Tamashii no Utsuri

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 Krankenhaus II

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BeitragThema: Krankenhaus II   So Feb 09, 2014 2:22 pm

das Eingangsposting lautete :

Ein weiterer Teil des Krankenhauses von Konohagakure-no Sato, der einen Nebeneingang aufweist, sich sonst allerdings nicht sonderlich unterscheidet.
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Fudo Akari
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BeitragThema: Re: Krankenhaus II   Mi Jun 25, 2014 9:31 pm

Wortspiel. Natürlich war es gut, dass Madoka keine Drogen zu nehmen schien, was ihre Blutergebnisse nur bestätigten, doch gleichsam implizierte Akari damit auch, dass Alkohol eine Droge darstellte – wobei Kaffee in dieser Definition gleichfalls eine Droge war und von jener waren erstaunlich viele Ärzte abhängig. Wie hieß es doch so schön, die Dosis machte das Gift und ein Alkohol- oder Coffein-Konsum bedurfte tatsächlich erst in gewissen Grenzbereichen der Aufmerksamkeit. Im Falle von Madoka gab es da die Leber, welche sich mit dem regelmäßigen Alkoholkonsum veränderte und ein lebenslanger exzessiver Genuss konnte zu bleibenden geistigen Schäden führen. Wohingegen der übermäßige Verbrauch von Kaffee lediglich zur Hyperaktivität und Schlafmangel führte. Der kleine Unterschied bestand darin das es Entzugsprogramme für Alkohol, nicht jedoch für Kaffe gab – so gesehen war Akari fein raus und es war noch kein Organ gefunden, welches sich durch Kaffe schädigen ließe. Trotzdem konnte sie die ablehnende Haltung ihrer Patientin verstehen, es war offenbar auch nicht einfach zu wissen das man eine Grenze überschritt und dennoch damit weiterzumachen. Madoka gab vielleicht nicht offen zu ein Alkoholproblem zu haben, doch schloss sie es auch nicht aus, nannte jedoch zur Sicherheit auch keine genauen Zahlen um nicht eventuell doch überführt zu werden. Akari besaß keine richtige Möglichkeit an ihre Daten heranzukommen, immerhin war Madoka nicht wegen einem Entzug hier, somit waren es keine für die Behandlung nötigen Grundaussagen. Einzig die Medikation um entzugsbedingten Anfällen vorzubeugen spielte in die Situation mit der Infektion und dem Koma hinein und davon hing wiederum ein Teil der Schmerzmedikation ab, doch es war keine große Sache, Medikamente konnten gewechselt werden sobald Komplikationen bekannt wurden – vielleicht fragte Akari auch nur aus Bequemlichkeit, als wollte sie keine Alkoholiker auf ihrer Station haben. Dies waren vielleicht die Punkte die sie sich vorwerfen lassen könnte, doch das Mädchen machte keinerlei Gebrauch sondern gab mit ihrem krankheitsbedingten Verzicht auf Alkohol sogar gleich einen Kompromiss bekannt – doch ganz so einfach war es dann doch nicht und dies müsste sie ihrer Patientin dann doch sagen, obgleich Madoka es vermutlich bereits wusste. “Es ist nur nicht mehr ganz allein deine Sache, wenn du zuviel trinkst. Es gibt Grenzen und werden diese überschritten schädigst du damit deinen Körper langfristig. Deine Leber wird mit der Zeit geschädigt und selbst wenn du irgendwann aufhörst zu trinken, bleibt sie beschädigt. Es steht nicht nur irgendwo in deinem Krankenplatt das du trinkst, sondern es sind bereist erste Spuren von einem längerfristigen Konsum sichtbar. Das du trinkst ist nicht das Problem, sondern die Menge und Dauer.“ Akari kam sich zwar ein bisschen vor, als ob sie gegen eine Wand oder mit einem bockigen Kind redete, immerhin war Madoka von ihr abgewandt, doch sie wollte ihr jetzt nicht auch noch ein ungewolltes Thema aufdrücken – auch wenn es nicht ganz unwichtig war. Natürlich gehörte längerfristig nicht nur die bloße Tatsache dazu, dass da jemand zuviel trank, sondern auch die Gründe – auch wenn Ursachenforschung hinter dem Alkoholkonsum nicht die Hitliste der Forschungsthemen anführte. Bei Madoka sprach eindeutig ihre Jungend dafür das Thema auf den Tisch zu holen, musste diese doch schon als Jungendliche angefangen haben zu trinken um ihren derzeitigen Entwicklungsstand zu erreichen. Nein, das konnte nicht sein oder? Wie sollte ein Kind an Alkohol herankommen? Sie ließ besser aus, dass Madoka noch minderjährig war und ihr deshalb der Konsum verboten gehörte, immerhin war dies eine Entscheidung die ihr Leben prägte und nicht nur die nächsten Jahre bis zur Volljährigkeit.
Wie zur Antwort stürmte ein Mann ans Bett der ehemals Komatösen und die Patientin identifizierte ihn als Familienangehörigen – den eigenen Vater. Es folgte eine herzliche Umarmung?! Akari blieb weiterhin irritiert, war ihr Maßstab falsch? Setsuna der lediglich seine Freundin begrüße, ein Vater der seine Tochter nur unwesentlich liebevoller behandelte? Dem gegenüber stand das extrem verschmuste und aufopferungsvolle Verhältnis von Arisu und Mai, welche ebenfalls in einer Art Mutter-Tochter-Beziehung standen sowie ihre eigene Beziehung zu Ayioma, welchen sie küssen würden anstelle ihm die Hand zu schütteln, was vermutlich Setsuna’s Art der Begrüßung gewesen wäre, unabhängig von Madokas Ausrutscher. Sie wusste es nicht, vielleicht hatte Akari den Vorteil gute und intakte Beziehungen zu genießen. Madoka’s Vater stellte sich nicht vor und akzeptierte seinerseits die Tatsache, dass Akari offenbar Ärztin war um kurz darauf eine Art Geständnis zu machen. Alle Gedanken an Alkohol schienen unwichtig, was erzählte der Mann denn da angeblich ein Mörder zu sein? Madoka führte das Gespräch, obgleich Akari es vermutlich an irgendeiner Stelle an sich  hätte reißen müssen, doch begnügte sie sich mit dem Zuhören. Irgendwo war es auch spannend, gab der Mann jetzt wirklich einen Mord zu, die fahrlässige Tötung seiner Frau? Zumindest war er extrem verantwortungslos und solch eine Vaterfigur würde vermutlich seine Tochter noch ermutigen zu trinken oder es zumindest nicht verhindern – Akari musste sich daran erinnern, dass diese Geschichte nicht nur unglaublich, sondern tatsächlich geschehen war. Madoka besaß keine Mutter, eine jüngere Schwester und diese Person als Vater. Die Geschichte stimmte mit den Tatsachen überein und musste somit wahr sein. Akari bemerkte, dass sie den Instrumenten um das Bett kaum Beachtung schenkte, stand sie womöglich gerade selbst unter Schock? Das wäre nicht gerade gut und erst recht nicht professionell, je nach Stadium ihrer eigenen Fassungslosigkeit würde sie recht verzögert auf Warnsignale reagieren – von akuten Notfällen abgesehen. Bei solch einem Vater musste sie ja glatt froh sein keine Eltern zu besitzen, er hatte grob fahrlässig gehandelt und zeigte selbst jetzt, nach all dieser Zeit und den Komplikationen kaum Reue oder wollte Akari diese nicht sehen, weil sie nun den Grund für die Krankheiten ihrer Patientin wusste? Wäre Madoka nicht schon Chunin und stand somit fast auf eigenen Beinen, ihm hätte jemand das Sorgerecht entziehen sollen und ganz offenbar war dies nie geschehen, da es ja anscheinend bisher nicht aufgefallen war.
Die Wurzel allen Übels ward am Ende des Zimmers verwiesen und Akari erhob sich, musste sie sich zwischenzeitlich gesetzt haben, und wandte sich erneut Madoka zu. “Ich will mich nicht zwischen dich und deinen Vater stellen, aber er hat ganz offenbar nicht nur dein Leben zerstört. Ich werde die Quelle der Infektion weitermelden und deine Wohnung wird gesäubert und du kannst ihm natürlich Besuchsverbot erteilen sowie neue Vollmachten vergeben, wodurch dein Vater bei weiteren krankheitsbedingten Entscheidungen kein Mitspracherecht mehr hätte, denn ganz offenbar handelt er ziemlich verantwortungslos.“ Akari ging wie selbstverständlich davon aus, dass Madoka verärgert war, doch natürlich bestand die Möglichkeit das Vater und Tochter sich weiterhin liebten, doch war Akari dieses Konzept nicht vertraut genug, allerdings sollte eine genetische Abhängigkeit kein Hindernis sein. Sie ergriff das Klemmbrett, welches inzwischen leicht schief auf dem Bett lag und nahm es auf. “Nicht alle Fragen betreffen den Alkohol. Es sind auch Fragen zu Verwandtschaft, Vorerkrankungen oder erblich bedingten Krankheiten dabei, doch könnte diese ebenso deine Tante beantworten. Am Ende geht es auch nur darum zu verhindern das du dir auf Dauer selbst schadest. Deinen Vater scheint das ganz offenbar nicht zu interessieren, doch viele andere sorgen sich um dich und dies nicht nur beruflich.“ Akari bot Madoka erneut das Glas Wasser an und sollte sich die Jüngere nicht gebührend beruhigen konnte sie auch noch ein paar Sedativa dazuschalten.
Eine, im Vergleich, leise Stimme kündigte die Rückkehr von Setsuna an oder besser die Ankunft des Essen – zumindest im Vergleich zum lauten Organ welches einen Mann aus dem Zimmer beordert hatte. Der Junge sah in ihre Richtung, hieße dies sie sollte nun sprechen oder wollte Madoka die Sache ansprechen? “Sie hat ihren Vater rausgeschmissen und ich muss zugeben die Gründe waren gut. Suppe und Zwieback? Gute Wahl.“ Sie betrachtete die Speisen und überließ es Madoka wie viel sie ihrem Freund erzählen wollte, dabei besaß Setsuna ja die Fähigkeit aus unglaublich wenig Information die richtigen Schlüsse zu ziehen. Sie lauschte auf die Monitore. “Ich denke du solltest nebenbei etwas essen, sofern du ruhig bleibst.“ Um ganz ehrlich zu sein würde Akari jetzt selbst gerne eine Kleinigkeit zur Ablenkung essen, um wortwörtlich das Geschehene zu verdauen und natürlich würde Akari den Service spielen und das betteigene Tablett eindecken, wenn gewünscht.
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BeitragThema: Re: Krankenhaus II   Mo Jun 30, 2014 3:26 pm

Er huschte an ihm vorbei wie ein zerrissener Schatten. Eigentlich ließ Ryuichi sich rein gar nichts von Jüngeren sagen, ignorierte sie, war in seiner Resignation über sie erhaben und gab nichts auf den Inhalt ihres Gesagten. Aber zu diesem Zeitpunkt Setsuna anzutreffen und dann diese Frage zu hören, ließ ihn schuldbewusst das Gesicht abwenden, die Augen zusammenkneifen einfach weitergehen, da er seiner Tochter soeben offenbahrt hatte, was für Schanden er noch begangen hatte. Seine Schwägerin hätte die Kinder alleine großziehen sollen. Er war für seine jüngere Tochter eine noch größere Gefahr als für seine Ältere.
Madoka wiederum fühlte sich nun binnen weniger Minuten mit allem konfrontiert, was sie seit Jahren versuchte mit dem Alkohol zu betäuben, zu ignorieren und zu vergessen. Dass sie sich von ihrem Vater entfernt hatte, dass ihre Mutter nie mehr wieder käme, dass sie für ihre Schwester ein Vorbild war, dass irgendwer wusste, was in ihr vorging. Einerseits dankte sie ihrem Vater ja, dass er sie eigentlich alleine ließ, da er mit ihr zusammen am tiefsten im Sumpf der Trauer steckte. Andererseits fehlte ihr damit die andere elterliche Schulter, an die sie sich bei ihrer Mutter so gerne angelehnt hatte. Aufgebracht fuhr die Sunohara sich durch das Haar, wobei sie auf ihre Atmung achten musste, denn ansonsten hatte sie schnell wieder stechende Schmerzen, die sie ins Bett nieder hämmerten wie ein erbarmungsloser Dämon. So lag sie unter der Decke, der Verband, der ihren Oberkörper bedeckte, dehnte sich mit jedem Atemzug leicht und die Patientin musste schwer schlucken. Ihr Blick haftete an Akari, die im Allgemeinen verantwortungsvoll handelte, aber in Madokas Sicht jene nur bestimmen wollte. "Er wird sowieso nicht wiederkommen", raunte sie, minimal davor, dass ihre Stimme brach und sie wohl begann zu weinen. Gerade das wollte sie aber nicht, nicht vor einer Ärztin. "Ich schau ... es mir später an. Ich gebe den Bogen auch Nagisa. Selbst wenn ich diese Sorge bezweifle." Das Glas Wasser, was sie gereicht bekam, nahm sie mit zitternder Hand an, holte Luft und trank dann mit geschlossenen Augen gleich mehrere Züge. Setsuna kam ebenso dazu, hatte etwas dabei und schien mitbekommen zu haben, dass hier nicht gerade fröhliche Wiedersehensstimmung herrschte.
Madoka stellte das Glas zur Seite, faltete die Hände ineinander und musste immer noch versuchen ihre Gesichtsmuskeln unter Kontrolle zu behalten. "Ich versuch's, danke", sagte die Grünhaarige auf Akaris letzte Erwiderung. "Aber ich ... würde mir wünschen, dass Ihr jetzt geht. Bitte." Damit meinte sie lediglich Akari. Einerseits wollte sie, dass diese bohrenden Fragen nach ihrem Alkoholkonsum mit ihr verschwanden, andererseits wollte sie für die nächsten Minuten einfach keine Ärzte um sich haben. Setsuna konnte bleiben. Er hatte sowohl das Essen dabei als auch eine wortkargere, rationalere Ader, der sie zutraute, dass sie damit nun besser klar käme. "Du kannst ... das Essen auf dem Tisch da abstellen." Sie seufzte sehr schwer, schloss die Augen und wünschte sich für den Moment sogar nur, dass sie gar nicht aufgewacht wäre.

Out: Wenn du magst, kannst du im nächsten Post deinen tbc setzen, Akari, da du ja noch weiterziehen wolltest.
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BeitragThema: Re: Krankenhaus II   Mo Jun 30, 2014 8:47 pm

