die Hilflosigkeit und Ahnungslosigkeit mit welcher er sich nun konfrontiert fühlte. Wissend, dass sie sich nun wieder entschuldigen musste, obwohl er es gar nicht so gemeint hatte. Oft machten ihm Worte anderer nicht aus, aber Chiyokos – wenn auch noch so wenig und klein – waren wie ein geschärftes Messer. "E-Es ... tut mir leid, Ren. Ich hätte es für mich behalten sollen. Das alles war ein Fehler. Nur wegen mir ... musstet ihr leiden."
Nun gut, ein wenig wütend verzog er das Gesicht – so, wie er es früher immer getan hatte. Ein wenig genervt. Weil er nicht fassen konnte, dass die Blonde vor ihm sich alleine wieder die Schuld geben wollte. Schuld für Dinge, für welche sie keine Verantwortung trug – es gar nicht in ihrem Zustand könnte. Aber nein, wieder schien es eine Stimme in diesem niedlichen Hinterköpflein zu geben, die es darauf anlegte, sich wieder selbst den Grund für das Leid der Welt in die Schuhe zu schieben. Ganz tolle Sache. Doch war es etwas neues? Mitnichten. Vielleicht war es auch das, was ihn seine Gesichtsmukulatur anspannen ließ. Seine Fäuste, die sich abwesend geballt hatten, kurz knackend – denn immerhin scherte sich Chiyoko einen Dreck um seine Ansichten zwecks ihrem Wohlbefinden. Sonst würde sie nicht aufstehen. Nur konnte er es ihr nicht verübeln – nicht nach dem, was sie in den vergangenen Tagen erlebt hatte. Entführung. Folter. Verlust. Tod. Wiederbelebung – erfolgreich. Von mindestens zwei Dingen hatte sie eigentlich nichts gewusst, doch er hatte mal wieder seine Klappe nicht halten können. Naja... indirekt jedenfalls.
Ein Schatten legte sich über sein Gesicht, als vor seinem inneren Auge wieder der Mann in Erscheinung trat. Mit seinem fiesen Grinsen. Verschlafen aufstöhnend erhob er sich. Schob den Hocker zurück und wollte gar nicht sehen, wie sie sich aus dem Bett kämpfte. Er wusste, er müsste sie eigentlich aufhalten, aber irgendwie glaubte er gerade nicht, dass er dazu das Recht hatte. Mit wenigen Schritten glitt er so ans Fenster, verschränkte die Arme vor der Brust und horchte hinter sich. Das klare Tapsen auf dem Fußboden. Seine Augen schlossen sich. Er dachte daran, wie Yuka sie schützend in den Armen gehalten hatte. Kurz vor seiner Verletzung. Vor der Explosion. Wie leicht ihr Körper gewesen war und wie schwer verwundet. So wie sie es jetzt immer noch war. Sein Atem wurde unsteter, als er sich langsam umdrehte, mit unsicherem Blick. Am liebsten würde er sie in die Arme nehmen, doch irgendetwas in ihren Worten... irgendetwas in ihrer Ausstrahlung sagte ihm, dass es im Moment nicht das Richtige war. Dass etwas anders war. Sich verändert hatte. Bitterkeit? Angst? Er wusste es nicht, dachte an das flüchtige Lächeln auf ihren Lippen, das er vertrieben hatte.
Als seine Augen schließlich auf ihren Körper vor dem Spiegel trafen, blickte er kurz zur Seite – nur um seinen Blick dann wieder auf sie zu richten. Wenn man eine Rötung an den Wangen oder dergleichen Anzeichen erwartete, wurde man soeben enttäuscht. So folgte er ihren Bewegungen, kannte das, was sie als Kekkei Genkai bezeichnete bereits kurzfristig unter den knappen Erklärungen, welche ihm von Haruka geliefert worden waren. Als sie alle noch nicht gewusst hatten, wie groß das Ausmaß wirklich gewesen war und dass so viele ihr Leben lassen würden. Alles, um die Gier eines einzigen Menschen zu befriedigen. Oder die Ansichten. Vielleicht tat er mit diesen Gedanken auch jenem Unrecht, doch glaubte er nicht, dass das alles der richtige Weg gewesen war. Die richtige Art und Weise um etwas zu erreichen.
Eigentlich hatte er schon immer mehr über sie und ihr Erbe erfahren wollen. Andeutungen waren es gewesen. Immer. Die ganze Zeit über hinweg – aber das, was sie nun tat, verletzte nur. Weil sie sich mit einer Verräterin verglich und wohl glaubte, er hätte sie von sich gestoßen. Hatte sie damit Recht? Im Nachhinein konnte man es natürlich schlecht sagen. Er wusste nicht, ob er es getan hätte – sich in sie verliebt hätte. Sofort. Vielleicht hätten sie weniger Zeit miteinander verbracht, es hätte länger gebraucht, um sie kennenzulernen. Aber er? Jemanden verleugnend, der einfach war, was er war? Ein Mensch mit einer Besonderheit, so wie sie alle eine hatten? Ernsthaft? Glaubte sie das? Dass sie gar auf diesen Gedanken kam, lies ein wenig Wut in ihm aufkommen, welche jedoch davon unterdrückt wurde, was sich auf ihrem Körper abzeichnete. Ihm wieder vor Augen führte, dass er ihr nicht hatte helfen können. Ihr, die ihm nun eine Geschichte erzählte. Über Chiyeko, welche alleine im Namen ihr so ähnlich war. Wieder brannte sich das Gesicht des Mannes vor seinen inneren Augen ein, durch ihre Narben. Auf ihrem Körper. Einstichstellen. Ein Kreuz. Gezogen wie eine Fratze. Ren biss sich auf die Lippen, konnte Chiyokos Blick in diesem Moment – selbst wenn – nicht begegnen. Nein. Es ging nicht.
“Glaubst du wirklich ich hätte dich nach dem, was wir erlebt haben, fallen gelassen?“ Eine Frage, welche mehr an ihn selbst ging, während er den Kopf schüttelte. Seinen Haori auszog und auf sie zu schritt. Während sie noch zu Ende redete. Dass sie nicht überleben hätte sollen. Wie Chiyeko. Eine Verräterin? Sinn der Entführung? Nein, für ihn hatte es keinen verdammten Sinn, seine eigene Familie zu meucheln und sie dann den Flammen zum Fraße vorzuwerfen! Wusste Chiyoko überhaupt schon davon? Andeutungen machte sie, doch er glaubte es kaum. Obwohl das Band zwischen Familienmitgliedern manchmal sehr dick gestrickt war. “Ich verrate dir was, Chiko.“ Vorsichtig legte er den Haori auf ihre Schultern. Fast schon zärtlich. “...ich habe dich den ganzen Weg in meinen Armen getragen. Dich an mich gedrückt und einfach nur gebetet, dass du das hier überstehst. Als wir ankamen, haben sie dich sofort versorgt und ja.... wir dachten kurz, du wärst gestorben – und weißt du was?“ Eine Pause folgte. “Diese scheiß Sekunden waren die beschissensten und schlimmsten in meinem ganzen Leben. Weil ich alleine den Gedanken nicht ertragen kann, dass du nicht mehr vor mir stehen kannst. Dass du einfach weg bist und die Augen nicht mehr auf machst. Dass ich dich nicht mehr in den Arm nehmen kann oder dein Lächeln sehen kann. Dir nicht mehr durch die Haare streicheln kann. Keine Albernheiten mehr höre oder nicht mehr die Möglichkeit habe, dich zu necken. Ich würde das verdammt nochmal ziemlich arg vermissen.“ Seine Hand griff sich in den Nacken, wobei er nun doch sie anblickte. Sie sollte sehen, dass er es ernst meinte. “Ich liebe dich, Chiyoko und wärst du eine Verräterin, hätte Jolinar dich nicht beschützt. Ja, vielleicht wurde Chiyeko verurteilt und getötet, doch du bist nicht Chiyeko. Du bist Chiyoko und hast alles Recht zum Leben. Glaubst du wirklich, dass es mit deinem Tod besser geworden wäre? Glaubst du das wirklich? Glaubst du wir hätten noch lächeln können?“ Ein Seufzer, ehe er kurz mit dem Handrücken über ihre Wange strich, dann nochmals auf die unzähligen Beweise ihrer Pein blickte. Sie sollte schlafen. Sich ausruhen. Ungestört. Damit sie die Informationen, welche sie noch erhalten musste, verarbeiten konnte – obgleich er glaubte, dass das selbst mit Ruhe und Erholung nicht möglich war. Nicht, wenn wahrscheinlich die ganze Familie das Zeitliche gesegnet hatte. Dass er ihr gerade ein Geständnis gemacht hatte, war ihm selbst untergegangen, viel zu groß war die Sorge vor dem, wie sie reagieren würde. Auf die Ausrottung. Auf das, was er ihr gesagt hatte – im Sinne des Verrats. Ob sie verstand, was er meinte. Doch dass er die Worte nicht nur indirekt ausgesprochen hatte? “Tust du mir den Gefallen und legst dich wieder ins Bett?“