Aha. Das Interesse wich aus Setsunas Blick, als Akari ihm knapp erklärte, was vorgefallen war. Keines Wort erbrachte ihm eine Neuigkeit, denn soweit hatte er sich das bereits zusammengereimt. Dass es gute Gründe waren, sowieso – immerhin gab es kaum einen Menschen, der so wenig von seinem Respekt erhielt, wie Madokas Vater. “Es gibt nur gute Gründe, um dieses scheußliche Individuum aus dem Zimmer zu verweisen.“ Noch nie hatte er aus irgendeiner Abneigung in dieser Hinsicht einen Hehl gemacht. Man mochte sich fragen, was gewesen wäre, hätte er die vorangegangene Szene mitverfolgt. Nun allerdings wandte er seinen Blick wieder von Akari zu Madoka, welche sich in ihrem Bett befand und sichtlich das Geschehene verarbeiten musste. “Und ich treffe immer eine gute Wahl,...“ Setsuna biss sich auf die Zunge und schluckte den letzten Satz hinunter, der seiner Ansicht einfach nicht für einen erfüllten Raum geschaffen war. Er runzelte die Stirn, als er wunschgemäß das Tablett auf dem Tisch abstellte und sah dann zwischen beiden Frauen hin und her. Eigentlich war er nicht davon überzeugt, dass es gut war, wenn Akari bereits jetzt hinausgeschickt wurde, aber er glaubte zu erkennen, dass Madoka sich nun lieber nicht untersuchen lassen wollte.
Mit ein paar Schritten lehnte er bereits an der Fensterbank, verschränkte die Arme vor der Brust und legte den Kopf schief. Nachdenklich. Die Situation vor sich betrachtend. Ein niedergeschlagener Vater, der kein Vater war und des Zimmers verwiesen wurde. Eine Iryônin, die Madoka in dieser kurzen Zeit mit Sicherheit noch nicht richtig hatte untersuchen können und welche ebenfalls weggeschickt wurde – in einem höflicheren Ton. Und er, der bleiben durfte. Setsuna hielt zwar viel auf sich, doch sah er sich nicht als eine gute Gesellschaft an – zumindest nicht, wenn die Schilfhaarige sich im Bett befand und sie sich eher stumm gestritten als unterhalten hatten, bevor sie in das Koma gefallen war. Dennoch schlich sich sein leises Lächeln in seine Mundwinkel, welches er jedoch in einem Räuspern verbarg. Vor einem halben Jahr hätte er es vielleicht noch nicht getan und es tat ihm gut, dass diverse Personen sich seiner angenommen hatten – auch, wenn die mehr oder weniger wichtigste eher eine seltene Rolle in jenen Monaten eingenommen hatte. “Madoka.“ Er bemühte sich um einen gut gemeintem Unterton, was ihm sogar fast ungezwungen gelang. “Ich weiß, du bist müde und der Tag war für dich höchstwahrscheinlich eher ein...“ Ein Vergleich wurde gesucht und gefunden. “... Mienenfeld, als eine Blumenwiese, aber du musst etwas essen.“ Mit dem Zeigefinger deutete er auf die Speisen. Krankenhäusern wurde oft nachgesagt, dass es dort scheußliches Essen gab und dafür, dass es nicht so war, wollte der Jôcho lieber nicht seine Hand ins Feuer legen. Aber sie musste etwas essen. Lang genug hatte ihr Körper geruht, brauchte nun langsam wieder Bewegung in kleinen Schritten und vor allem Nährstoffe. Energie. Er brauchte Arbeit und der beste Anfang hierfür, war eine gute Portion kräftiger Suppe. Im Notfall würde er sich ja sogar zähneknirschend bereiterklären, ihr Löffel für Löffel in den Mund zu führen und dafür Sorge zu tragen, dass sie aß.
Ein paar Sekunden vergingen, in welchen er erwog, sich einen Ruck zu geben und es schließlich auch tat, wonach er sich auf auf die Bettkante setzte und die Hände auf seinem Schoß locker ineinander verschränkte – jedenfalls sah es für andere locker aus. In Wirklichkeit hätte er sich fast auf die Lippen gebissen, doch er unterdrückte das Verlangen wieder aufzustehen. Stattdessen sah er sie eindringlich an, damit sie ihm auch wirklich zuhörte. “Nicht versuchen. Du musst essen. Es wäre nämlich wirklich eine Schande, wenn sich der Sinn und Zweck aller hier befindlichen Iryônin wieder in einen Schlaf verwandeln und davondösen würde.“ Zugegeben, zum Ende hin wurde er wieder typisch monoton, doch wenigstens hatte er am Anfang einmal im leisesten Sinne einfühlsam geklungen. Brüsk wandte er jedoch den Blick wieder von Madoka ab und sah zu Akari. “Ich werde einen Arzt rufen, sobald etwas nicht in Ordnung ist, wenn sie sich darum sorgen.“ Sie hatte sie immer noch nicht untersucht, ging ihm erneut auf. Also ließ er das Ziel seiner Augen von einem Zimmerpunkt zum nächsten schweifen und überlegte weshalb. Hatte Madoka sich geweigert? War ihr Möchtegern-Vater dazwischen gekommen? Setsuna wusste es nicht und kaum merklich verkrampften sich die ineinander gehakten Finger. Er selbst nahm es kaum war, für ihn war es fast schon ein wenig selbstverständlich geworden.
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Fudo Akari
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BeitragThema: Re: Krankenhaus II   Di Jul 01, 2014 8:45 pm

Was passierte gerade? Sortierte Madoka lediglich alle Autoritätspersonen aus oder hatte sie wirklich mit ihrem eigenen Vater soweit abgeschlossen, dass sie diesen, wie einen Fremden der ihr ungewollt zunahe kam, hinausweisen konnte und demzufolge gleich noch Akari hinausschickte, welche ebenfalls ein wenig gebohrt hatte? Sollte es sich um eine Abwehrreaktion, einen emotionalen Schutz handeln, musste Akari dies zulassen. Hier stand immerhin die körperliche Heilung im Fordergrund – es gab andere Situationen in denen sie sich nicht hinaus bitten lassen sollte, doch diese gehörte nicht dazu. Das Krankenhaus besaß genügend aktive Ärzte und Pflegepersonal und vermutlich brauchte Madoka wirklich einen Moment Ruhe und sei es nur um das Geschehene zu verarbeiten. Setsuna schien den Vater ihrer Patientin ebenfalls zu kennen, ob sie sich darüber unterhalten würden? Zumindest hoffte Akari nicht das Madoka sich über das Zugeständnis ihres Vaters ausschwiege, nicht gegenüber eines offensichtlichen Freundes und obgleich Setsuna selbst nicht viel von Familie und Freundschaft zu halten schien, so schien dies alles innerhalb dieses Zimmers doch ein wenig andres zu sein. Es gab eine gute und wichtige Beziehung zwischen den Gleichaltrigen und diese sollten sie durchaus festigen dürfen und vielleicht würden Beide dadurch ein wenig Vertrauen erlernen. Kein blindes Vertrauen, wie Kinder es in ihre Eltern legten, doch ein Vertrauen das auf Freundschaft und Zuneigung basierte, ob sie dies lernen könnten?
Akari entfernte sich ein kleines Stück vom Bett, auf welchem Madoka inzwischen lag und an welchem Setsuna inzwischen saß. “Ich kann verstehen, wenn du ein wenig Ruhe und Freunde um dich brauchst. Ich werde das Besprochene in die Wege leiten und ein paar Daten aktualisieren. Das Thema deiner Verlegung auf Normalstation und die, durch meine Abwesenheit verschobene, Untersuchung wird bei der nächsten Visite nachgeholt, wobei ich nicht versprechen kann anwesend zu sein, da ich eine Schicht übernommen habe und somit wohl beschäftigt sein werde, aber ich wünsche dir auf jeden Fall eine schnelle Genesung.“ Sie schenkte Madoka noch mal ein aufmunterndes Lächeln, doch Akari wusste inzwischen, dass sie dafür wohl die falsche Person war, also wandte sie sich einfach an die nächste Person im Raum. “Setsuna, ich glaube ich habe noch etwas für dich.“ Dann begann sie einen Moment in ihren doch recht weiten Kitteltaschen zu wühlen, irgendwo musste sie doch noch Besucherausweise habe – was dazu führte das sie im Raum stand und in ihren Taschen wühlte. Schließlich fand sie doch noch das gesuchte Objekt und legte es in Setsuna’s Blickfeld auf den Tisch. “Damit du beim nächsten Mal nicht auf die Besuchszeiten angewiesen bist und für meine Absicherung dich hier ohne Beaufsichtigung zurückzulassen.“ Dann ging sie zur Tür. “Ich wünsche euch noch einen schönen Tag,“ woraufhin sie Selbige öffnete und die Welt eines Patientenzimmers gegen die Weiten einer Station eintauschte, doch zunächst schaute sie noch im Arztzimmer vorbei und machte ein paar Akteneinträge, tätigte ein Telefonat mit der Leitung für Infektionskrankheiten und klärte das zuständige Team über den emotionalen Zustand von Madoka auf.
Dann ging ihr Pieper los und entließ sie in das aufregende Leben der Akutmedizin, am Ende ihrer Schicht konnte sie dann ein Krankenhaus gegen Konoha einwechseln.

tbc: Friedhof von Konoha

out:
@ Madoka ^^ danke für die Gelegenheit, hab sie gleich wahrgenommen
Wünsche euch noch ein schönes Play.


Zuletzt von Akari am Sa Jul 12, 2014 10:34 am bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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BeitragThema: Re: Krankenhaus II   Di Jul 01, 2014 9:25 pm

Akari kam tatsächlich der Bitte nach und bohrte nicht weiter nach sensiblen Informationen, die Madoka in dieser Lage aufregen könnten. Eventuell war es ein ärztliches Risiko, vielleicht auch einfach Mitgefühl. Sie konnte es nicht so wirklich sagen, doch dachte sie nun auch sicherlich über etwas anderes als über die Beweggründe einer ihr kaum bekannten Iryônin. Selbst wenn sie das Lächeln dieser bemerkte, bevor sie entschwand. Sie erwiderte es nicht, doch nahm es irgendwie behütet bei sich auf. Es zeigte ein Stück weit die Menschlichkeit, die sie bei anderen nicht zu finden glaubte. Setsuna wiederum hatte sich an ihr Bett gesetzt, was wirklich wie eine wundersame Tat erschien. Die 18-Jährige konnte sich kaum daran erinnern, dass er von sich aus irgendwann einmal in ihre Nähe gekommen war. Entweder hatte sie ihn mit Gewalt zu sich bewegt oder es waren belanglose Bewegungen, die nicht vermuten ließen, dass sie eine größere Bedeutung beinhalteten. Nun beteuerte er, dass sie essen müsse. An sich war ihr klar, wenn sie zwei Wochen komatös gewesen war, dass ihr Körper an gesunder Masse verloren hatte, doch nun hatte sie das schwarze Loch in ihrem Bauch fürs Erste vergessen, da sich dort etwas anderes festgrub. Das Gefühl von zerstörtem Vertrauen und Einsamkeit.
Sie verstand einfach nicht, warum das alles so gekommen war. Warum sie Setsuna mehr oder minder in den Weiten der Ungewissen verloren hatte, warum sie ihr Leben vor sich hin lebte ohne sich um sich selbst zu kümmern, ihr Vater nun alles zerstörte, was sie sich vielleicht wenigstens materiell aufgebaut hatte. Ihre Mutter hätte so etwas nie zugelassen. Doch sie hatte sich bei dem, was eigentlich ein Geschenk sein sollte, ein Bakterium eingefangen, das sie in ihrer Schwangerschaft das Leben gekostet hatte. Später fast das ihrer Tochter. Und Manami ahnte nicht, was eigentlich die Tatsachen waren. Sie war ein unschuldiges Kind kurz vor dem Alter einer Akademistin. Wie sollte das weitergehen? Wem konnte Madoka denn überhaupt noch irgendwas anvertrauen? Die Ärzte waren zwar an ihrer Gesundheit interessiert, doch sie hatte momentan überhaupt kein Interesse daran, dass irgendwas sich besserte oder sie sich auf ihre Zukunft konzentrierte.
Madoka lag wieder gänzlich im Bett mit dem Kopf im Kissen, während sie merkte, dass die Dämme nun brachen. Wo zuvor die Stimme gezittert hatte, hatte sie nun einen schrecklichen dicken Kloß im Hals, der ihre Atmung beeinflusste. Der Verband um ihren entblößten Oberkörper engte sie zudem ein und sie schnappte deswegen kurz nach Luft. Danach kniff sie die Augen zusammen und verzog das Gesicht vor lauter negativen Gefühlen. Ob Setsuna nun irgendwas damit anfangen konnte, war ihr gleich. Er schien aber dafür die einzige Partei zu sein, die ihr Leben bisher nicht derartig zerstört und zusammengetreten hatte. Selbst wenn die Lage zwischen ihnen und ihrem Verhältnis es eigentlich nicht besserte. "Ich hab niemanden mehr", presste sie verzweifelt zwischen den Lippen hervor, drehte den Kopf von Setsuna weg und merkte, dass die Tränen bereits in den Augenwinkeln standen. So wie ihr Antlitz lag, flossen die einen Tränen direkt ins Kissen, die andere schräg übers Gesicht über den Nasenrücken. Auch wenn das ihre Gesundheit nicht förderte, so verlor sie sich doch gerade in ihren Gefühlen. "Kâ-san hatte dasselbe wie ich, Tô-san ist an allem schuld, für Manami bin ich eine schreckliche Schwester ..." Die Aufzählung hätte sie noch weiter fortführen können, wenn sie sich nicht bei jedem Kose- und Namen das Gesicht der Personen hätte vorstellen müssen. Madoka schluchzte ehe sie jäh dadurch unterbrochen wurde, dass ein scharfer Schmerz durch ihre Brust wanderte. Mit einem Schmerzenslaut umarmte sie sich krampfhaft selbst, setzte sich dann auf und bemühte sich um eine ruhigere Atmung, doch fühlte sich einfach als säße sie in einem Eimer voller Dreck, während man von oben weiter genüsslich nachkippte. Wie in einem Teich voller Treibsand. "Er ... hat mir gerade erzählt, was er mir so lange verschwiegen hat. Warum meine Mutter damals erkrankte. Und dass er dann so verzweifelt war, dass er mich nicht gewarnt hat. Also bin ich auch krank geworden. Warum ist niemand für mich da, wenn ich es mir wünsche?"
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BeitragThema: Re: Krankenhaus II   Di Jul 01, 2014 10:08 pm

Akari machte sich auf den Weg zur Tür und Setsuna konnte sich mittlerweile denken, weshalb sie Madoka nicht mehr untersuchen, beziehungsweise es ein andermal nachholen wollte. Nur extreme Umstände trugen einer möglicherweise fatalen medizinischen Entscheidung genug Recht an, um sie vor anderen rechtfertigen zu können. Der Besuch ihres Vaters hatte die junge Frau im Bett direkt neben ihm sichtlich mitgenommen, aber Setsuna würde es wohl nicht verstehen, wenn man ihm angeschlagene Psychen erklären würde. Er sah eher eine Vernachlässigung einer Pflicht darin, wenn man jemanden nicht untersuchte, der soeben erst aus dem Koma erwacht war. Andererseits würde sich Madoka vielleicht gar zu sehr gegen eine Untersuchung sträuben und sich dadurch noch mehr verletzen. Umso merkwürdiger war es jedoch, dass er sich noch in diesem Zimmer befinden durfte und nicht herausgeschickt wurde. Dankend hatte er Akari zugenickt, spähte nun zu dem auf dem Tisch befindlichen Ausweis. Zu jeder Zeit ein Besuch. Das war es, was ihm damit ermöglicht wurde und gleichzeitig hatte die Iryônin auch ihren Kopf mit der Erteilung dieser Erlaubnis aus der Schlinge gezogen. Setsuna legte den Kopf zur Seite, als er darüber nachdachte und befand, dass er es dennoch lieber gesehen hätte, Madoka wäre sofort untersucht worden. Doch aus diesem Grund sah er genauso schnell wieder zu eben dieser, denn er wollte nicht das kleinste Zeichen dafür missen, wenn es ihr schlechter ging. Irgendwie war dieser Gedanke, dass er es vor diesen Tagen im Krankenhaus hätte merken können, immer noch in seinem Hinterkopf verankert.
Die Tür hatte sich schon längst geschlossen und der Brillenträger sah mit in Falten gelegter Stirn, wie Madoka mit sich kämpfte. Wie sie litt und litt und litt und er nicht wusste, was genau sie an der Situation so fertig machte. Setsuna konnte es nicht nachempfinden, wenn ihr Vater schrecklich zu ihr gewesen war. Höchstens aus Kindertagen, wenn er es auf andere Mitglieder seiner „Familie“ übertrug – aber er glaubte kaum, dass diese Erfahrungen an die Madokas heranreichten. Außerdem wusste er, dass er sich nie wirklich in andere hatte hineinversetzen konnte. In eine Rolle aus einem Buch mit Sicherheit, um auf Missionen und dergleichen etwas vorzuspielen. Aber jetzt? Im richtigen Leben, wenn es einer Freundin schlecht ging, als was sie beide gegenseitig von Akari bezeichnet worden waren... Ihre Stimme war nicht mehr als eine Art letztes Aufbäumen vor den Tränen, die ohnehin fließen würden. Setsuna konnte sich nicht erinnern, wann er Madoka das letzte Mal hatte weinen sehen... Oder doch, er konnte es. Nur wollte er es nicht. Die nächsten Worte stammelte die Schilhaarige, nur hörte der Jôcho sie nur halb. Weshalb? Der Schmerz, der durch ihren Oberkörper gefahren war. Der sich auf ihrem Gesicht gezeigt hatte. Ein Gesicht mit Tränen. Gehörend zu einem aufgerichteten Körper, den ein jeder andere nun mit seinen Augen abgetastet hätte. Doch Setsuna spürte selbst den Kloß in seinem Hals und was es ihn kostete, an Ort und Stelle sitzen zu bleiben, sich auf den Punkt zwischen ihren Augen zu konzentrieren – und auf nichts anderes. Nein, halt. Er musste sich auf etwas anderes konzentrieren, denn diese Haltung tat ihr nicht gut. Diese Gesinnung tat ihr nicht gut. Sie musste sich beruhigen. Dabei war ihm selbst nicht danach zu Mute. Was hatte sie gesagt? Ihr Mutter hatte dasselbe wie sie. Ihre Mutter war tot. Ihr Vater war schuld und ihre kleine Schwester bei ihm. Nein, sie war eine schreckliche Schwester, aber unweigerlich musste Setsuna Manami aus einem ganz anderen Grund bemitleiden. Denn es war nicht gut einen solchen Vater zu haben. Väter hatten die gesellschaftliche Rolle des Schutzes. Vor allem bei Töchtern. Nur dieses Möchtegern-Prachtexemplar eines solchen würde seine Kinder in der Hölle begraben. Fast hatte er es bei Madoka geschafft.
“Du hast noch jemanden und das weißt du“, sprach er leise und drückte sie so sanft es für seine Verhältnisse ging zurück auf die Decke. Berührte sie so wenig dabei, wie er nur konnte – nur schützte ihn das nicht zu vor, im nächsten Moment angestrengt die Augen zu schließen, als ob er Kopfschmerzen oder Zahnschmerzen hätte. Sein Gesicht verzerrte sich. “Er hat was?“ War es eine Frage oder schon ein Keifen? Der Dunkelhaarige spürte diese Wut in sich, die ihn nur selten, wenn überhaupt überkam. Und weil sie so selten war, wusste er nie, wohin damit und umso überraschender war es, dass sie so zäh war. Wie heißer Wachs, der erstarrte. Aber blieb. Nein, er musste ruhig bleiben. Es versuchen. Weil sie dachte, dass niemand für sie da war, wenn sie es sich denn wünschte – und das kannte er: Er kannte es, wenn niemand für einen da war. “Du... ich weiß nicht, wie genau die Umstände waren... Ich kann dir nicht einmal raten, weil ich in dieser Hinsicht ein hoffnungsloser Fall bin, wie du mit Sicherheit schon weißt – dennoch schön, dass du immer noch versuchst, aus mir einen Menschen zu machen.“ Die Ironie konnte er sich nicht verkneifen – generell nie, wobei der Sarkasmus dann eher mit der Ironie den Platz tauschte. Meistens. Wenn er nun aber wollte, konnte er ein offenes Ohr haben. Auch, wenn sich seine Arme wieder von ihr entfernt hatten, er saß immer noch da. Und das war für ihn selbst schon ein großer Fortschritt. “Zähle bis zehn bevor du irgendetwas sagst. Atme einfach nur.“ Er erinnerte sich, dass sie diesen Rat bei ihrem Zusammenbruch nicht befolgt hatte. Das machte es nicht besser und er blickte zum ersten Mal bewusst besorgt auf ihren Oberkörper, der nur von den Bandagen umhüllt war. Fast abwesend legte er die Decke über sie. “Nun... ich kann versuchen, da zu sein. Ich habe keine Ahnung, wie man so etwas richtig macht, ohne auf verlorenem Posten zu stehen, aber... Wenn ich dich analysieren müsste, würde ich sagen, du bräuchtest dringend eine Stütze. Also? Sprich dich aus – aber langsam, sonst darf ich mir noch endlose Predigten von unterqualifizierten Zungen anhören, die lieber an einer Banane lutschen und essen, als überlegend auf einem Stiftende zu kauen.“ Gegen Ende war seine Stimme wieder schneidender und für seine Verhältnisse normaler geworden. Auch hatte er missbilligend zur Seite geblickt, sah nun allerdings wieder Madoka an.
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BeitragThema: Re: Krankenhaus II   Di Jul 01, 2014 10:46 pm