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BeitragThema: Re: Laborkomplex Yuka Katsuhikas   Fr Jan 10, 2014 1:47 pm

Ich weiß nicht, ob ihr es getan hättet. Hättet ihr? Während Ren seine erste Frage stellte, ebbte Chiyokos Aufbruch ihrer Fassade wieder ein wenig ab. Seine Stimme war einerseits beruhigend, andererseits betäubend. Zwar spannten sich ihre Fäuste immer noch an, doch ihre Kiefer entspannten sich wieder und in den Augen blieb es bei einem kurzen Blinzeln, das jegliche überflüssige Flüssigkeit wegwischte. Fallen gelassen hatte man sie oft, während sie sich selbst abgestützt hatte, um wieder hochzukommen. Selbst in ihrer Familie funktionierte das ja so, auch wenn es nicht so extrem war. Man musste selbst Laufen lernen, es gab keine Hände zum Festhalten. Als die Blonde dann spürte, wie Ren ihr Stoff um die Schultern legte, hob sie das blasse Gesicht mit den grauen Augen und verfolgte seine Reflektion im Spiegel. Ihr Mund war derweil geschlossen, die Augen leicht vor Erschöpfung verengt und die Brauen etwas zusammengezogen. Es folgte eine Art Geschichte, oder ein Bericht über das, was geschehen war. Sie war in seinen Armen hier angekommen, während man sich dann medizinisch um sie gekümmert haben musste. Die ganze Zeit über? Verwundert sah Chiyoko den Schwertkämpfer an. Das letzte, woran sie sich hatte erinnern können ... Nein, das durfte sie nun nicht herbei beschwören. Von seiner Präsenz hatte sie zumindestens nichts mitbekommen. Kurz danach die Darlegung der Gründe und Horrorvorstellungen, die ihn ereilt hatten wie sie wohl auch Haruka gehabt hatte. Wenn Chiko denn gewusst hätte, dass ihre Schwester dabei gewesen war. Bei jedem Wort, das mit dieser Stimme nun an ihr Ohr drang, wurde ihre Mimik weicher und melancholischer. Sie senkte leicht den Blick, zog Haori etwas enger an sich und fühlte sich darin plötzlich geborgen. Er würde all das vermissen. Auf einmal führte Chiko eine Hand auf ihren Bauch, wo das Kreuz lag. Diese Worte erinnerten an das Verhältnis der Symbiose, mit der die Teshima geboren worden war. Jolinar hatte ihr in schwachen Momenten oft gesagt, dass sie sie abgöttisch liebte, mit ihr den Tod teilen würde wie niemand anderes mit einem treuen Herzen und immer bei ihr sein wolle, weil sie nicht nur Jolinars Hülle sei, sondern ihr gesamter Lebenssinn. Chiyoko drückte die Augen zusammen, als sie tatsächlich von Ren hörte, dass er sie lieben würde. Also doch? Hatte das Gedicht einen Sinn für sie gehabt? Ihr schwante, dass sie keine Ahnung mehr von irgendwas hatte. Sie war durcheinander. Auf der einen Seite stand sie wieder im Leben, weil man ihr geholfen hatte und sie hatte sich verliebt, auf der anderen Seite hatte ihr Clanoberhaupt sie alle verraten. Die gesamte Familie war dahin. Der Name Teshima hatte nichts mehr mit einem Clan zu tun. Die letzte Frage spielte deswegen keine große Rolle mehr. Als würde sie sich nun hinlegen wollen, auch wenn sie frisch operiert war und ihr fast 40 Prozent eines Wirbels fehlten. Draußen brach die Dämmerung an, sodass der Himmel sich dunkel- bis hellblau und ansatzweise grün färbte, aber es würde alles andere als ein Tag werden. Eher eine helle Nacht, die sich in ihr Herz fraß wie ein ... Parasit. Wie ihr Peiniger es ihr mit ihrem Blut auf den Oberkörper geschmiert hatte. Sie war sowohl misshandelt als auch entblößt worden, verraten, was gab es zu verlieren? "Ich bezweifle eher, dass ich noch lächeln kann", flüsterte Chiyoko leise, drehte sich dann kurz darauf um, während ihr Blick an Ren hoch glitt, bis sie das Gesicht sah. Er sah alles andere als in Ordnung aus. Fast schon