Es dauerte einen Augenblick, bis Madoka sich wieder auf die Worte konzentrieren konnte, die ihr entgegen gebracht wurden. Mit einer Geste, die sie aus dem Augenwinkel wahrnahm, weil sie erst noch schwer Luft bekam, drückte Setsuna sie wieder ins Bett, wo ihr Kopf wieder vom Kissen empfangen wurde. Sogleich merkte sie, dass es ihre empfindliche Lunge erleichterte, wenn der Rücken auflag und nicht aufrecht durch die Schwerkraft nach unten gezogen wurde. Mehr Fläche stabilisierte. Ihr Blick glitt dabei zitternd in Setsunas Richtung. Sowohl Konzentration als auch Atmung war nun ein Wackelspiel. Dann sollte sie zählen. Nachdem sie ihn mit halb geschlossenen Augen beobachtet hatte, tat sie dies auch. Sie schloss die Lippen, ebenso die Augen und versuchte sich mit jedem Atemzug auf die weitere Zahl zu konzentrieren, die zu einer kleinen Besserung führen sollte. Ichi, Nii, San, Yon ... Als sie bei Juu angekommen war, öffnete sie die Lider wieder.
Erst haftete der Blick an der Decke. Steriles Weiß, während die Umgebung stumm war. Setsuna hatte fertig gesprochen und Madoka sich beruhigt. Doch sie dachte weder an das Essen auf dem Tisch noch an irgendwas anderes, was ihrer Gesundheit helfen konnte. Sie würden sicher ohnehin die nächste Zeit nichts Gutes tun können. Für ihre Verhältnisse. Wenn sie leben wollte, musste sie auf den Alkohol verzichten. Sie konnte nicht trainieren, um sich zu stärken. Sie konnte jetzt ja nicht einmal gehen, weil sie erst noch verlegt werden musste.
Nun sah sie aber wieder zu dem Schwarzhaarigen an ihrem Bett, der auch den Blick auf sie gerichtet hatte. Für einen Moment blieb das so. Madoka sah durch die Brillengläser hindurch in diese meist unbewegten Augen, die nur in Extremsituationen Emotionen zuließen. Auch nun wirkte er beherrscht. Vielleicht ratlos und etwas resigniert, doch nicht so aufgelöst wie sie. Während sie ausgelaugt war und ihre grünen Haare angefeuchtet von den Tränen in ihrem Gesicht klebten. Als hätte sie gerade um ihr Leben gebangt, nur hauchzart gewonnen. Dennoch entschloss der Jôcho sich irgendwie für Madoka da zu sein. Er gab zu, dass er keine Ahnung hatte wie, doch erkannte wohl die Notwendigkeit der Situation. Aussprechen. Konnte sie das so einfach? Ohne sich wieder aufzuregen oder gar Dinge anzusprechen, die sie und ihn unmittelbar betrafen? Dann brachte sie ihn in Bedrängnis. Das war aussichtslos.
So wendete sie ihren Blick wieder von ihm ab Richtung Decke, schluckte und seufzte schwer. Ihre Stimme kam kratzig aus ihrem Hals, leise und gebrochen. Was mit ihrem Geist wohl auf ähnliche Weise geschehen war. "Wenn ich mich analysieren müsste, hätte eine Aussprache keinen Sinn. Meine Eltern haben mich im Stich gelassen, ich habe den Rest meiner Familie ebenso hängen lassen und ... wir hatten uns bis zu meinem Koma auch nichts mehr zu sagen." Es war schwer sich das einzugestehen, doch irgendwann musste es ja erwähnt werden. Und wenn sich so eine sensible Situation schon bot, wann sollte es sonst aufkommen? Bei einem Nachmittag im Park? Beim Einkaufen? Bei Madokas Rehabilitation? Nein, das wären alles noch falschere Zeiten und Orte als das jetzt Gegebene. "Ich stehe am Abgrund, Setsuna. Oder liege vielmehr." Ein Fünkchen staubtrockener Sarkasmus. Billiger Humor, um die Verzweiflung zu kaschieren. "Ich habe keine Kraft mehr. Und auch nicht den Willen noch irgendwas zu tun. Es mag Leute geben, die sich gerade um mich sorgen, aber das spielt keinerlei Rolle. Ich habe soeben auch noch meinen Vater verloren und du ... kannst tun und lassen, was du willst. Alle meine Bemühungen um dich waren sinnlos." Um ihn jetzt nicht ansehen zu müssen, zog Madoka ihren Arm, in dem lauter Schläuche hingen, über ihr Gesicht und bedeckte ihre Augen, die sich soeben wieder vor Traurigkeit zusammenzogen. Für sie lag sie in einem Scherbenhaufen, wo sie sich bei jedem Schritt nur noch schneiden konnte. Alles würde bluten. Es gab nur die Scherben und keine glatten Ebenen, auf denen man doch noch laufen konnte. "Ich hätte Kâ-san folgen sollen." Einen Satz, den sie Setsuna schon einmal gesagt hatte. Mehr oder weniger. Als sie ihn mit der Öffnung seines Geschenkes konfrontiert hatte, sich in ihrer Rage vor ihm in ihrer Wohnung betrank und dann zusammenbrach und murmelte, dass sie nie hätte geboren werden sollen.
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BeitragThema: Re: Krankenhaus II   Di Jul 01, 2014 11:26 pm

Sie schloss die Augen, schloss den Mund. Und zählte. Zählte jene zehn Sekunden ab, welche er ihr angeraten hatte. Die blauen Augen wandten sich von dem zerbrechlich wirkenden Wesen im Kissen und unter der Decke ab, erblickten den Tag vor diesen Fenstern. Für man einen war dieses Gebäude ein Gefängnis – warum auch nicht, verbrachte man doch hier einen Großteil seiner Shinobikarriere und war ans Bett gefesselt. Doch andere fanden in diesen vier Wänden so etwas wie Vergebung und Einsicht. Ob das für ihn auch galt, konnte er nicht wirklich ergründen. Zumindest jetzt noch nicht. Einerseits war er nämlich froh, dass Madoka noch auf ihn hören konnte und auch sonst noch ganz sie selbst war – einfach wieder hier war. Andererseits musste er ihr aber dann auch erneut sein Profil zukehren, da er zwar jene Worte von sich gegeben hatte, aber nicht wusste, wie es weiter ging. Wie er reagieren würde, würde sie ihm erzählen, was vorgefallen war.
Immer, so lange er denken konnte, hatte er sich beherrscht, war nie der laute Junge gewesen, der hier und dort für Unruhe sorgte. Er war keiner dieser Vollidioten, die mit ihren Geschlechtsteilen dachten, anstatt mit dem dafür vorgesehenen Teil ihres Körpers. Umso schlimmer war es, wenn man in sich etwas hatte, was genau das tun würde. Was so dunkel war, dass die Dunkelheit selbst manchmal wie die Sonne wirkte. Setsuna verbarrikadierte sich in der Hinsicht nicht in diesen Gedanken, doch er kam auch nicht davon los. Wie aber mit der Wut umgehen? Sie hinunterschlucken? Er war nicht dumm. Er wusste, er würde Madokas Vater üblere Dinge denn je an den Kopf werfen, würde er sich noch vor ihm befinden. Oder noch schlimmeres tun, von dem er wusste, dass es nicht nur verbal sein würde. Sondern auch körperlich. Der Dunkelhaarige ballte die Fäuste in seinem Schoß und zählte die letzten Sekunden für sich selbst mit, ehe er seinen Kopf wieder in Madokas Richtung drehte.
Fast musste er verächtlich schnauben, als sie davon begann, dass sie sich selbst analysieren müsste, doch unterdrückte er diesen Drang im letzten Moment. Stattdessen schien er geduldig ihren Worten zu lauschen, ließ sich jedoch wie eh und je nichts anmerken. Ihn beschlich die grausige Gewissheit, dass sie diese Unterhaltung schon einmal ein paar Monate zuvor geführt hatte und sie hatte darin gemündet, dass sie mehr oder minder die letzten Wochen vor ihrem Zusammenbruch unterschiedliche Wege im Dorf eingeschlagen hatten. Nicht bewusst, aber dennoch... Madoka brachte es auch sogleich wieder zu Sprache und Setsuna ertappte sich dabei, wie er sofort den Blick abwandte. Irgendein anderes Ziel im Raum suchte und schließlich nach draußen auf eine der Wolken im Himmel blickte, die man ganz gut erkennen konnte. Auch sie würde vorüber ziehen. Vielleicht musste er Madoka nicht so lange ansehen. Er wollte sich nicht erklären, was dieser Anblick ihm bescherte. Ihre Worte reichten vollkommen aus. Reichten, dass ihm bewusst wurde, dass sich offenbar rein gar nichts in diesen zwei Wochen geändert hatte. Dass sie immer noch so weit voneinander standen wie eh und je. Dass sie dieses kleine Stück, dass ihre Freundschaft als Kleber zusammengehalten hatte, immer noch nicht wieder entdeckt hatten. Dass sie taumelten, zwar noch nicht gefallen waren, aber dafür auch nicht richtig standen. Er seufzte, wollte etwas erwidern, doch biss sich gerade noch rechtzeitig auf die Lippen, um sie weiter reden zu lassen. Und es waren diese Worte, die ihn zusammenzucken ließen. Sichtlich. Die ihn die Augen weiten ließen. Die Wolke war vergessen. Fast zu langsam wandte er den Kopf in die Richtung, in welcher Madokas Stimme lag. Langsam. Bis er schließlich ihr Antlitz sah, das sie versteckte. Ob sie ihn hatte zusammenzucken sehen? Er spürte, dass es ihr schlecht ging. Aber ihm ging es just in diesem Moment vom körperlichen abgesehen auch nicht viel besser. Keine Kraft hatte sie gesagt. Keinen Willen. Es interessierte sie nicht, wer sich um sie sorgte. Ihre Bemühungen waren sinnlos. Hieß das, ihre Freundschaft wäre sinnlos? Es fühlte sich ekelhaft an, wie sich Gedanken gleich einem Schwert in eine Brust bohren konnten. Man dachte, es wäre schnell vorbei, doch dann drehte man das Schwert. Man drehte und drehte, bis der Schmerz unerträglich wurde und genau so fühlte sich ihr letzter Satz an. Sie hätte ihm genauso gut eine Ohrfeige verpassen können. Aber vermutlich wäre er dann auch weiterhin so reglos sitzen geblieben. “Ich sehe nur einen rund einen Meter hohen Abgrund...“ Eine fadenscheinige, schwache Antwort, doch in den ersten Sekunden, in der ersten Minute, fiel ihm einfach nichts anderes ein. Er hatte keine Ahnung. Sie lag am Abgrund und ließ niemanden an sich heran und auch nicht ihn, weil es sinnlos war. War es das? Er hatte es nicht vergessen, so viel stand fest. Und vermutlich würde er ihr in diesem Moment wieder die gleiche Antwort geben. Dabei sah sie ihn nicht einmal an. Es kränkte und verletzte ihn. Das war wohl auch sinnlos, denn Setsuna verstand, dass Madoka wohl nicht erwartete, dass... Es war vollkommen gleich. Er hatte ja immer selbst gesagt, dass Menschen sich nicht änderten. “Richtig, wir hatten uns nichts zu sagen.“ Eigentlich wollte er nicht, dass es so scharf klang, doch er konnte es zumindest dieses Mal nicht ändern. “Ich weiß wohl wirklich am wenigsten wie es ist, einen Vater zu verlieren – allerdings kann ich dir aus meinen Erfahrungen im Vergleich mit den deinen sagen, dass du nie einen gehabt hast. Du hast ihn geliebt, weil du mit ihm auf eine bequeme Art und Weise leiden konntest. Das war kein Vaterdienst, den er an dir getan hat. Das war Verrat und das weißt du genau. Ich habe dich damals nach Hause getragen, als du dich ins Koma gesoffen hast. Ich habe dich hier her getragen, als du zusammengebrochen bist. Denke dieses Mal bitte vorher nach, was du tust, denn ich weiß nicht, ob ich dich tragen sollte, wenn es sinnlos ist.“ Tief atmete er durch und erhob sich. Nein, er würde nicht gehen – ein solches Arschloch war er trotz allem noch nicht geworden. Und er fragte sich wieso. Was dagegen sprach und was ihn hier hielt. Es machte ihn wahnsinnig, diese Situation. “Es ist feige anderen folgen zu wollen. Mach endlich die Augen auf und dein eigenes Ding. Was interessiert dich deine Familie, wenn sie dich so behandelt?“ Er verstand es nicht, wie sie so an ihnen hängen konnte und doch zwang er sich zur Mäßigung, ließ seine Stimme in den nächsten Sätzen merklich ruhiger werden, wonach er sich wieder mit dem Rücken ans Fenster lehnte und auf den Boden blickte. “Ich tue nie, was ich möchte, sondern das, was mir am besten erscheint. Es ist ein Teil von mir geworden und ich träume mir vor, dass es das ist, was ich mittlerweile bin und möchte.“ Warum war er auf einmal so offen? Lag es daran, dass sie gerade noch gesagt hätte, sie hatte selbst keinen Mut? Befand er es als logisch diese Schwelle zu überschreiten, damit sie wusste, sie war nicht alleine? Oder wollte er sich nach all den bangen Tagen jemandem mitteilen, weil die letzten Wochen sogar für seine bescheidenen familiären Verhältnisse auf Grund eben jener Familie teilweise die Hölle gewesen waren? Er schüttelte den Kopf und wurde wieder ernst. “Es ist dein Recht diese Bemühungen für sinnlos zu halten, ich habe dich jedoch nie um diese Bemühungen gebeten.“ In der kurzen kleinen Pause, die folgte, sah er gedankenverloren und desinteressiert an seiner nahen Umgebung einfach nach draußen. “Ich habe endlose Stunden nachgedacht, während ich mich fragte, welche Blumen dir diese inkompetente Krankenschwester ans Bett stellen soll. Aber natürlich hat sie dir nichts gesagt, denn du hättest es ohnehin nicht geglaubt. Wir hatten uns ja nichts zu sagen gehabt.“ Er wollte nicht anklagend klingen, doch verhindern konnte er es nicht. “Tu mir eine Gefallen und iss. Du zergehst sonst in diesem Bett zu Haut und Knochen.“ Ob Madoka auf den Gedanken kam, dass er so sauer auf sie gewesen war und schien, weil ihm wirklich etwas an ihr lag? Oder hatte sie die Freundschaft wirklich schon begraben?
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BeitragThema: Re: Krankenhaus II   Mi Jul 02, 2014 1:07 am

Was kam, hatte Madoka so nicht erwartet. Es sich auch nur ausgemalt. Sie konnte wohl gerade so froh sein, dass sie ihren Arm auf dem Gesicht hatte und Setsuna nicht in die Augen sehen musste. Andererseits - was wollte sie erwarten? Dass ausgerechnet dieser eigenbrötlerische Einstein sie nun entgegen ihrer schmerzhaften Worte umarmte und verneinte, was sie glaubte? Das konnte sie von einer Mutter erwarten, einem fürsorglichen Vater mit Gewissen, einer Familie - doch nicht von Setsuna. Es entsprach ihm nicht, aber die Situation gab es gleichzeitig auch nicht anders her. Vielleicht sollte sie sich fragen, wo ihre Seele überhaupt Zuhause war. Wo man sie willkommen hieß, wo man sie kannte und sie sich nicht scheuen musste zu sein, wie sie war. Ungefragte Liebe, gesehene Träume und eine Art Lebensglück. Heimat, die nicht in Scherben lag. Bei ihrem Vater hatte sie das nicht. Ihre Eltern waren zerrissen. Ihre Tante ebenso, auch wenn sie für alle stark sein musste. Sie war die Säule, die das Gerüst nicht zusammenbrechen ließ. Während Madoka gegen sie getreten hatte. In diesem Moment. Selbst wenn es eigentlich Setsuna schmerzte. Was sie aber nicht sah.
Viel größer war in ihrem Fokus die eigene Misere, die sie nicht losließ. Sie war schon fast süchtig nach Pessimismus und Mitleid wie nach ihrem Alkohol. Ein bisschen Sake, ein bisschen Resignation. Weinen, saufen. Dahin siechen. Dann sprach der Jôcho an, was vor einigen Jahren geschehen war. Wie Madoka es bis ins Koma geschafft hatte. Er hatte sie damals zurückgetragen. Es war ihr erzählt worden. Auch wenn sie sich nicht erinnern konnte. Wie auch? Sie war so zugedröhnt gewesen von den Trinkspielen, dass sie nur noch in der Ecke des Lagerhauses genuschelt und mit den Augen geflackert hatte. Dass aber nun quasi dasselbe nochmal passiert war - dass Setsuna sie zur ihrem eigenen Wohl zu einer Hilfestation gebracht hatte - zeugte doch nur von Armut. Er musste sie immer dorthin schleppen. Weil sie unvorsichtig und ohne Perspektive war. So gehandelt hatte.
Schließlich ließ sie aber den Arm höher rutschen, auf die Stirn, sodass sie darunter hervor gucken konnte, als Setsuna ihr sagte, ihr Gedanke und was dahinter stand, seien feige. Feige, wenn sie dem Leben den Rücken kehren wollte? Es erschien ihr einfach besser, wenn sie nicht gegen aussichtslose Verzweiflung anarbeitete, sondern sich in die Lösung fallen ließ, dass einfach alles vorbei sein könnte. Weil sie keine Ahnung hatte, wo sie noch einen Quell des Mutes sehen sollte. Alles um sie herum war doch zerbrochen. Sie war zerbrochen. Was dann aber trotz dieses Selbstmitleides schmerzte, war Setsunas Aussage, dass er sie nie um die Bemühungen gebeten hatte, die sie sich gemacht hatte. Dabei nahm sie ihren Arm nun vom Gesicht, stützte sich mit den Ellbogen ins Bett, um sich ein wenig aufzusetzen und sah ihn enttäuscht an. Von den Tränen von gerade war kaum noch etwas zu sehen, dennoch zog ihr Herz sich zusammen. Sie wusste nicht einmal, was sie darüber denken sollte. Geschweige denn sagen. Hätte ich dich ... seit den Chuunin-Examen wirklich ganz in Ruhe lassen sollen? Hätte ich meine Bemühungen schon unter der Eiche auf dem Pausenhof einstellen sollen? Sie erinnerte sich kurz daran. Das erste Treffen, wo es ihr wieder schlecht ergangen war. Da hatte sie ihn um simple Hilfe gebeten und zunächst noch wie alle anderen behandelt, ehe sie ihm dann doch geholfen hatte und an ihm kleben geblieben war. Aber sie waren beide keine 8 Jahre mehr alt. Seitdem waren ganze zehn Jahre vergangen. Sie standen an den Toren des Erwachsenseins. Wenn Madoka je soweit käme.
Dann wechselte der Blick zur anderen Seite, wo die Blumen standen, von denen niemand wusste, wer sie gebracht hatte. Sie waren von Setsuna gewesen. Nicht von ihrer Familie, sondern von einem ... Freund. Auch wenn sie glaubte, dass dieser ihr gerade gänzlich aus den Fingern glitt. Er zerrann wie Sand zwischen ihren Fingerkuppen, den sie nicht mehr auffangen konnte. In diesem Moment hatten die Blumen kaum die Bedeutung, die sie in einer ruhigen Minute hätten entfalten können. Dafür hatte ihr Bringer zu viel der Worte von sich gelassen. Den Gefallen, den er aussprach, ließ sie deswegen auch unter den Tisch fallen. Als könnte, als wollte sie jetzt essen. Gerade jetzt. Es war ihr egal, dass sie Hunger hatte. Oder Gewicht verloren hatte. Da konnte sie zergehen wie sie wollte.
Dennoch setzte sie sich wieder auf, drehte sich zur Bettkante mit den Blumen und betrachtete den Tisch mit dem Essen. Sie wendete Setsuna den Rücken zu und seufzte, während sie so am Bett saß. Sie war schwach, aber dieses Mal stand sie nicht auf. Ihre Stimme war leise, als sie ein paar der Worte fand. Ihre Schulter hingen nach unten, ihr Anblick war kläglich. Alles andere als gestanden wie sonst. Wie eine kräftige Taijutsuka. "Du brauchst mir nicht sagen, was ich tun sollte. Ich komme schon zurecht. Ob ich esse oder nicht." Die Worte, die sie wählte, leuchteten ihr erst einige Sekunden später ein. Fast ähnlich hatte Setsuna bei den Examen sie angebrüllt, als er trotz Verletzung alleine sein wollte. Was?! Ich brauche niemanden, der mir sagt, was ich machen soll, kapiert?! Ich komme sehr gut alleine zurecht und brauche keine Hilfe! Er hatte damals öfter beteuert, dass er keine Hilfe brauchte. Wozu brauchte sie also jetzt seinen Ratschlag zum Essen? Vielleicht erinnerte er sich ja auch. Und ahnte, dass sie gerade darüber nachdachte, dass sie ihre Bemühungen vielleicht wirklich bereute. So darüber dachte. Dass es sinnlos gewesen wäre. Ihre Freundschaft. Sie war kurz vor dem Zerreißen.
"Danke für Blumen und Essen", sagte Madoka anschließend noch eher zwecks Höflichkeit als Ehrlichkeit und Freude. Sie betrachtete wie betäubt in Kopf und Herzen ihre Füße, die vom Bett hingen. Einen bewegte sie leicht, schaute abwesend auf die Zehen und wünschte sich fast schon, dass Setsuna Akari folgte. Einsamkeit wäre das, was sie am besten gebrauchen konnte. All die Jahre hatte sie nichts anderes in ihrer Wohnung getan. Außer einsam zu sein. "Ich schätze, wir haben uns wieder nichts mehr zu sagen. Tu, was dir am besten erscheint. Ich werde später mit meinem Vater sprechen und mit ihm entscheiden, wie es weitergeht. Du verstehst das ja sicher nicht."
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BeitragThema: Re: Krankenhaus II   Mi Jul 02, 2014 9:02 pm

Setsuna blickte zu Madoka, als sie sich zum Essen drehte. Essen sollte, aber nicht anfing. Er hatte ihren Blick auf sich gespürt, doch nicht die darin liegende Enttäuschung oder den Schmerz gesehen. Vermutlich hätte er sonst seine Haltung geändert und würde nicht mehr dort lehnen. Vor dem Fenster. Ja, ich sehe wie du zurecht kommst. Du säufst Gift und denkst, es ist Weihwasser... Ein säuerlicher Gesichtsausdruck und eine gerümpfte Nase ging mit diesen Gedanken einher. Sicherlich, sie würde immer behaupten, sie käme klar und sich darauf berufen, dass er es ja auch immer gesagt hatte. Aber sie war nicht er und er glaubte nicht, dass sie damit klar kommen würde. Wenn sie schon weinte, wenn sie sich selbst aufgab und solche Worte von sich gab. Sagte, dass sie mit ihrer Mutter hätte gehen sollen. Weil sie nicht begriff, dass sie essen musste. Weil sie den Blick für das Wesentliche verlor. Man kam nicht klar, wenn man sich selbst immerzu zu Grunde richtete. Setsuna kam nicht auf den Gedanken, dass er das gleiche mit sich selbst auf einer ganz anderen Ebene machte. Sie körperlich, er seelisch. Ein neutraler Beobachter würde sich fragen, wann diese beiden endlich zur Einsicht gelangten.
“Du willst mit ihm entscheiden, wie es weiter geht?“ Es hatte seine Zeit gebraucht, bis seine Stimme wieder so ruhig wie eh und je war. Als ob er selbst ein dritter Betrachter wäre oder der Schlichter, welcher zu einer hässlichen Szene gerufen worden war. “Warum willst du mit einem Mann sprechen, der meinem derzeitigen Kenntnisstand nach dafür gesorgt hast, dass du überhaupt erst hier landest? Tch, du solltest lernen, für dich selbst zu entscheiden.“ Kurz fragte er sich, ob sie wirklich nichts mehr zu bereden hatten. Im Endeffekt stand so viel zwischen ihnen und wäre er offener gewesen, hätte er ihr eine Schimpfrede voller hochgekochten Emotionen halten können. Aber wie so oft verweigerte er sich eben diese, weil er sich nicht mit ihnen beschäftigte. Wenn er sich überhaupt auf sie einließ, wurden sie unter den Tisch gekehrt – er sah ja hier erneut, was seine hinderlichen Emotionen bewerkstelligt hatten: Sie hatten sich fast mehr entfremdet wie eh und je. Vorher hatte man es im Nachhinein vielleicht noch auf die Krankheit schieben können, aber nun? Wer wusste, wie sie von einer fröhlichen Umarmung zu diesem Gesichtsausdruck gekommen war. Oder wie er das unterdrückte Lächeln in den Wind geschlagen hatte. Einfach so. Damit es weg war. Aber ja, was sollten sie noch sagen? Er konnte ihr nichts sagen, weil er nicht wusste was. Dabei rannen die Gedanken wie die Wassertropfen in einem Wasserfall durch seinem Kopf. Doch genau wie jeder einzelne dieser Tropfen, waren auch sie einmalig und waren sie einmal gefallen, fand man sie nicht mehr wieder. Setsuna machte den Mund wieder auf, schloss ihn allerdings wieder, stieß sich ab – und blickte Madoka immer noch nicht wieder an. “Ich habe nie begriffen, wie du es mit mir aushältst...“ Aber er verstummte. Kopfschüttelnd ging er Richtung Tür, blieb allerdings nochmal stehen und sah an die Decke. “... Manchmal frage ich mich, ob ich verrückt genug bin, an etwas zu glauben.“ Verrückt war er zweifellos und ob Madoka die Anspielung verstand, blieb dahingestellt. Setsuna wollte ihr die Ruhe lassen, doch wie es einmal so war, kam ihm etwas dazwischen.
Es klopfte an der Tür und kurz darauf steckte ein großer schwarzer Kopf zwischen Wand und Tür in der Spalte. Sein Blick blieb zuerst an Setsuna und dann an Madoka hängen. Ein warmes Lächeln trat auf seine Züge. Jôcho Shohei Tôkichi, von seinen Freunden „Toki“ genannt, war ein großgewachsener Mann, dem Setsuna in gewisser Hinsicht wie aus dem Gesicht geschnitten war. Meistens lächelte er, so auch hier. “Ah, es ist wundervoll zu sehen, dass du wieder wach bist, Sunohara-San.“ So wie Setsuna seine Überraschung nicht recht verbergen konnte, entging dem Jônin die Atmosphäre des Raumes nicht, doch ließ er sich davon nicht beirren und mit einem Blick auf Setsuna fuhr er fort: “Und ich glaube ich bin nicht der einzige, der froh ist. Ich wollte euch nicht stören, jedenfalls dachte ich mir, dass mein werter Verwandter sich hier aufhält.“ Das Lächeln erstarb. Die Mimik wurde ernst.
Setsuna kannte diesen Gesichtsausdruck bereits und biss sich auf die Lippen. Er wusste schon was kam, konnte sich wappnen und vergaß für einen Moment wirklich die Auseinandersetzung, die er mit Madoka gehabt hatte. Stattdessen ballte er die Fäuste, ließ sie sich dann aber wieder kraftlos öffnen. “Oh Himmel, wie schlimm ist es dieses Mal...?“ Seine Stimme war gut hörbar und dennoch kaum mehr als ein Flüstern. “Geh am besten gleich zu ihm. Er will dich sehen.“ Toki wusste, er hätte es nicht sagen müssen, denn Setsuna wäre immer für seinen kleinen Bruder da. Der Junge hatte genauso gelitten wie der Ältere und letzterer hatte stets versucht ihn in Schutz zu nehmen, wo es nur ging. Dadurch hatte es Setsuna vermutlich irgendwie geschafft, dass Shiranami – sein Brüderchen – nicht so verkommen war, wie er. Nur bestand das Problem darin, dass der junge Nara schon immer eine kränkliche Erscheinung dargestellt hatte und oft fieberte oder anderweitig einknickte. Sicherlich war er genial, doch Krankheit und Verdruss machten bekanntermaßen auch davor nicht halt. Es war also kein Wunder, dass sich der Jôcho nichtmal mehr umdrehte und mehr oder minder an seinem Onkel vorbeirauschte. Das erste Mal hatte man sehen können, wie Setsuna sich wirklich offen Sorgen gemacht hatte – wenn man auf so etwas achtete.
“Lass mich raten: Er hat sich grauenhaft benommen?“ Ein schwaches Lächeln zeichnete sich auf den Zügen des dunkelhaarigen Mannes ab, dessen warmer Blick Madoka wohlwollend betrachtete. Er wusste genau über das Verhältnis Bescheid, welches diese beiden Menschen zueinander pflegten – oder auch einmal mit Unkraut überwuchern ließen.
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BeitragThema: Re: Krankenhaus II   Do Jul 03, 2014 2:56 pm

Bei Madoka funktionierte der Gehörkanal gerade nur noch geringfügig, da sie wusste, das Setsuna nur verneinen würde, was sie dachte und sagte. Er war grundsätzlich anderer Meinung und hatte nur etwas an ihren Ansichten auszusetzen. So konzentrierte sie sich schon gar nicht mehr auf ihn, als er kommentierte, dass sie sich trotzdem mit ihrem Vater beschäftigen wollte, wenngleich er ihr fast das Leben gekostet hätte. Sie hörte zwar, dass sie für sich selbst entscheiden sollte, doch dabei blinzelte sie nur kurz aus dem Augenwinkel in seine Richtung, ehe sie sich wieder nach vorne richtete und die Augen schloss. Das Essen war zwar in greifbarer Nähe und würde eine Ablenkung bieten, aber es fehlte der Appetit. Bloßer Hunger war eher nagend als schön. Dann klopfte es wieder, der wohl mittlerweile sechste oder siebte Besucher des Tages. Madoka öffnete lediglich einen Spalt breit die Augenlider, hörte eine ihr fern bekannte Stimme, sodass sie doch zur Tür sehen musste, und stellte fest, dass es sich um Setsunas Onkel Toki handelte. Ein komplettes Kehrbild von Setsuna. Wie er vielleicht sogar geworden wäre, wäre ihm nichts passiert und nun schon weitaus älter als sie selbst. Die beiden sahen sich immer noch so ähnlich, dass man denken könnte, Setsuna wäre mehr als nur der Neffe. Aber wer war sie schon, sich darüber Gedanken zu machen?
Kurz unterhielten die zwei sich über jemanden, dessen Namen nicht genannt wurde. Madoka brauchte ebenso einen Moment, um zu kapieren, dass die einzige Person, zu der Setsuna aus Sorge eilen würde, sein jüngerer Bruder war. Mit ihm war also auch etwas passiert. Oder schwächelte er nur regelmäßig? Sofern das stimmte, ging der Schwarzhaarige bereits durch die Tür. Toki blieb. Das war ein wenig überraschend. Was wollte ausgerechnet er bei ihr? Darüber allzu sehr nachzudenken bereitete lediglich Kopfschmerzen. Also griff die Grünhaarige abwesend lediglich zu dem Essen, was ihr gebracht worden war. Da stellte sie selbst fest, dass ihre Arme wirklich dünner geworden waren. Zwar hatte sie auch Tokis Frage mitbekommen über Setsuna, doch sie sagte zunächst gar nichts und sah ihn auch nicht an. Es kotzte sie mehr als an, dass sie Rede und Antwort dafür stehen musste, was mit ihr passiert war. Warum konnte man sie nicht einfach ohne Anschuldigungen in Ruhe lassen? So griff sie zu dem Zwieback, zerbrach ihn und führte sich einige der Stückchen zu, die sie dann geräuschvoll zerkaute und schluckte. Ihre Geschmacksnerven waren noch recht taub, was das Ganze eher zum Zermalmen von zähfeuchter Masse werden ließ. So ließ sie es auch erst einmal wieder sein, als das erste Stück gegessen war, saß weiter an ihrer Bettkante und starrte auf die Suppe. Es musste sehr lange aus Shoheis Sicht gedauert haben, bis Madoka endlich antwortete. "Und wenn ja? Was willst du daran ändern?" Die Frage war relativ mutlos und ausgenüchtert ausgesprochen worden, aber doch legte Madoka all ihren Frust über Setsuna dort hinein, sodass sie relativ giftig und zickig klang. Vielleicht hatte das dem Besucher aufgrund seiner Lebenserfahrung aber eventuell weitaus weniger an als anderen Seelen. "Er hat Intelligenzozeane wie kein anderer ... Nara, aber ist zu blöd für einen einzelnen Menschen." Daraufhin griff sie zu der Suppe, die sie in einem asiatisch typen Schlürfen trank. Der Inhalt hatte sogar ein angenehm würziges Aroma, das bei ihr ankam, während ihr Bauch mit etwas wie Wärme gefüllt wurde. Nach einigen Minuten stellte sie die Schüssel leer ab, kraxelte zurück ins Bett, saß trotz aller Empfehlung zu liegen aufrecht und sah Setsunas Onkel ernst und zerklüftet an. Der Streit von gerade hatte seine Spuren gezogen. "Der einzige Mensch, der ihm ansatzweise bedingungslos etwas bedeutet, scheint doch Shiranami zu sein, nicht? Er eilt sofort zu ihm und vergisst gänzlich, was hier gerade passiert ist. So macht man es bei Menschen, die man liebt." Madoka schloss traurig die Augen, seufzte und strich sich dabei einige Haare aus dem Gesicht. "Ich gehöre schon seit einem halben Jahr nicht mehr zu den Leuten, die ihm irgendwas bedeuten. Er stößt mich immer nur von sich und versteht meine Situation in keinem Punkt. Selbst wenn ich ihm erzähle wie es mir geht, komme ich mir vor als würde ich ... mit dem Grabstein meiner Mutter sprechen."
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BeitragThema: Re: Krankenhaus II   Do Jul 03, 2014 9:38 pm