hatte die 26-Jährige wieder mehr Sorge um jemanden anders als um sich selbst, so war sie immer gewesen. Mit zögerlichen Schritten nahm sie einen Weg in seine Richtung, blieb direkt vor ihm stehen, während sie unter dem Haori die Arme um sich selbst geschlungen hatte und noch irgendwo dazu den Stoff festhielt. Die Teshima senkte ihre Stirn gegen die Schulter des jungen Mannes ohne ihn sonst zu berühren. Ein leichtes Lehnen mit dem Kopf, mehr nicht, wobei sie die Augen schloss und kurz seufzte. "Sie schläft gerade", murmelte sie, wobei Jolinar gemeint war, die quasi direkt vor Rens Bauch in Chiyokos Bauch war. "Ich denke gerade daran, wie ich damals im Restaurant ihren Namen benutzt habe, um mich dir vorzustellen. Weißt du, nachdem wir kurz aneinander geraten waren. Du ... kanntest sie die ganze Zeit über, obwohl du es nicht wusstest, und sie kannte dich. " Die Erinnerungen pflegten Chiyokos zaghaften Zustand ein wenig. Damals war es heiter, farbenfroh und locker gewesen. Nicht so schmerzhaft und trist wie hier. "Ich hätte nie gedacht, dass es so läuft. Dass mir jemand ansatzweise so wichtig wird wie sie ausgenommen meiner Familie." In diesem Moment richtete Chiyoko sich wieder auf, hob den Kopf und sah Ren wenige Zentimeter zwischen ihren beider Gesichter an. Ein Ausdruck von Verlorenheit lag in ihrem eigenen. "Es war schrecklich. Während ich die Tage in diesem Keller verbringen musste, sind mir alle Gesichter der Menschen aus meinem Leben durch den Kopf gegangen. Du warst als einer der ersten dazwischen. Aber ich konnte nichts tun, ich dachte, ich würde niemandem wiedersehen. Dieser Kerl... hat mir ..." Wieder wanderte die Hand zum Bauch, die Augen wurden zusammengekniffen, der Blick angewendet. "Mich gezwungen, ihm Jolinar zu zeigen. Sie musste mich verlassen und sich an die lebensgefährliche Luft begeben, da ich ansonsten noch anderes als Strafe bekommen hätte. Wie dieses Kreuz auf dem Rücken, Raiton-Schläge am ganzen Körper, eine ganze Nacht ohne Schlaf, ein ... erzwungener Kuss, um Wasser zu kriegen." Plötzlich hob die Teshima das Gesicht an. Es war aufgelöst, eine Träne hing bereits an den Wimpern ihres linken Auges, während das rechte leicht schimmerte. "Ihr habt so viel für mich getan, ich habe so viel durchmachen müssen, aber wofür?"
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BeitragThema: Re: Laborkomplex Yuka Katsuhikas   Di Jan 14, 2014 6:38 pm

Ren hatte seinen Kopf der Dämmerung zu gedreht, blickte aus dem Fenster, wo der Horizont sich langsam in die Farben eines neuen Tages schmiegte. Sich von ihnen umgarnen ließ und den Schlafenden die Decken vom Körper zog. Strinrunzelnd fragte er sich, ob er selbst auch die ganzen letzten Wochen eher geschlafen als gelebt hatte. In den letzten Tagen war er wacher geworden, was er Chiyoko zu verdanken hatte – obgleich er nicht von Dank sprechen wollte. Nicht bei solchen Umständen. Bei den Gründen für sein Aufwachen. Der Schwertshinobi konnte nicht umhin, immer wieder den Rauch vor seinem Gesicht zu sehen, als die Granate gefallen war. Kuro mit einer unüberlegten Handlung. Wie sie zurückgeworfen worden waren, in der Taverne. Und dann kurzzeitig nur noch Rauch da gewesen war. Keine Einrichtung mehr ersichtlich, von grauen Schwaden durchdrungen. Und in diesen Schwaden diese hässliche Fratze mit der noch perverseren Stimme. Alleine durch letztere hatte man mit Leichtigkeit das süffisante Grinsen dahinter erahnen können. Wie schön es gewesen wäre, hätte er mit Sakanade jenen Gesichtsausdruck aus der Visage schneiden und die Fetzen den Schweinen zum Fraß vorwerfen können. Etwas anderes hatte er nicht verdient. Sicher, Raijin würde wieder auf gewisse Verhaltensmuster plädieren-- Raijin. Haruka. Wussten sie, dass Chiyoko wach war? Sollte er ihnen nicht Bescheid sagen? Daran hatte er noch gar nicht gedacht.