Jôcho Shôhei Tokichi betrachtete Madoka mit gerunzelter Stirn, als sie nicht antwortete. Sah zu, wie sie offenbar essen wollte, aber dann doch keinen Appetit hatte. Er konnte es ihr wirklich nicht verdenken – was nicht nur daran lag, dass sie zwei Wochen lang im Koma gelegen und keine körperliche Aktivität unternommen hatte. Nun, zumindest kaum. Sein Blick glitt während dieser Zeit durch den Raum, wie zuvor Setsunas – doch im Gegensatz zu ihm nahm er sich schließlich einen Stuhl und setzte sich auf die Höhe des Fußteils von Madokas Bett, sodass er zwar in ihrer Nähe war, aber sie keinesfalls bedrängen würde. Es waren maximal eineinhalb Meter, also genug Platz. Mit einer unverkennbar körperlichen Leichtigkeit schlug er schließlich die Beine übereinander – und wartete einfach. Er wartete und wartete und es schien ihm nichts auszumachen. Stattdessen lächelte er vor sich hin und sah bedächtig auf die Blumen, die noch auf dem Nachttisch standen. Oder nach draußen, wo ein paar Vögel vorbeiflogen. Er ließ Madoka alle Zeit der Welt zu verarbeiten, was auch immer vorgefallen war und als sie schließlich sprach, hob er keine Augenbraue oder dergleichen. Nein, er blickte sie einfach wieder in der Art und Weise an, als ob sie sofort geantwortet hätte. Verständnisvoll und wissend, weil er sich genau denken konnte, wie sie dachte. Oh, da hatte Setsuna Recht gehabt. Richtig, sie hatten gesprochen, als Madoka im Koma gelegen hatte und das nicht nur einmal. Toki hatte ihm Fragen gestellt und der Junge hatte sie beantwortet – war seinen Ratschlägen zwar nicht ganz gefolgt, aber immerhin... Er hatte mit ihm über etwas gesprochen, vor dem er Angst hatte. Und vielleicht würde Madoka auch mit ihm sprechen.
Dennoch drückte sein Stirnrunzeln kurz darauf doch ein wenig Missfallen aus, als sie ihn als Nara bezeichnete. Der Dunkelhaarige war froh, dass sein Schützling nicht da war und es nicht hörte. Sonst hätten die besten Vorsätze Madoka nicht vor einem eiskaltem Blick bewahren können, den sie mit Sicherheit noch nicht gesehen hatte. Ungeduldig schnalzte er mit der Zunge. “Ich muss dir sagen, du hast Recht, aber auch Unrecht“, begann er schließlich zu antworten und legte den Kopf so schief, wie es Setsuna gerne zu tun pflegte. “Du hast Recht, er ist intelligent und kann genauso stur sein, wenn es um seine Ansichten geht. Er tut das, was für ihn am logischsten ist und ist ein wahres Trampeltier, wenn es um Gefühle geht. Doch, da muss ich dir Recht geben, Sunohara-San.“ Trotzdem machte er nun eine Pause und seufzte einvernehmlich. “Du bedeutest ihm etwas. Sogar sehr viel – und damit kommen wir zum Unrecht.“ Toki lehnte sich vor und verschränkte die Arme auf seinen Knien. Er wollte Aufmerksamkeit und so wartete er, bis er Madokas Ungeteilte besaß und ihr direkt in die Augen blicken konnte. Vermutlich sollte Setsuna es ihr lieber selbst erklären, aber dann würden sie sich womöglich nie aussöhnen und ersterer würde nie wirklich zu sich selbst finden, weil er weiterhin davor Angst hatte. Vor dem und noch vor so vielem mehr. Aber natürlich, Madoka konnte sich solcherlei vielleicht wirklich nicht vorstellen. “Shiranami bedeutet ihm die Welt, aber diese Gründe liegen so tief verwurzelt, dass du dir darüber nicht den Kopf zerbrechen solltest. Was wichtig ist, ist, dass er dir gegenüber nicht kalt sein und sich erst Recht nicht entfernen möchte. Er weiß nur nicht wie, weil er es nie gelernt hat. Ich weiß, er hat nie mit dir darüber geredet und er wird es vermutlich auch nie von sich aus tun, aber er hat Angst, Madoka. Jeden Tag in seinem Leben wacht dieser Junge auf und sieht sich mit gewissen Themen konfrontiert, die kein Ende nehmen.“ Toki machte eine Pause und strich sich eine der langen Strähnen aus seinem Gesicht zurück hinter sein Ohr, rückte daraufhin die Brille zurecht. “Findest du es nicht verwunderlich, dass er heute so schnell in der Tür stand, als du aufgewacht bist?“, fragte der Onkel und wechselte damit vielleicht in verständlichere Gefilde. “Er war außer Atem, hat nur eine kurze Pause vor der Tür gemacht, um es nicht zu zeigen. Er hat mich gar nicht bemerkt, sondern ist genauso an mir vorbei gerannt. Fandest du es gar nicht verwunderlich? Oder die Blumen dort drüben? Ich weiß nicht, ob du mir glauben wirst... aber bevor ich dir eine kleine Geschichte erzähle... Setsuna hat nie über seine Familie gesprochen und es liegt eigentlich nicht in meiner Hand, dies zu tun... dennoch, bevor ich dies tue, muss ich es nun von dir wissen: Magst du ihn immer noch? Auch, wenn er dir kein guter Freund war in letzter Zeit?“
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BeitragThema: Re: Krankenhaus II   Do Jul 03, 2014 10:00 pm

Madokas zerklüftetes Gesicht war zuerst von Egoismus geprägt, weil sie wollte, dass man sie endlich allein ließ, doch dann schlichen sich doch Emotionen ein wie Neugier und vielleicht ein Fünkchen Hoffnung, da Setsunas Onkel eine der seltenen Parteien war, die nicht für Leid sorgte und beide Seiten kannte. So blickte die 18-Jährige zur Seite, runzelte die Stirn verwirrt über die Aussagen, die sie erreichten und wollte nicht wirklich glauben, dass Shôhei behauptete, sie würde seinem Neffen so viel bedeuten. Dass war doch in der Akademie so gewesen, vielleicht noch bis vor den Chuunin-Prüfungen, doch danach brach das Gehäuse nach und nach zusammen, in dessen Zimmern sie gemeinsam spielten, sich unterhielten und Ruhe fanden. Sie sollte Unrecht haben? Wie wollte er das erklären? Angst sollte dann der Grund sein. Shiranami war gar nicht das besondere Thema, sondern irgendwas innerhalb von Setsuna, das ihn angeblich so sehr einnahm, dass es ihn nicht losließ. So wie bei ihr der Tod ihrer Mutter vielleicht? Bei ihm konnte es aber nichts sein, was positiv von seiner Mutter ausstrahlte. Denn die war das reinste Biest von dem, was Madoka so wusste.
"Wann redet er schon mit mir?", murmelte sie vor sich hin, wendete kurz den Blick ab und musterte die Blumen. Nicht einmal das konnte sie gerade als Versuch einer Sprache auffassen. Dafür standen sie zu weit auseinander, und sie zu sehr neben sich. Dann brachte Toki sie allerdings auf Gedanken, die sie bisher so nicht gehegt hatte. Oder eher ganz schnell vergessen seit der Auseinandersetzung. Ja, er war ganz schnell da gewesen, wenn man die Ärzte wegließ und ihre Tante mit ihrer Nichte. Von Außenstehenden war er einer der ersten gewesen. Hatte sogar gesagt, dass es schön sei, dass sie wieder wach war. Wehmütig kam nun sogar die Erinnerung auf, dass er sie gefangen hatte, als sie unbeholfen zu ihm gestolpert war. Was eigentlich dumm gewesen war. Doch er hatte sie nicht aus Strafe fallen lassen, sondern an sich gezogen. Neugier wurde anschließend noch durch die Geschichte geweckt, die Setsunas Onkel ansprach. Dinge, die sie von ihrem einstigen Freund selbst nie erfahren würde. Musste sie sich auf irgendwas gefasst machen? So schlimm wie das, was ihr Vater ihr vor einigen Minuten gebeichtet hatte?
Magst du ihn immer noch? Madokas Augen weiteten sich kurz, als würde es sie verwundern, dass Shôhei davon wusste, dass sie Setsuna einst mit der Box konfrontiert hatte. Meinte er wirklich das Mögen oder das freundschaftliche? Betreten sah sie auf ihre Hände, die auf der Decke ruhten, fing aber in der nächsten Sekunde an sich mit dem Daumen über die Fingerrücken der anderen Hand zu streichen. "I-Ich ... bin kurz davor aufzugeben", gestand sie, wobei ihre Stimme leise war und deutlich zitterte. Wenn sie nicht schon wieder gleich brach. Ansehen konnte Madoka Setsunas Onkel nicht, so hatte sie die Augen zu und sah zur Seite. "Eigentlich mag ich ihn noch, aber- Er gibt mir keinerlei Gründe mehr dafür. Er benimmt sich wie ein Priester, das er mich in jedem Moment ankeift, wo es sich bietet. Er versteht meine Trauer nicht, er versteht meinen Vater nicht, er- Ach, egal." Kurz rieb Madoka sich mit dem Handrücken über die Augen, die wieder begannen zu brennen. "Ich kann's eh nicht ändern. Was ist es für eine Geschichte?"
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BeitragThema: Re: Krankenhaus II   Do Jul 03, 2014 10:46 pm

Ah, da war sie. Da war die junge Dame mit genau dem Ausdruck, den er sehen wollte. Ein Murmeln. Die Frage, was er schon mit ihr redete... und dann letzten Endes das Geständnis, dass sie ihn noch mochte. Toki merkte, wie eine Last von seinen Schultern fiel, denn das schlimmste war somit überstanden. Er kam nicht umhin, erst jetzt zu bemerken, dass er an dieser Antwort gezweifelt hatte. Nicht darauf gebaut hatte, dass Madoka immer noch wenigstens eine Freundschaft sah und sie nicht in den Wind geschossen hatte. Eigentlich hätte er nun aufstehen und ihr sagen können, sie solle Setsuna einmal nach seinem Schweißbändern fragen, aber so gemein war er nicht. Er hatte ihr versprochen, ihr eine Geschichte zu erzählen und das würde er nun tun. Vorerst erhob er sich jedoch einfach und nahm ein Glas von der Anrichte, füllte es mit dem ebenfalls dortigen Wasser und brachte es Madoka. “Hier, ich glaube etwas frisches zu Trinken könnte dir nicht schaden.“ Lächelnd übergab er es ihr, beziehungsweise stellte es in ihre Nähe, bevor er sich selbst ein solches Glas einschenkte und sich wieder an seinen Platz am Fuß des Bettes setzte, von wo aus er sie nun auch gut im Blick hatte. Sie hatte ihm Leid getan, so wie sie gezittert hatte. Wie ein kleiner Welpe, den man auf der Straße ausgesetzt hatte und ja, vielleicht war dieser Tag alles andere als schön für sie gewesen. Das Problem war, dass er nun sehr viel schlimmer werden könnte, wenn Madoka es nicht gut aufnahm. Toki gab sich einen Ruck und zog den Stuhl näher zu der Grünhaarigen heran, damit er ihr Beistand leisten konnte, falls nötig. “Eigentlich musst du auch nichts ändern. Bleib so wie du bist, Madoka. Glaub mir, das ist genau das richtige.“ Zum ersten Mal sprach er sie bei ihrem Vornamen an und zwinkerte ihr gar kurzzeitig verschwörerisch zu, ehe er wieder ernst wurde. “Manche sagen, dass Angriff die beste Verteidigung ist, weißt du. Manchmal ist es besser, man hält die Leute von sich fern, weil man Angst davor hat, sie sonst noch mehr zu verletzen – nein, er ist kein Monster, das will ich damit nun wirklich nicht sagen... Eher im Gegenteil... der Junge ist der netteste Mensch, den ich kenne und leider hat er eine nicht ganz so nette Angewohnheit: Er zeigt es niemals und kommt dabei selbst nicht auf den Gedanken, dass es überhaupt so ist.“ Die Stirn des Jônin zog sich in Falten und man konnte sehen, wie ihn dieser Gedanke selbst schmerzte, doch er fuhr fort. Im Gegensatz zu seiner Verwandtschaft wusste er, welche Worte er wählen musste, denn so baute er auch stets Vertrauen zu anderen auf. Vermutlich war er deshalb so beliebt. Vermutlich deshalb so ein guter Sensei. “Er kann generell keine Eltern verstehen, Madoka. Das liegt nicht an dem, was du tust oder an dem, was dein Vater getan hat.“ Auch verstand Toki im Gegensatz zu Setsuna, wie schwer es für Madokas Vater gewesen war und so machte er ihm keine Vorhaltungen – zumindest nicht direkt. Er erahnte, wie schwer es sein musste. Wie hart der Schicksalschlag – vor allem, wenn die eigene Tochter noch an derselben Krankheit erkrankte, welche die Ehefrau dahingerafft hatte. Alles viel zu schnell. Nein, er hieß nicht gut, was Madokas alter Herr tat, aber im Gegensatz zu seinem Neffen, wusste er es besser, als es lauthals kund zu tun. “Setsuna hatte nie wirklich einen richtigen Vater, Madoka. Mein Bruder gibt sich noch heute die Mühe, alles aufzuholen, aber er schafft es einfach nicht – weil Setsuna nicht will. Das überrascht dich vermutlich nicht, weil er so manches nicht will... aber die Sache ist die.. Er hat einen anderen Namen angenommen, weil er den Nara-Clan verabscheut. Und er verabscheut ihn, weil er keinen Vater hatte, keine Mutter und auch niemals eine Fürsorge, in der er sich geborgen gefühlt hat. Es ist so: Seine Mutter war schon immer stolz auf ihre Abstammung und mein Bruder war so verliebt in sie, dass er sich ihr unterordnete und zunächst den Namen Nara annahm... Naja, du kannst dir denken, wie es lief, wenn du Setsunas großen Bruder kennst – Sasuke. Er ist ein Naturtalent, doch genauso charakterlich miserabel. Glaub mir, wenn ich sogar so von ihm spreche. Setsuna hat als Kind viel darunter gelitten und spricht nicht darüber, aber Frust wurde auf ihn abgeladen, auch wenn es ihn nicht betraf. Seine Mutter glaubte es war nur richtig, damit er genauso hart wurde und durchgreifen konnte, wie sein Bruder – wie du siehst, ist es ihnen in gewisser Hinsicht geglückt.“ Bevor er fortfuhr, machte er eine etwas längere Pause, damit Madoka es soweit verarbeiten konnte. Vielleicht brauchte er sie aber auch selbst. Im Endeffekt wäre es nur selbstverständlich, wenn die Grünhaarige nun nichts mehr davon hören wollte, denn an sich war es eine ganz normale traurige Familiengeschichte, die man nicht allzu oft antraf. Wie sehr wünschte er sich, dass es so sein konnte? Ein Seufzen verließ seine Kehle. “Was herauskam war schließlich der Alltag, dass Setsuna sich in sich selbst zurückzog und seine Ausflüchte in den Büchern suchte. Er kam weder mit Mutter und Bruder klar, noch mit seinem Vater. Mein Bruder war damals einfältig und blind – glaub mir, er bereut es zutiefst und das noch heute. Jedenfalls wurde es auch nicht besser, als Shiranami zur Welt kam, denn er kränkelte und das gefiel einer stolzen Mutter nicht. Also musste Setsuna ihn in Schutz nehmen, schwor sich dabei auch ohne das stark zu werden, was seine Mutter und seinen Bruder ausmachte... und nunja... ich denke, du kannst verstehen, was kam, nicht wahr? Erinnerst du dich, Madoka? Es ist rund zehn Jahre her, aber irgendwann kam er nicht in die Akademie, oder? Er sagte, er sei von der Treppe gefallen, einfach gestürzt. Natürlich passte es nicht zu ihm und ich weiß nicht, ob du dich das jemals gefragt hast.... Ich weiß selbst nicht genau, was in dieser Szene vor sich ging, doch ich weiß, dass seine Mutter sehen wollte, wie viel er schon konnte. Er war gerade einmal acht Jahre alt, also war es nicht verwunderlich, dass er hoffnungslos versagte und ihr aus ihrer Sicht Schande machte. Nur hinderte sie diese frühzeitige Einsicht bei ihrer Fragestunde nicht daran, dafür zu Sorgen, dass er seine Lektion lernte.“ Bei den letzten Worten machte er eine ungefähre Bewegung, einen Wink, auf Madokas Krankenbett, womit seiner Ansicht nach ohne die schrecklichen Worte auszusprechen, alles gesagt worden war. “Du weißt, wie es weiter ging, Madoka. Du hast an den Chûnin-Examen gesehen, was passiert, wenn er zu sehr unter Druck gesetzt wird und es ist vor einem halben Jahr wieder passiert. Überleg vielleicht einmal, ob er sich deshalb noch erholen will und dir aus diesem Grund nicht zu nahe tritt.“ Toki setzte ab und lehnte sich auf dem Stuhl zurück. Selbst er hatte keine Informationen darüber, was genau an jenem Tag zwischen Mutter und Sohn vorgefallen war. Oder dass Setsuna sich selbst verletzt hatte. Er wusste nur, was er in vertrauten Stunden erfahren hatte und das hatte er hiermit an Madoka weitergegeben. Nun blickte er aus dem Fenster, doch es schien, als ob er ganz woanders wäre. “Ich habe gesagt, dass er der netteste Junge ist, den ich kenne... weißt du auch warum...? Er denkt nicht an Rache oder dergleichen. Er will im Grunde genommen einfach nur von seiner eigenen Familie akzeptiert werden, wenn sie ihn schon als Kind in die Mangel nehmen wollte. Ich weiß nicht, was andere an seiner Stelle tun würden, Madoka, und ich möchte ihn auch nicht in die Höhe heben... aber vielleicht kannst du ihn nun ein wenig besser verstehen. Warum er so ist, wie er ist... und es ist selbstredend, dass du diese Dinge nicht von mir weißt...“ Er führte das Glas abwesend an seine Lippen und trank es halb leer. Viele Worte waren gefallen, doch für Toki schien es, als ob es immer noch nicht genug war.
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BeitragThema: Re: Krankenhaus II   Do Jul 03, 2014 11:18 pm

Sie war auf einiges gefasst und hatte auch Ahnung, was sein konnte, aber wie die Realität aussah, war immer ein gewaltiges Stück Geschichte für sich selbst, das man nicht ansatzweise mit Vorstellung gleichsetzen konnte. Madoka nahm das Glas Wasser direkt an, was Setsunas Onkel ihr brachte, bettete es in ihrem Schoß und hielt es dann fest, während er sagte, dass ihre Art, wie sie sei, eigentlich genau das Richtige war. Verwirrt runzelte sie die Stirn, weil ihr das nicht wirklich so vorkam. Zumindest, wenn es darum ging, ob es für Setsuna das Richtige war. Bisher schien es ja alles andere als das zu sein. Dann trank sie allerdings erst einmal ein bisschen was von dem Wasser und hörte dann schweigend zu, was ihre Ohren erreichen sollte.
Es ging insgesamt um die Familie. Selbst wenn sie Teil des Nara-Clans war, spaltete Setsuna sich möglichst davon ab. Das wusste auch sie schon, aber nun bekam sie es deutlich dargelegt. Irgendwann hob sie mit einem mitleidigen Blick das Gesicht und sah Toki zu, wie er erzählte - bisweilen aber selbst aus dem Fenster guckte, als läge eine Lösung für Setsunas Leben draußen zwischen den Wolken. Zwischendurch wurde Sasuke erwähnt, welchen Madoka auch flüchtig kannte. Dabei wurde ihr Gesicht säuerlich. Für sie war er nichts anderes wie ein arroganter Jônin, der rein gar nichts von Familie und Vorbildsein verstand. Er war das älteste Kind von Setsunas Mutter, aber verhielt sich alles andere als wie ein großer Bruder. Er schädigte den Jüngeren nur und war ein unfreundlicher Idiot. Selbst wenn die 18-Jährige deutlich jünger als er war, hatte sie für Manami dieselbe Position. Sie war die große Schwester, die die Kleine anleiten musste. Da die Mutter fehlte, war sie für sie umso wichtiger. Das wurde ihr in dieser Sekunde erst wieder richtig bewusst. Es war ... feige ihrer Mutter folgen zu wollen. Ihr Vater war ein gebrochener Mann, und sie selbst stand kurz davor aufzugeben. Sie konnte eigentlich sicher sein, dass Nagisa über kurz oder lang auch zusammenbrach, wenn sie tat, was sie aus Verzweiflung Setsuna gesagt hatte. Wie konnte ich nur so dumm sein? Ihre kleine Schwester war ein Grund um zu kämpfen, selbst wenn sie Setsuna auf dem Weg des Kampfes verlieren konnte. Manami sollte wenigstens eine gute Kindheit haben, wenn sie schon kaum Eltern hatte, die sich um sie kümmerten. Damit sie nicht so wurde wie Setsuna. Es war fast schon ein Spiegelgleichnis.
Ebenso, dass er für Shiranami stark sein wollte und für ihn da war. Shiranami hatte in Madokas Familie Manamis Position. Und Toki war wie Nagisa. Das war fast schon zu verrückt, um wahr zu sein. So trank Madoka erst einmal ihr Wasser aus, ehe sie den Besuch wieder ansah, der ihr näher gerückt war. Schließlich ging es darum, dass Setsunas Mutter wohl ein geborener Teufel war, die ihm sein Innerstes gänzlich versaut hatte. Sie hatte dafür gesorgt, dass er wie die Rätselbox wurde, die er ihr geschenkt hatte. Als er fast noch unschuldig gewesen war. Er verschloss sich gänzlich hinter tausend Riegeln und ganz tief drinnen lag ein schwach schimmernder Kern Gefühle. Die zwar lange schimmerten, aber auch nie leuchten würden. Zumindest kam ihr das so vor, je mehr sie sich stritten. Wenn es wiederum um die Rache ging, war es ein Wunder, dass dieser Kern leuchtete und nicht schwarz glühte. Schwarz vor Hass. Oh je, sie kannte ihn wirklich kaum. Sie wollte immer gut mit ihm sein, doch sie klafften irgendwann soweit auseinander, weil er einfach nicht mit ihr reden konnte und ihre Probleme schließlich nur noch um sie kreisten und sie verschlangen. Schließlich ertönte ein schweres Seufzen, woraufhin Madoka das leere Glas wegstellte. "Er ist meinem Vater ähnlicher, als er jemals glauben würde", sagte sie plötzlich und rang sich sogar ein trauriges Lächeln ab. Sie verschränkte locker die Arme und starrte gedankenverloren auf die Bettdecke. "Papa liebt Kâ-san über alles und wird ihren Verlust nie verkraften. Meine Schwester erinnert ihn zu sehr an sie. Ich sehe ja ihm ähnlicher als ihr. Er flüchtete sich ins Rauchen, um zu vergessen, was ihn bedrückte. So flüchtete er auch vor jedem, der ihm etwas bedeutete. Selbst vor mir. So kam es wohl auch schließlich dazu, dass er zu viel Angst hatte sich irgendwann jemals wieder zu öffnen. Das hat mich krank gemacht. Auf mehreren Ebenen." Sie trank. Sie hatte die Infektion. Sie war einsam. "Insgesamt verzweifeln beide und schotten sich gänzlich ab. Nur Setsuna konnte wohl noch früh genug von Menschen berührt werden, die er jetzt in sich mit verschlossen hat. Entweder man ist dort ... oder eben nicht." Madoka lehnte sich ins Bett zurück, schloss die Augen und musste wahrlich lächeln. Dieses Mal, weil sie endlich realisierte, was Setsuna ausmachte, wie dumm sie selbst gewesen war und was sie eigentlich verband. "Wenn ich hier nicht ans Bett gefesselt wäre, würde ich Sasuke oder seiner Mutter eigenständig einen Beckenbruch bescheren. Vielleicht bin ich zu wenig rational - zu emotional, sodass ich Rache für andere nehmen würde, aber mit solchen Gedanken verpestet man sich nur. Danke, dass du mir das erzählt hast. Ich werde das für mich behalten. Sobald ich aus diesem Krankenhaus komme, werde ich sofort wieder trainieren. Und Setsuna zwingen die Nachmittage mit mir zu verbringen. Statt sein Leben irgendwelchen Büchern zu widmen. Dann bin ich zwar der nervtötende, gewalttätige Mooskopf, aber immerhin ... bin ich eine Freundin."
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BeitragThema: Re: Krankenhaus II   Sa Jul 05, 2014 1:07 pm

Tokichi blickte Madoka warm an, als sie ihre Antwort gab und zuvor überlegend und fast mitleidig geschwiegen hatte. Er musste sich eingestehen, dass er nicht hundertprozentig damit gerechnet hatte, dass sie dort anknüpfen würde. Nein, er hatte sich sogar bereits Worte zurecht gelegt, um ihr gewisse Dinge zu versichern und sie zu beruhigen. Allerdings musste er sich nun eingestehen, dass er Sunohara Madoka wohl leicht unterschätzt hatte, beziehungsweise die Loyalität, welche sie an Freundschaften vergab. Vermutlich konnte sie wirklich gut an ihrer eigenen Geschichte nachvollziehen, wie es ihm erging. Wenn er so über ihren Vater nachdachte, über ihre tote Mutter und die Tatsache, dass sie sie schrecklich vermissen musste. Nicht nur sie, sondern auch ihr Vater und ihre Schwester. Tokis Gesichtszüge wurden gar weich, sich mit der Hand in den Nacken fuhr und leicht verschmitzt lächelte. Ja, vielleicht war Setsuna Madokas Vater in der Hinsicht ähnlich, aber auch das würde er sich nie selbst vor Augen führen und sagen sollte man es ihm auch nicht. Toki konnte sich schon denken, was der Junge ihm dann vorhalten würde. Sie hatte Recht. Zu viel Angst, sich irgendwem irgendwann wieder zu öffnen. Ob Setsuna aber noch früh genug von Menschen berührt werden konnte, da musste der Jônin doch schon die Stirn runzeln. Er wollte es nicht, aber er wusste, dass es ein Wunschdenken war, dass Madoka noch besaß. Wenn Toki nämlich auf die Wochen, Monate und Jahre zurückblickte, dann war er sich hier nicht so sicher. Es gab einfach Menschen, die er auch so ins Herz geschlossen hatte. Die sich gar nicht ihren Platz dort erkämpfen mussten. Der Unterschied bestand lediglich darin, dass der Jüngere es nicht einsehen wollte, dass er es zugelassen hatte. Zumindest bei den anderen, wenn man von Shiranami und Madoka absah. “Nun, ich bin sicher, dass du ihn sehr gut dazu zwingen kannst, aber ich würde dir von mir zu dir raten, dass du noch eine kleine Pause einlegst. Du bist nicht um sonst im Krankenhaus.“ Es waren ebenfalls belehrende Worte, doch aus Tokis Mund klangen sie ein wenig umgänglicher, denn er meinte es wirklich nur gut mit ihr. Und er sagte sie mit einem Lächeln. “Hm... er sagte mir immer, es sei Schilffarben und nicht wie Moos...“ Kurz darauf richtete sich Toki auf, denn er hatte auf die Uhr gesehen und entschieden, dass er schon lange genug hier herum saß. Immerhin hatte diese Geschichte viel Zeit in Anspruch genommen und er wollte Madoka eigentlich nicht überstrapazieren. Zudem hatte er das Gefühl, dass alles wichtige gesagt worden war und dass sie damit klar kam. Sie schien neuen Mut gefasst zu haben – auch anhand ihrer Worte. Was sollte er noch hinzufügen? Toki überlegte kurz, bevor er sich nochmals an sie wandte. “Du bist eine wunderbare Freundin, Madoka – das sehe ich ohne weiteres. Aber bilde dir anhand dieser Geschichte nun kein mitleidiges Bild von ihm. Du sieht nämlich richtig, wenn du dir selbst sagst, dass man sich mit solchen Gedanken verpestet. Dränge ihn nicht darauf, sich deiner anzunehmen – das kommt schon von ganz alleine, sonst hättest du wohl auch nie eine Freundschaft und mehr erwirkt, nicht wahr?“ Ein wissendes Lächeln zeichnete sich auf den vorherig ernsten Gesichtszügen ab. “Manchmal denke ich, es ist besser, wenn er damit abschließen kann und sich selbst nicht damit belastet. Es wäre besser, wenn man ihn nicht daran erinnert, was geschehen ist... aber es macht ihn zu dem Menschen, dem er ist und ich glaube eindeutig nicht, dass ich der einzige bin, der ihn im Grunde genommen irgendwie anders haben möchte, oder?“ Mit diesen Worten wandte sich Toki zur Tür und deutete im Gehen nochmals auf Madokas Nachttisch. “Er wird nebenbei ohnehin nochmal kommen, denn er hat den Besucherausweis vergessen und ich glaube nicht, dass er ihn missen möchte.“

Es dauerte vielleicht rund zehn Minuten, bis die Tür sich aufs neue öffnete. Nicht schnell, als dass man sagen könnte, dass sie aufgestoßen wurde. Aber auch nicht zu langsam. Im Gegensatz zu Toki lies Setsuna sich ein wenig Zeit, ehe er in den Raum trat. Kein Wort kam ihm über Shiranami über die Lippen, doch seinem Gesicht war anzusehen, dass er sich Sorgen gemacht hatte. Nur die Stirn legte sich leicht in Falten, als er den Besucherausweis, den er zuvor vergessen hatte, in den Blick nahm. An Madoka gewandt wollte er eigentlich kein Wort verlieren, denn aus seiner Sicht, hatte er zuvor alles gesagt, was gesagt werden musste. Und so ging er schließlich einfach auf jenen Nachttisch, auf welchen Akari den Ausweis gelegt hatte, nahm ihn und besah ihn sich. “... Ich werde dich nicht besuchen, falls du es nicht wünscht. Sollte dies der Fall sein, wäre es am besten, du äußert diesen Gedanken jetzt.“ Ein kurzer Blick glitt lediglich in ihre Richtung, während seine Finger mit dem Stück Plastik spielten, welches doch eine wichtige Erlaubnis von sich geben konnte.
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BeitragThema: Re: Krankenhaus II   So Jul 06, 2014 3:01 pm

Sie lag schließlich einfach im Bett, als die Tür ins Schloss gefallen war. Ihre Augen waren geschlossen, die Hände im Schoss über der Decke ineinander gefaltet. Sie hatte endlich einige Minuten Ruhe und konnte nachdenken. Auch wenn sie nicht missen wollte, dass Shôhei bis eben hier gewesen war und ihr erzählt hatte, was es mit Setsuna eigentlich auf sich hatte. Er würde noch vorbei schauen, aber für diesen Moment atmete sie einfach vor sich hin, versuchte die Wellen ihres Gefühlsozeans einzudämmen und sich zu konzentrieren. Setsuna war dabei nicht einmal an erster Stelle. Größere Sorgen bereitete Madoka momentan die Sache mit ihrem Vater. Es war eine Sache, wenn sie beide nicht verarbeiten konnten, was mit Kotomi Sunohara passiert war, aber eine andere, wenn jemand fahrlässig fast getötet worden war. Er hatte es gestanden. Würde er sich nun selbst anzeigen? Sie war wütend auf diese herzlose Tat, aber wollte gleichsam nicht, dass ihr Tô-san ins Gefängnis kam. Das würde er einerseits nicht verkraften, andererseits zeigte er bereits genug Reue. Eine Strafe verfehlte doch nur ihren Sinn.
Sie grübelte und grübelte. Manchmal schlug sie die Augen auf, manchmal drehte sie die Daumen umeinander. Dann kam irgendwann Setsuna zurück, der die Karte mitnahm, die Akari hier gelassen hatte. Madoka sah ihn dieses Mal sogar wieder an, hatte allerdings kein Lächeln mehr im Gesicht. Sie sah einfach normal aus, erschöpft, aber ernst und durchschnittlich. Seine Worte klangen wieder etwas schneidend, aber dieses Mal wirkten die Worte seines Onkels wie ein schützender Balsam, der Madoka davor behütete allzu sehr verletzt zu werden. Dennoch würde sie innerhalb eine Viertelstunde keine große Kehrtwende machen. Gestritten hatten sie sich, das vergaß sie nicht. So sagte sie nur: "Schon in Ordnung. Benutze den Ausweis ruhig." Knappe, prägnante Worte, die dieser Situation gerecht wurden. Ob er danach einfach ging? Sich vielleicht Shiranami widmete oder seinem Onkel folgte? Madoka fiel zumindest kein Grund ein, warum er hier bleiben sollte. Sicherlich wollte er sich wieder davor bewahren verletzt zu werden.
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BeitragThema: Re: Krankenhaus II   Mi Jul 09, 2014 7:57 pm