Ein wenig fehl am Platz zuckte er mitsamt diesem Gedanken zusammen, wirkte ein wenig müde. Ausgelaugt – und sah kurz darauf in ein umso traurigeres Gesicht. Ein Gesicht mit Spuren, dessen Besitzerin nun vor ihm stehen blieb, seine weißen Haori eng um sich geschlungen hatte und Geschehenes von sich gab, von dem er es eigentlich nicht wissen wollte. Weil er genau wusste, dass er dadurch weder Schlaf noch Frieden finden würde – falls überhaupt irgend möglich. Wieder sah er das Bild Chiyokos vor sich. Wie sie nackt in Yukas Armen gelegen hatte. Fast jedenfalls. Und dann in seinen Armen. Fast hätte er gerade seinen Blick von ihr abgewendet, diese Bilder im Hinterkopf. Aber er tat es nicht. Vielleicht auch, weil er Angst hatte, sie könne wieder verschwinden. Von Jolinar hatte sie ebenfalls erzählt, während das Leben sich kurz wieder in ihr zeigte. Vor den anderen grausigen Bildern. Als sie zusammen in dem Gasthaus gewesen waren. Wenig später im Gartencafé, auf ihrer abendlichen Vorstellung... richtig, das waren noch schöne Zeiten gewesen. Ohne Kummer. Unbeschwert. Mit Jolinar hatte sie sich vorgestellt – damals schon hatte er ihr diesen Namen nicht abgekauft. Niemand würde sein Kind Jolinar nennen! Das hatte er sich gedacht – doch nun? Ein leichtes, kleines Schmunzeln trat auf sein Gesicht. Die Larve, welche Chiyoko beschützt und gerettet hatte, hieß so. Und er war ihr verdammt nochmal dankbar. “Was würdest du sagen, wenn ich immer noch behaupten würde, du hättest dich auf mich geworfen?“, fragte er. Zwar ein wenig kraftlos, aber auch neckend – nur verschwand das kurzzeitig aufgetretene Grinsen, als er an die Geschichte davor dachte. In ihre Augen blicken musste, die vielleicht irgendetwas wie Halt in den seinen suchten. Eine Träne, welche sie versuchte weg zu blinzeln. Nein, er hatte sie nicht oft weinen sehen, aber immer wenn sie es getan hatte, hatte er nicht gewusst, wie genau man damit umgehen sollte. Irgendwie fühlte es sich an, als ob er in den vergangenen Monaten mehr als nur ein halbes Jahr gealtert war. Ihm drehte sich die Magengrube um. Erzwungener Kuss. Schläge. Mit Raiton. Narben. Das Einritzen. Doch er musste seinen Ärger und seine Wut verbergen. Zumindest jetzt, damit die Frau vor ihm, wenigstens so etwas ähnliches wie Ruhe finden konnte. Wenn auch nur für eine kurze Zeit. Wenn sie ihn nun um etwas gebeten hätte – er hätte es getan. Ohne nachzudenken.
“Du bist nicht mehr da.“ Ungewöhnlich sanft klang seine Stimme, als er seine Handflächen beidseitig auf ihre Wangen legte, damit sie ihren Blick nicht abwenden konnte und ihn anschauen musste. “Du bist nun hier. In Kirigakure-no Sato. Bei mir – und ich will verflucht und verteufelt sein, würde ich dich noch einmal so einfach gehen lassen. Du bist hier und nicht mehr in diesem dunklen Moloch. Auch, wenn er gesagt hat, du würdest uns nie wieder sehen, du hast es getan – weil du nun hier vor mir stehst.“ Eine seiner Hände fuhr ihre Wange hoch, über ihre Schläfe auf ihre Stirn, wobei er leicht den Kopf schief legte. “Ich werde ihn finden und ihn zur Rechenschaft ziehen... Dann wird er so etwas nicht mehr tun können. Und du...nein, ihr – du und Jolinar – ich werdet nie mehr in eurem gesamten Leben so ausgeliefert sein.“
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BeitragThema: Re: Laborkomplex Yuka Katsuhikas   Mi Jan 15, 2014 9:51 pm

Auch wenn sie sich näher kamen, hatte Chiyoko unbewusst ein keimendes Gefühl, dass sie sich voneinander entfernten. Während er ihre Wangen in seinen Händen hielt und milde Worte sprach, senkten ihre Augenlider sich schmerzhaft, bis sie leer auf einen Punkt in seinem Gesicht starrte. Der Kerl hatte gesagt, sie würden sich wiedersehen. Daran glaubte Chiyoko. In diesem Moment fällte sie in gewisserweise ein Urteil gegenüber dem Schicksal: So etwas durfte nicht nochmal passieren. Es durfte nicht einmal das Risiko dafür geben, dass man jemand anderem so unterlag. Schwäche war sicherlich einer der Hauptgründe gewesen, genau wie Gutgläubigkeit. Die Welt außerhalb Kiris war noch kälter als jene, in der ihr Clan wandelte, um jeglichem Hass gegenüber ihres Erbes zu entkommen. Irgendwie wollte Chiyoko hier bleiben. Hier Wurzeln schlagen, um Standfestigkeit zu entwickeln, wie Stärke und bessere Chancen auf Siege. Wohl würde die Teshima eines Tages einen Fuß vor das Tor setzen, um das auszugleichen, was in Takaras Auftrag mit ihr gemacht worden war. Sie würde vielleicht nicht dieselbe Grausamkeit teilen, aber dieselbe Kaltherzigkeit. Stellte man sich ihr kleines Herz nun in einem schwarzen Tresor vor, so wurde der Boden unter dem Herz plötzlich zu einer zähen blubbernden Masse. Das Organ versank darin Stück für Stück und wurde von den Sprenkeln der Blasen befleckt. Dieser Prozess, das Versinken, würde einige Zeit dauern, aber nun hatte es begonnen. Der erste Fleck hatte Chiyokos Herz verfärbt. Sie würde ihn wiedersehen, irgendwann.
Dennoch gaben Rens Worte und Versprechen so etwas wie Halt in diesem Augenblick. Chiyokos Atem, der Achterbahn fuhr, kam wieder auf eine ruhigere Strecke. Sie wusste nicht, was sie nun denken oder sagen sollte. Einerseits war sie froh, dass Ren anscheinend eine Art Respekt vor ihrer Larve hatte, statt sich vor ihr zu ekeln. Andererseits war es doch eine Illusion zu glauben, dass nun Gefahren in diesem Ausmaße nie wieder auf sie beide zukommen würden. Nun hob sie ihren Blick, direkt in seine Augen. Darin lagen sowohl die betäubte Glückseligkeit über Rens Reaktion zur Larve als auch die Resignation, die sich vollends in ihr ausbreitete. "Du kannst es nicht versprechen, Ren", flüsterte Chiyoko leise, wobei ihre Lippen ein wenig zitterten. "Er ist da draußen. Er wird immer warten." Mit bebendem Oberkörper sog sie die Luft ein und stieß sich zwischen den Lippen wieder aus. Das Gesicht dieses Schwarzhaarigen würde sie nicht vergessen können. Vor allem nicht die Narben, die nun auf ihrem Körper prangten. Sie hasste sich ja sowieso schon seit Jahren, aber nun fühlte sie sich nur noch umso hässlicher. Selbst wenn beispielsweise von der OP-Narbe mehr bleiben würde als von dem Kunai-Kreuz. "Und ich bin hier ... habe auf dich gewartet." Ein kleiner zerbrechlicher Ton in der Stimme der 26-Jährigen, die Ren immer näher kam. Ob sie nun schwankte oder sich anlehnen wollte oder es bewusst tat, es passierte. "Fast hätte ich für immer gewartet." Wusste sie, wie man so etwas tat? Erfahrungen hatte sie natürlich keine und Unterarm-Mundform-Bewegungen waren nicht vergleichbar mit der Echtheit dieser Situation. So traurig sie auch war. Chiyoko wollte sich nur noch flüchten. Träge schob sie einen von Rens Armen hinunter von ihrem Gesicht, um seine Hand direkt auf ihr Hohlkreuz zu legen, in der Nähe der frischen Operation. Dort wollte sie eine Art äußeres Pflaster für einige Sekunden haben. Die schmalen Hände legte sie auf seine Brust. Mit einem Blick zu ihm hinauf wurde wohl deutlich, was sie nun tat. Sie senkte ihren Mund auf seinen. Mit einem dezenten Öffnen der Lippen berührte sie seine, spitzte sie leicht zu, fand dann größeren Halt, dachte somit, dass es nicht ganz falsch war. Rein von der Technik her. Auch wenn dieser Tag keine große Zukunft hatte, so war es doch wenigstens etwas Schöneres ihn damit zu beginnen, als sich wieder trist ins Bett zu legen und sich anzuschweigen. Das konnte sie auch in einer Stunde noch tun.
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BeitragThema: Re: Laborkomplex Yuka Katsuhikas   Di Jan 21, 2014 7:42 pm

Es brauchte nur ein kleines Wort. Eine kleine Saat, damit ein Gedanke in einem Kopf keimte. Ob nun gut oder schlecht, es war bis auf einen Unterschied fast das gleiche: Schlechte und verfaulte Saaten setzten sich viel schneller im Gehirn eines Opfers ab. Einer Person, eines Individuums. Es war egal, denn sie schien überall einen nahrhaften Boden zu finden, der sie versorgte. Sie hatte sie in Ren gefunden, als sein Onkel gestorben und Chiyoko schließlich auch entführt worden war. Als er sie nicht hatte vor dem bewahren können, dessen Spuren sich nun auf ihrem Körper abzeichneten. Und sie hatte einen Wirt auch in der angesprochenen Blonden gefunden, die sich nun äußerte. Dass er nichts versprechen könne. Die Saat würde weiter keimen, weiter wachsen und irgendwann das, was war, auffressen. Er konnte etwas in ihren Augen sehen, das darauf anspielte und ihm nicht gefiel. Genauso wie er von sich selbst wusste, dass sie beide sich verändert hatten – nicht nur er und nicht nur sie. Sie beide und vielleicht war er ihr deshalb nicht näher gekommen. Vielleicht hatte er deshalb nur eine Brücke geschlagen, aber war noch nicht über sie gegangen. Hatte sie deshalb „nur“ angesehen, angesprochen und ihr versichert, dass er es nicht zulassen würde. War es das gewesen? Er wusste es nicht wirklich, doch fragte er sich, was er in beschissenen Momenten nach diversen Schanden noch zulassen könnte? Mit Sicherheit wäre es nicht so wichtig, wie die eigentliche misslungene Befreiung. Ja, Ren fühlte sich, als ob er im Wichtigsten versagt hätte und es nie wieder gut machen könnte. Als ob Chiyoko sich von ihm durch diesen Mistkerl entfernt hätte, sich nun noch mehr hasste und davon sprach, dass es besser gewesen wäre, sie sei gestorben. Gäbe es je genug Worte, ihr mitzuteilen, dass es nicht der Fall war? Ihm fielen keine ein, aber ohnehin war er nie besonders gut in solchen Dingen gewesen. Die hatte er immer seinem Onkel hinterlassen. Ein heulender Schüler in der Schwertkampfschule? Kein Problem, holt Sakei. Eine Auseinandersetzung, die nicht damit enden sollte, beiden eine deftige Kopfnuss zu verpassen? Holt um Himmels Willen nicht den Erben, sondern den Lehrmeister!