Es dauerte einen kleinen Moment, ehe Madoka antwortete - so schien es ihm und in gewisser Hinsicht verunsicherte es ihn. Zwar nicht bewusst, aber dieses Gefühl war da und er fragte sich, ob seine Worte in irgendeiner Art und Weise zu offensiv gewesen waren. Sicherlich würde eine neutrale Person es nachvollziehen und als logischen Ausweg ansehen können, denn immerhin entsprachen sie ja der Wahrheit. Dennoch kreisten seine Gedanken vielmehr um seinen kleinen Bruder und Madoka blendete er im Gegensatz hierzu gerade eher aus: Shiranami. Im Krankenhaus. Alleine. In einem Zimmer. Setsuna hatte immer noch das bleiche, aber lächelnde Gesicht vor sich. Ein kleiner Bruder, der mit die einzige Person war, die ihm Freundlichkeit entgegenbrachte, wenn er den Raum betrat. Doch der Jôcho war nicht so naiv, sich nach einer solchen Freude auf eine beständige Art und Weise zu sehnen - nein, lieber nahm er es einfach hin und akzeptierte es. Ertrug solche Kleinigkeiten stoisch, da sie für ihn nicht mit seinem doch eher geregelten Tagesablauf kollidierten.
Es schien fast so, als sei er gänzlich in Gedanken versunken und als er die Antwort der Schilfgrünhaarigen vernahm, musste er zunächst ein paarmal blinzeln. Eigentlich war er immer auf eine Situation fokussiert, doch gerade könnte man unter Umständen verstehen, wenn sich seine Wünsche eher um Shiranamis Genesung rankten und nicht um Madokas. Klar, er wollte, dass sie wieder gesund wurde, doch im Gegensatz zu Shiranami schien es ihm nicht so, als ob sie dauerhaft hierunter leiden würde. Körperlich zumindest nicht. Außerdem erinnerte er sich auch noch an mehrere Szenen, in welchen die junge Kunoichi ihre Willenskraft gepriesen hatte. Mit Worten und mit Taten. Und davon war nicht nur seine Brille ein Zeugnis.
Als er sie ansah, rang er sich ein gequältes, seltenes Lächeln ab und steckte den Ausweis ein, der ihm die Besuche auch offiziell genehmigen würde. Ihm war nicht entgangen, dass sie endlich etwas zu sich genommen hatte. "Das werde ich tun." Die Mundwinkel büßten wieder ihre ohnehin geringe Höhenlage ein und wurden wieder ebenmäßig. "Erhole dich gut, werde gesund und übertreibe es nicht." Kurz verzog er das Gesicht, entsann er sich doch noch an ihre Worte zwecks Training, welche er keinesfalls gebilligt hatte. Zwar kannten sie sich eigentlich gut - und er hatte keine Ahnung, wie gut sie ihn wirklich kannte -, doch in gewisser Hinsicht bewegten sie sich immer noch auf einem sehr zerbrechlichen Weg aus Glas irgendeinem Ziel entgegen, von dessen Existenz sie beide nichts wussten. "Auf Wiedersehen", sagte er schließlich und drehte sich um. Mit gleichmäßigen Schritten verließ er das Krankenzimmer, drehte sich dabei nicht noch einmal um. Auch nicht, als er die Tür schloss. Im Gang seufzte er und lehnte sich für einen Moment nachdenklich gegen die Wand, woraufhin er aber den Kopf schüttelte und seiner Wege ging.

tbc: ???
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BeitragThema: Re: Krankenhaus II   Sa Jul 19, 2014 2:32 pm

Timeskip von drei Tagen

"Ich brech dir jeden verdammten Knochen, ich schwör's dir." "Und ich schmelze dir deine Haut, auf dass du nie wieder die Luft ohne Schmerz spüren kannst." Madoka verzog angewidert das Gesicht, während ihr zwei Fratzen entgegen blickten, die einen miesen Tag gehabt zu haben schienen. Ihr alter Sensei hing in dem Stuhl für Besucher als wäre sie in einer Bar für Erwachsene. Ihre ehemalige Kameradin lehnte neben ihr mit verschränkten Armen an der Wand und starrte zu Madoka. Mit dem, was sie sagten, war nicht zu spaßen. So saß die Sunohara gekrümmt in ihrem Bett, seufzte entrüstet und machte dann eine beruhigende Handbewegung. "Schon gut, schon gut. Ich schieb das Training noch ein paar Wochen auf." Daraufhin grinste Sayoka stolz, lehnte sich zügig vor und klopfte Madoka lobend auf das Knie unter der Decke. "Wundervoll! Es steckt ja doch ein Funken Vernunft in dir." Mit einem trägen Lächeln erwiderte die Grünhaarige diese Aussage, sah dann von Sayoka zu Rinoka und fragte: "Hat sich schon viel herum gesprochen bei den Jungs und Mädchen?" Gemeint waren die ganzen Teenies ihres Jahrganges, die mehr oder minder zwischen Erwachsensein und postpubertärem Stress steckten. Wovon die 18-Jährige sprach, war letztlich auch die Sache mit ihrem Vater. Nachdem man sie auf ein Zimmer der Normalstation verlegt hatte, hatte sie nochmal mit ihrem Vater gesprochen. Ryuichi zeigte eine Reue, die sie ihm nie zugetraut hätte. Sie sprachen sich nicht so aus, wie es vielleicht nötig gewesen wäre, allerdings entschuldigte er sich immer wieder, erzählte es auch Nagisa und fügte sich allem, was sie aus ihren Emotionen heraus und für die Kinder entschied. Der einzige Mann unter den Sunoharas brachte sich selbst zur Anzeige. Einige Ninjas und Ärzte vernahmen ihn. Es war für die da oben wohl eine Routineangelegenheit, aber dem Alten schlug es sehr auf das Herz. Er rauchte unregelmäßiger als vorher, doch duldete, was mit ihm passierte, da er nicht wollte, dass er nochmals jemandem so schadete. Aufgrund unterlassener Hilfeleistung und fahrlässiger Körperverletzung ereilte ihn eine für ihn hohe Geldstrafe sowie eine Haftstrafe von einem halben Jahr. Wäre er nicht so zerstreut und reumütig gewesen, wäre es noch mehr geworden. Es tat Madoka weh ihren Vater im Gefängnis zu wissen, andererseits war sie froh, dass er solch eine Einsicht gezeigt hatte und sich selbst stellte. Während dessen kümmerte sich Spezialisten um ihre Wohnung, die später noch mit ihr sprechen wollten, wenn es Ergebnisse gab.
Rinoka verlor das zynische Grinsen in ihrem Gesicht und blickte ernst drein. Ihr Gothic Lolita-Kleid ließ sie deplatziert wirken. Passender wäre wohl der Friedhof gewesen. "So weit ich weiß hat keiner eine Ahnung davon, dass Sunohara-san sich selbst angezeigt hat und im Gefängnis ist. Allerdings tratschen einige darüber, dass er dich im Krankenhaus alleine gelassen hat." "Ach, das ist mir egal." Im nächsten Moment schlug Madoka die Decke zurück, drehte die Beine zur Seite und wippte mit den Füßen, bevor sie die beiden Frauen nochmal ansah. Sie wirkte immer noch matt, aber hatte gestern Abend immerhin seit Wochen ihre erste vernünftige Dusche bekommen. Das war beinahe wie eine zweite Geburt von einem selbst gewesen. "Was hast du vor?" "Ich möchte gern hier raus. Ich sehe diese Wände schon oft und lange genug jeden Tag. Kommt einer von euch mit in die Stadt?" "Darfst du denn soweit weg?" "Ja, an sich habe ich ja alles überstanden. Ich bin nur noch nicht so stark, wie ich es sein sollte. Solange ich sitze, ist alles okay hat Doktor Iriye gesagt." "Dann spricht ja nichts gegen einen Ausflug. Krankenhausalltag ist für Shinobi abseits von Iryônin wirklich eine Tortur. Allerdings kann ich dich nicht ausführen. Ich muss in einer halben Stunde bei den Trainingsplätzen sein. Genin hüten." "So wie immer, was?" Sayoka zwinkerte zustimmend, stand auf, streckte ihren ansehnlichen Körper gähnend und streichelte den Mädchen dann über ihre Köpfe. "Vertragt euch. Bis dann." Sie verließ das Zimmer und Rinoka machte sich anschließend daran für Madoka den Rollstuhl herbei zu holen. Sie half ihr hinein und drehte ihn dann umher, um ihn zur Tür zu schieben. Sie gaben dem Personal Bescheid, dass sie in die Stadt gehen würden und brachen dann auf.

tbc: Akademiegelände
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BeitragThema: Re: Krankenhaus II   So Jul 20, 2014 1:51 pm

cf: Akademiegelände

Die bräunlichen Augen verengten sich gefährlich als Takeo mit seiner "Last" durch den Eingang des Krankenhauses trat. Ein wenig unkonventionell hatte er sich den Jôcho über die Schulter geschmissen, der eine unverständliche Beleidigung gehustet hatte. Oder dass er ihn loslassen sollte? Takeo wusste es nicht mehr, doch hatte er Madokas Bunshin kurzum für zu lastig erklärt, denn für die Gute war es ohnehin ein Chakraverbrauch gewesen, den sie nicht hatte tragen dürfen. Und einmal ganz abgesehen davon: Welcher Kerl stand schon einfach nebendran, wenn eine Frau die Last trug? Vermutlich hatten die beiden ihn genug gescholten, aber Takeo war eben so unkonventionell und trug den Kameraden nicht im Brautstil. So ging es für ihn einfach schneller und er konnte ihn auf eine Trage verfrachten... wenn ihm einmal jemand entgegen kam. Wahrscheinlich würden Rinoka und Madoka sogleich eintreffen, aber er sah sich nun fiebrig nach jemandem um, der sich ihrer annehmen konnte.
Was das Wichtige war, das Takeo nicht wusste, war, dass Setsunas Wunde wieder zu bluten begonnen hatte und der rote Lebenssaft auch langsam den weißen Pulli des Helfers durchtränkte. Dazu noch das ebenso wie mehrere Rippen gebrochene Handgelenk und natürlich die Platzwunde am Kopf. Wie doof musste es aussehen, wenn ein Junge mit nacktem - mit Hilfe einer Jacke verbundenen - Oberkörper über der Schulter eines anderen lag, dessen Knie einfach nur zitterten und dann zu einer weißhaarigen Person blickte, die aussah wie eine Ärztin. "W-Wir brauchen Hilfe...!", war alles was er herausbrachte und seine Fantasie trug ihm sogleich eine Stimme zu Ohren, die ihm eröffnete, dass dieser Ausruf vollkommen unnütz und unlogisch wäre, da doch wohl jeder Idiot sehen könnte, dass dies der Fall war. Die schmerzliche Erinnerung ließ Takeo fast zusammensacken. Normalerweise war er niemand mit wenig Ausdauer, aber seine Nerven lagen blank, weil er die ganze Tatsache einfach noch nicht verkraftet hatte. "Wir haben versucht die Blutung zu stillen... aber..." Er brach ab, als sich etwas regte. Auf seiner Schulter. Aus dem Augenwinkel wünschte er sich zu sehen, dass der eigentliche Freund die Augen aufschlug, doch stattdessen hatte er es sich wohl eingebildet. Auf dem Weg hierher hatte er fast erleichterst festgestellt, dass die Bewusstlosigkeit endlich hereingebrochen war und der Körper sich zumindest ausruhen konnte. Sobald er Setsuna in die Obhut der Ärzte gegeben hätte, würde er sich wohl nach einer womöglich stundenlangen Operation auf eine Bank setzen und anschließend entweder in das Zimmer gehen oder sich ziemlich große Vorwürfe machen. Nun aber..... Flehentlich sah er sich um. Sabejin Takeo war niemand, dem so etwas nicht nahe ging und der immer seine Gefühle zeigte - wahrscheinlich hatten sie sich deshalb immer gestritten.
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Hatake Mayura
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BeitragThema: Re: Krankenhaus II   So Jul 20, 2014 9:49 pm

cf: Büro des Hokage

Heute Mittag erst war sie noch bei ihrem Mann gewesen. Zusammen waren sie daraufhin Nachhause gegangen und hatten sich noch zwei schöne Stunden gemeinsam gemacht, bevor Mayura zur Arbeit ging. Und diese zwei Stunden hatten es in sich ... Viele Erdbeeren und viel Schlagsahne waren dabei gewesen. Umso unschöner war es dann, als sie das beenden mussten und Tenzou ebenfalls zur Arbeit gehen musste, während sie ins Krankenhaus ging. Ja, heute war sie wieder einmal an der Reihe damit, im Krankenhaus von Konohagakure zu arbeiten. Sie war in letzter Zeit häufig auf Missionen gewesen und hatte deshalb gar nicht wirklich viel Zeit gehabt, um auch mal im Krankenhaus aushelfen zu können. Nun hatte sie endlich die Zeit dafür gefunden. Vieles war geschehen in der Zeit, in der sie nicht hier gewesen war. Neue Gesicht und doch waren da auch altbekannte dabei. Mayura grüsste hier und da immer mal wieder jemanden und begab sich dann mit Euphorie an die Arbeit. Generell arbeitete sie nämlich gerne im Krankenhaus, es war eine nette Abwechslung zu Missionen, die tatsächlich manchmal sehr nervenaufreibend waren.
Mayura war gerade dabei, einige Daten in auf ein Blatt zu notieren, als sie die Stimme hörte. Sie wirkte aufgeregt und auch irgendwo verzweifelt. Ihr Kopf hob sich und ihre zweiverschieden farbenen Augen erkannten einen jungen Mann mit einem ebenfalls jungen Mann über der Schulter. Zuerst erkannte sie nicht, wer es war, doch als der Unbekannte näherkam, erkannte sie, dass es Setsuna war, den er über der Schulter hatte. Und sie erkannte Blut. Viel Blut. Mayura reagierte sofort. "Schnell, eine Liege, schnell!", rief sie zwei Schwestern zu, die gerade dabei waren, einen Kaffeeklatsch zu führen. Diese erschracken zuerst, bevor sie sich beeilten eine Liege herzuholen. Vorsichtig wurde Setsuna dann auf dieser abgelegt, bevor Mayura gleich vor Ort eine grobe Untersuchung durchführte. Was passiert ist, fragte sie noch nicht einmal, dafür blieb keine Zeit. Es sah schlimm aus, alleine dem Ausdruck des unbekannten Mannes konnte sie das ablesen, weshalb sie handelte, anstatt zu fragen. "Sie bleiben hier. Es sieht nicht gut aus, er hat viel Blut verloren. Wir müssen ihn notfallmässig operieren.", mehr sagte sie nicht, mehr konnte sie nicht sagen. Es sah nicht gut aus, aber natürlich bestand die Chance, dass er durchkam. Mayura atmete tief durch, während sie Anweisungen gab, den Patienten in einen Operationssaal zu bringen. Mayura blieb noch einen Augenblick länger stehen und sammelte ihre Konzentration. Das sie nun schon mit einer Operation konfrontiert wurde, war etwas überraschend für sie, aber es war nicht irgendeine Person, die hier gerade eingeliefert wurde, es war Setsuna! Der Setsuna, mit dem sie auf Mission war, den sie womöglich besser kennengelernt hatte, als es Setsuna gewollt hatte. Sie erinnerte sich noch gut an ihn, an diese Seite, die so völlig anders war, als er es sonst war.
Und dann ging sie in den Operationssaal.
Es ging noch etwas, bis alles für die Operation vorbereitet war, doch letzendlich begann sie dann. Sie hatte die Führung inne, weil kein anderer Iryounin so schnell zur Stelle war. Immer wieder hatte Mayura sich gefragt während der Operation, ob sie wirklich alles richtig machte, ob es keine Folgeschäden geben würde, ob sie Setsuna das Leben retten konnte ... Und am Ende ... Atmete sie tief durch, wischte sich mit dem Handrücken über ihre Stirn und stellte fest ... Sie hatte es geschafft. Mit viel Anstrengung und viel Konzentration. Ihr Chakra war aufgebraucht, ihr blieb nur noch das übrig, was sie für sich selbst brauchte um nicht gleich in ohnmacht zu fallen. Nach der Operation - es waren drei Stunden vergangen - verliess sie den Raum, warf die blutigen Handschuhe weg und lehnte sich kurz an die Wand. Sie starrte einfach nur gedankenverloren an die Decke, bevor sie sich erinnerte, das der eine unbekannte Mann noch hier war. Sofort eilte sie zu diesem und teilte ihm die gute Nachricht mit. Einige Brüche mussten mit der Zeit verheilen, dennoch hatte sie das Wichtigste geheilt und alles andere soweit auf den Weg zur Heilung gebracht, dass es eigentlich keine grossen Folgeschäden geben dürfte.
Es vergingen einige Stunden, Mayura hatte sich nach der Operation erholen müssen. Sie hatte sich einen Kaffee geholt und hatte sich in ein leeres Zimmer gesetzt, alleine mit dem Kaffee und ihren Gedanken.