Langsam senkte er sein Haupt, als sie die Distanz zwischen ihnen immer weiter überwand. Viel größer als sie war er ohnehin nicht, doch gerade deshalb konnte sie ihm so in die Augen blicken, vielleicht darin auch sehen, dass er sich selbst Schuld gab. Es ihr nur nicht sagte. Zwar erwähnte, dass er es bedauerte, es nicht geschafft zu haben und sie von nun an mit allem, was er hatte, schützen würde – aber nicht über sich selbst sprach. Wie es ihm ging. Klar, er hatte erwähnt, wie er sich gefühlt hatte, doch das drückte nicht einmal im Ansatz das aus, was er noch vor wenigen Stunden auf den kalt wirkenden Gängen dieser Anstalt gefühlt hatte, als Chiyokos Vater hinter ihm in Tränen ausgebrochen war. Genauso wie ihre Schwester, die schließlich von Raijin getröstet worden war. Aber er wollte auch nicht mit ihr darüber reden. Denn ohnehin schienen Worte in den nächsten Momenten völlig überbewertet zu sein. Überflüssig zu werden. Seine Hand wurde auf ihr Hautkreuz aufgelegt und er glaubte unter dem Stoff seines Haori, der es nur ansatzweise und ganz spärlich verdeckte – zumindest einen Teil davon – die Narbe wahrzunehmen. Das Kreuz selbst. Das, was so empfindsam war und das Geschöpf versteckte, welches Chiyokos Leben gerettet hatte. Und das seine, wenn man es so nehmen wollte. Jolinar. All die Qual, welche die Teshima vor ihm erlebt hatte, lag doch darin, oder? Und nun legte sie seine Hand darauf, legte die ihren auf seinen Brustkorb, um ihm noch näher zu kommen. Während seine Hand dort verweilte, wo sie von Chiyoko gebettet worden war, beobachtete er ihr Näherkommen mit ihrem Haupt fast wie in Zeitlupe. Sagte jedoch nichts. Fast hätte sie für immer gewartet. Genau wie er. Sie auf ihn und er auf sie. Dennoch wünschte er sich, das hier würde nun nicht passieren – zumindest nicht mit dieser Vorgeschichte.
Als sie seine Lippen berührte, er diesen leichten und süßen Druck spürte, ließ er seinen Kopf gegenüber dem aufkommenden Druck leicht locker zurückgleiten, löste den Kuss dadurch jedoch nicht. Stattdessen machte er ihn nur sanfter. Seine freie Hand, ruhte kurz darauf noch immer an ihrer Wange, fuhr jedoch wenig später gen ihrem Haar, strich durch dieses und drückte letzten Endes ihren Hinterkopf sanft weiter in seine Richtung, sodass der Druck wieder intensiver wurde, er kurz absetzen und sie dann von sich aus nochmals küssen würde. Allerdings achtete er dabei darauf, sie nicht zu sehr an sich zu drücken – nicht nur, weil seine Hand noch immer auf ihrem Hautkreuz lag, sondern auch, weil er ihr unter Umständen sonst noch weitere Schmerzen zufügen würde. Etwas, das er niemals tun wollte. Sonst würde er sich hassen. Also ließ er diese Haltung verweilen, ehe er sich abermals zärtlich von ihr löste. Eine Eigenart, die in gewisser Hinsicht gar nicht zu ihm passte, da man ihn nicht wirklich zu den Zärtlichen zählte, doch unter den momentanen Umständen änderte sich wohl so manches. “Dann bin ich froh, dass wir nicht weiter gewartet haben.“ Ein schwaches Lächeln glitt über seine Züge, das ausnahmsweise mal nicht verpeilt, genervt oder verspielt wirkte – sondern vielmehr ehrlich. “Ich möchte keinen Moment mit dir mehr versäumen. Und ja... Dir können nun ruhig die Knie schwach werden und du darfst in meine Arme fallen~“ Ein kleines Grinsen bildete sich noch.
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BeitragThema: Re: Laborkomplex Yuka Katsuhikas   Mo Jan 27, 2014 8:53 pm

Wie sich das letztlich entwickeln würde, bliebe wohl einzig und allein der Zeit überlassen. Einer schicksalshaften Gewalt, die niemand beeinflussen konnte. Vielleicht gab es so etwas wie eine Zukunft, während diese Lippen sich berührten. Etwas wie eine Bindung, das jeweils eine Hälfte retten konnte, die in einer nebulösen Spirale nach unten rutschte. Oder ein schwankendes Band für zwei Pole, die sich immer weiter voneinander entfernten. Nicht, weil sie sich abstießen, sondern weil eine Seite die andere nicht ansehen konnte. Sie blickte in eine Richtung, die vor ihr davon lief und sie selbst zur Bewegung zwang. So war auch Chiyoko froh, dass sie nun nicht gewartet hatte, sonst wäre der Graben eventuell zu weit aufgerissen, welcher sich durch das Tal ihrer Zuversicht zog. Hatte sie hiermit etwas erreicht? Ein wenig verloren blickte sie auf, den Mund dezent offen, durch ihn atmend und etwas betäubt. Von Gefühlen und Medikamenten. Eigentlich sollte sich das hier ja schön anfühlen, aber es lag eventuell an all dem Schlechten, das stärker wog, oder an der Operation, dass Chikos Puls sich nicht veränderte. Bisher hatte sie recht oft einen erhöhten Herzschlag gehabt, wenn sich solche Gelegenheiten der Nähe ergaben. Dass sie das, was sie für Ren entwickelt hatte, nicht einfach absterben würde, war ihr klar, aber momentan lag es in einer versiegelten Kiste und sie kam nicht daran. Sie konnte sich nach seiner Bemerkung nur selbst den Gefallen tun und ein weißes Tuch über die Kiste legen, um sie nicht sehen zu müssen. So blinzelte sie langsam ohne ein Lächeln, neigte das Gesicht zur Seite und schloss die Lider letztlich ganz. Ihre Arme schlangen sich von unten um Rens Schultern, auf dass die Hände in etwa auf seinen Schulterblättern lagen. Den Kopf lehnte sie an seine Brust und versuchte sich einfach auf die belanglosen Geräusche um sich herum zu konzentrieren. Dort das gedämpfte Rauschen von Wasser in Wandleitungen, Wind von draußen, den man durch die Baumkronen in diesem hohen Stockwerk besser sehen konnte, das Atmen und der Puls von Ren. Chiyoko schwieg eine ganze Weile, während sie ihn umarmte. Dann hob sie das Gesicht leicht an, sah zum Fenster und blickte auf den sich verfärbenden Horizont. "Ich werde recht schnell genesen durch meine DNS. Ich weiß nicht, was die Ärzte mit mir gemacht haben, aber wahrscheinlich benötige ich nur die Hälfte der Zeit, um wieder halbwegs mobil zu werden." Anschließend löste Chiyoko sich von Ren und ging mit zitternden Schritten zum Bett, wo sie sich auf den Rand setzte und mit einer Hand das Oberteil festhielt, das ihren fast nackten Körper bedeckte. Ihre grauen Augen starrten auf den Boden. "Ich weiß, dass nichts Schönes auf mich wartet. Ich weiß noch nicht, was Zuhause passiert ist, aber dass ich wieder da bin und lebe, wird mein Clanoberhaupt gehörig die Suppe verdorben haben. Was auch immer mich erwartet-" Chiyoko brach kurz ab, hob das Gesicht und sah zu Ren. In ihrem Gesicht war eine Art von Sehnsucht zu lesen, die bei einigen wohl Wehmut aufkommen lassen würde. "Ich gedenke, dass ich meinen Vater konsultiere. Das hier darf nie wieder passieren, Ren. Ich will mich nicht mehr um alles herumschleichen, weil ich Angst vor allem habe. Und ich möchte auch nie wieder so ausgeliefert sein. Da mir das außerdem keiner versprechen kann, muss ich mich selbst darum kümmern." Wieder ein kurzes Schweigen, das bedrückend wirkte. "Ich werde mit meinem Vater und vielleicht auch meinen Schwestern Kirigakure für einige Wochen verlassen. Ich möchte trainieren. Jede Sekunde, die ich nicht mit notwendigen Bedürfnissen zu tun habe. Ich muss erstarken, um für mich selbst einstehen zu können." Kurz darauf legte Chiyoko sich wieder ins Bett und zog die Decke über ihre Brust, drehte das Gesicht zur Wand und seufzte schwer. "Bitte geh zu deiner Familie. Ich möchte mich nun ausruhen."

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