Zuletzt von Hokusai Mayura am So Jul 20, 2014 10:35 pm bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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BeitragThema: Re: Krankenhaus II   So Jul 20, 2014 10:31 pm

Wie lange dauerte es? Takeo wusste es nicht, aber ihm war grässlich zu Mute. Zum einen weil er mal wieder das Gefühl hatte, überhaupt nichts machen zu können, zum anderen weil er begriff, dass er einen gewissen Denker echt vermissen würde, würde er nun ins Gras bleiben. Das schlimme an der Sache war auch noch, dass er gerne in Sport oder Übungen seinem Frust freien Lauf lies, oder seine Klappe aufriss – beides war jedoch in einem Krankenhaus nicht möglich. Also saß er am Rand auf einer Bank und nahm weder Rinoka noch Madoka wirklich war. Stattdessen hatte er die Ellbogen auf seine Knie gestützt und bettete seine Kopf in den Handflächen. Endlose Stunden saß er so, haderte mit sich und schließlich stand er auf, um sich einen Kaffee aus dem Automaten zu holen. Schlechten Kaffee, aber was sollte es? Auch Madoka und Rinoka brachte er kommentarlos jeweils einen Becher mit. Dann blieb er stehen, lehnte sich gegen die Wand und sah einfach auf die Uhr dort oben an der Wand. Blickte dann den langen Gang entlang. Sah die Schwestern. Die Akten. Überall die Kranken und fragte sich, ob er am Ende lächelnd oder verzweifelt aus diesem Gebäude gehen würde. Eines von beidem sicherlich und er hoffte sehr, dass es nicht letzteres wäre. Es war komisch, wenn er so darüber nachdachte, denn sie hatten sich mehr oder minder offenkundig gehasst. Nur nicht auf eine „böse“ Art und Weise, denn genau das hatte sie ja zusammen geschweißt. Wenn der eine den Stolz des anderen akzeptiert hätte und auf ihn zugegangen wäre, was hätten sie dann alles erreichen können? Und wieso kam ihm diese Einsicht erst jetzt, wo es vielleicht zu spät war? Er hoffte, er könnte diese Meinung noch ändern, wenn ihm die neuste rationale Gemeinheit an den Kopf geschmissen wurde. Wirklich, er hoffte es inständig.
“Das wird schon...“, murmelte er schließlich vor sich hin, nachdem er auf die beiden Kunoichi geblickt hatte. Keiner von ihnen schien es gut zu gehen, aber wer mochte es ihnen schon verübeln? Takeo wartete ewig. Wartete und wartete und hätte am liebsten die Wand eingetreten.
Schließlich aber schien das Schicksal endlich Erbarmen mit ihnen zu haben und Hokusai Mayura, wie er auf dem Schild las, brachte ihnen die gute Neuigkeit. Eine erleichternde und so glaubte der Orangehaarige, er müsse sie kurz umarmen, in Jubelschreie ausbrechen und diesen Boden küssen. Doch stattdessen atmete er einfach durch und machte eine Siegesfaust. Er wusste sonst nicht, was er tun sollte, denn er war es nicht gewohnt, seinen Gefühlen nicht freien Lauf zu lassen. Stattdessen konnte er es kaum erwarten in jenen Raum zu gehen, in welchem sein Freund lag, während die Weißhaarige Iryônin sich vermutlich bei einer Kaffeepause erholte. Kaum hatte Takeo die Tür geöffnet, nahm er schon den Geruch nach Krankenhaus wahr, der in solchen Zimmern umso stärker wurde. Nur regte er sich nicht darüber auf – nein, er kräuselte die Augenbrauen und blickte auf dieses Etwas von Mensch, das unter einer weißen Decke seelenruhig vor sich hinvegetierte und sich auszuschlafen schien. Die Gesichtszüge merklich entspannter. Das linke Handgelenk geschient und vermutlich einen dicken Verband um den Brustkorb inklusive Rippen. Ein Teil lugte sogar im V-Ausschnitt des typischen Oberteils eines Patienten hervor. Es war merkwürdig diesen Kerl so zu sehen, fuhr es Takeo durch den Kopf, doch das machte er nicht laut kund. Eher schüttelte er den Kopf und konnte nicht fassen, dass diese Frau dieses Wunder vollbracht hatte. Dankbar nahm er sich einen der beiden Stühle und setzte sich auf diesen. An den Fuß des Bettes – so wie es Jôcho Shôhei bei Madoka nur wenige Tage zuvor getan hatte. “Gott.... ich darf nun nicht weinen und ich darf nicht laut werden, weil sonst...“ Er rang sich ein Lächeln ab und tippte unvermittelt mit Zeige- und Mittelfinger auf den Unterschenkel des Dunkelhaarigen. Keine Reaktion. Natürlich nicht. Vermutlich schlief er noch... länger. Oder auch nicht? Takeo hatte mal wieder keine Ahnung.
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BeitragThema: Re: Krankenhaus II   So Jul 20, 2014 11:09 pm

cf: Akademiegelände

Takeo war auf halben Weg auf die Idee zu kommen Setsuna zu übernehmen und möglichst schnell ins Krankenhaus zu sprinten. Der Bunshin verschwand daraufhin, Rinoka und Madoka wurden als Duo mehr oder minder zurückgelassen. Letztere übte kein großes Gewicht aus, aber der Rollstuhl war umso eigensinniger, während die Weißhaarige sich beeilte die eigentliche Patientin voranzuschieben, damit sie auch im Krankenhaus ankamen. Die nächsten Stunden konnten man eigentlich nur in einer rapiden Zeitraffer erzählen. Die Mädchen kamen in der Lobby an, wo einige Gesichter des Ärzteteams Madoka sofort erkannten. Sie grüßten sie und schienen auch Kenntnis davon zu nehmen, dass sie nach einer stundenlangen Abwesenheit wieder eingetroffen war. Doch die Hektik nahm Überhand. Man hatte Setsuna bereits aus den Augen der Gäste entfernt und in den OP gesteckt, als sie eingetroffen waren. Da gab es keine Möglichkeit zu ihm zu kommen. Für diesen anfänglichen Moment brachte Rinoka Madoka auf ihr Zimmer und blieb bei ihr, da ihre betreuende Ärztin Iriye von den Situationen in Kenntnis war und das Mädchen überprüfen wollte. Sie hörte sie ab, injizierte ihr etwas, das unaussprechlich war und gab ihr Anweisungen, als hätte sie nicht schon genug gegeben. Setsuna wurde derweil operiert, wo Madoka eine halbe Stunde auf ihrem eigenen Zimmer verbrachte, ehe sie und Rinoka zu Takeo marschierten, der auf einem Flur auf einer Bank hockte. Im Krankenhaus bewegte die Sunohara sich größtenteils ohne Rollstuhl. Dafür hatte sie dann doch genug Kraft. Im Vergleich zu den Intensivpatienten trug sie aber auch keine Patientenkleidung mehr, sondern eine normale Jeans und ein hellblaues Top mit dunkelblauer Jeansjacke. Sie wirkte stattlicher als bei ihrem eigenen Erwachen, auch wenn ihr immer noch das alte Gewicht fehlte. So hockte sie sich neben ihre Kameradin, nahm irgendwann den Kaffee von Takeo entgegen und ließ den Stunden verstreichen, die quälend ihr Herz umklammerten.
Schließlich war es dann soweit, dass die Damen von ihren Stühlen hochstürmten, als die Operation als beendet erklärt worden war. Setsuna hatte es überstanden, was allen einen beträchtlichen Stein vom Herzen fallen ließ. Wie getriebene Schatten beeilten sie sich in sein Zimmer zu kommen in dem er ruhte. Wie man sofort erkannte mit diversen Apparaten und geschlossenen Augen in einem der technisch aufgewerteten Betten. Der Anblick war kläglich. Es kam Madoka vor als würde sie durch einen Spiegel gucken. Sie selbst, während Setsuna sie betrachtete. Er hatte ihr die Blumen ans Bett gestellt. Ein Ausdruck von etwas in seinem Inneren, das er so kalt und hartnäckig verteidigte, um es nicht zu zeigen. Wie lange ging das noch weiter? Takeo nahm Platz und drückte aus, dass er sich beherrschen musste. Als ein alter Teamkamerad von Setsuna hatte er eine stärkere Bindung zu ihm als Rinoka. Sie war die mit der größten Distanz, aber in Madoka rumorte es am meisten. Sie stand wie festgefroren schräg vor dem Fußende des Bettes, hatte die Arme an die Brust gedrückt und traute sich nicht an diesen Jungen heran, der dort lag. Zu groß war das Entsetzen über das, was binnen der letzten Stunden passiert war. Es kam immer mehr und wollte nicht aufhören. Sie hätte fast das Zeitliche gesegnet, ihr Vater gestand ihr alles Mögliche, lieferte sich selbst ins Gefängnis, sie war ans Krankenhaus gefesselt, nun dieses familiäre Blutbad der Nara, auch wenn Setsuna keiner von ihnen war. Rinoka stand ähnlich hilflos neben der Grünhaarigen und wusste nicht, was angebracht war. "Ich verstehe nicht, wie man so etwas machen kann. Ich habe keinen Bruder, aber- Wieso?" Madoka ahnte in irgendeiner Weise diverse Dinge. Sie wusste mehr als die anderen beiden, doch würde einen Teufel tun ausgerechnet ihnen das zu erklären. Sie atmete zitternd ein, zog sich den anderen Stuhl herbei und betrachtete den Schwarzhaarigen eingehender. Ihr eigenes Gesicht war von Tränen und Stress zerfurcht, wieder so, als wäre sie frisch vom Koma erwacht. Setsuna wirkte fast so als wolle er ihr Konkurrenz darin machen. "Die Zeit wird heilen, was Sasuke gemacht hat, aber die Narbe bleibt für immer." Rinoka trat dabei ans Bett, legte die Hände auf die Metallstange des Fußendes und beobachtete die Runde an Angehörigen, zum Ende hin Madoka. "Wie wird er damit umgehen?" "Ich weiß es nicht. Wahrscheinlich ... frisst er es auf und will nie wieder darüber reden. So wie immer." Bei dem Gedanken daran wurde Madokas Herz auf eine melancholische Weise betäubt. Sie erinnerte sich an die Streitereien, alles, was passiert war und wie sie sich voneinander entfernt hatten. Gequält beugte sie sich vor, legte den Kopf auf die Bettkante und verschränkte auch die Unterarme dort, sodass man ihr Gesicht nicht sehen konnte. Sie sagte nichts, verharrte so. Rinoka erhob auch kein Wort mehr und ließ das Gesagte so stehen.
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BeitragThema: Re: Krankenhaus II   So Jul 20, 2014 11:30 pm

Während Takeo und die anderen beiden jungen Frauen an seinem Bett standen oder auch gezwungenermaßen saßen, bekam Setsuna von alledem nichts mit. Er wähnte ich eher in Dunkelheit und konnte sich keinen Reim darauf machen, weshalb es so dunkel war. Er wusste, er hatte Schmerzen gehabt und er wusste auch sehr wohl, dass er vermutlich dem Tod ziemlich nahe gekommen war... nur war er nicht tot. Er spürte seinen Herzschlag in seiner Halsschlagader, doch war hier nirgends ein Licht. Es war dunkel und er hörte hier und da vielleicht in weiter Ferne ein Scheppern. Vermutlich war es in Wirklichkeit eine Schwester, die mit dem Wagen einer anderen zusammenstieß, doch das ahnte er nicht. Wusste er nicht. Nein, spürte lediglich... eigentlich spürte er so gut wie gar nichts. Außer, dass sein Körper sich seltsam anfühlte. Taub. Er wollte sich bewegen, doch nichts schien zu gehen und aus diesem Grund spürte er nahezu eine scharfe Panik, die ihm vielleicht Schweiß auf die Stirn trieb. Oder auch nicht. Es war unwirklich und Setsuna glaubte im nächsten Moment rote Punkte hinter seinen Liedern zu sehen, bis er begriff, dass sie eigentlich gar nicht da waren und es Erinnerungsfetzen waren, die ihn heimsuchten. Im Traum. In der Bewusstlosigkeit. Er wusste es gar nicht, konnte es nicht einordnen und doch wollte er es. Man ließ ihn nicht aufwachen und so spürte er dieses Hämmern in der Brust, als ob es schon immer da gewesen wäre. Ein Hammerschlag, so zielsicher, dass er um ein Haar fürchtete, sein Herz würde auf Gund der Impulse aus dem Rhythmus gebracht werden. Aufhören zu schlagen. Doch das tat es nicht. Dieses mickrige etwas wollte weiter machen und sich an das kleine Elend klammern, das es noch hatte. Bei sich. In sich. Setsuna wusste es nicht wirklich.. er war müde... so unendlich müde... und doch hörte er sie.
Entfernt. Nicht nahe. Ganz weit weg. Als ob sie ihm von einem Schiff aus etwas zurufen würden, während er am Ufer stand. Im Sand. Und darin versank. Die Augen zu öffnen oder irgendetwas zu erwiedern, fühlte sich unmöglich an. Nicht machbar. Und doch spürte er diese wohl vertraute Nähe. Nicht nur, weil sie ihm schon längst bekannt war, sondern auch weil er unterbewusst immer noch ein Sensor war und Sinne waren schärfer, wenn man sich nicht auf alle gleichzeitig verlassen konnte. Er ahnte diese Präsenz, doch bewegte er sich nicht. Er atmete ein. Atmete aus. Die Stimmen kamen näher, rissen dann jedoch ab. Wieder. Und wieder. Und wieder... er sank zurück. Weiter in die Schwärze oder den Sand - er wusste es nicht. Aber er wollte aufstehen. Wollte sich aufrichten. Nur alles andere außer er wollte nicht. So kam es, dass nur ein einzelner kleiner Name über seine Lippen kam. Fast ein Flüstern, doch die Person direkt neben ihm würde ihn wohl hören. Madoka würde ihren Namen hören und sich unter Umständen einbilden, dass sie es gehört hatte. Denn mehr war es nicht gewesen. Nicht mehr als ein Hauch... und selbst Setsuna glaubte, er träumte und deshalb kam auch nichts weiteres mehr aus seinem sich taub anfühlenden Mund. Er war nicht wach, er schlief. Und doch nahm er wahr, dass er sich nicht einsam und verlassen ohne jeden Beistand in einem Raum befand.

Was Takeo betraf, so stützte er das Kinn auf eine Faust und begutachtete die Szene, die sich vor ihm abspielte. Er sah zu Rinoka, dann sah er zu Madoka und er wusste, dass er hier eigentlich nichts verloren hatte. Sicherlich war er froh um diese Wendung, doch ihm fielen ettliche Gründe ein, nicht lange hier zu verweilen. Vermutlich wäre es für sie beide unangenehm, wenn sie sich ins Gesicht blicken und sich eingestehen mussten, dass es keinesfalls mehr so sein würde wie früher. Dieses Nörgeln. Dieser Wiederstand. Dieser... Stein. "... Ich lasse euch mal alleine.... 'glaube kaum, dass ich ein guter Kandidat für Gefühlsausbrüche bei ihm bin... Der würd eh erst mal nen kurzen Schock kriegen, ehe ich mir Dinge anhören lassen darf... wie so eine alte Jungfer..." Verspielt verzog Takeo das Gesicht und richtete sich auf. "Hey, Rinoka. Soll ich euch vielleicht noch etwas aus der Cafeteria besorgen oder so?" Unter Umständen meinte er damit eher, ob sie Madoka nicht für einen Moment alleine lassen sollten. Oder auch ganz, damit eine Schwester nach ihr sehen konnte. Aber das musste Madokas Freundin selbst entscheiden.
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BeitragThema: Re: Krankenhaus II   Mo Jul 21, 2014 12:26 am

Sonderlich viel passierte in diesem Moment nicht. Madoka befand sich nach wie vor an Setsunas Bett, hatte das Gesicht auf den Unterarmen geparkt und hing in einer Schwebe. Rinoka betrachtete das Ganze argwöhnisch, hoffte aber irgendwo, dass es dem Jungen gut ging, damit es auch Madoka gut ging. Sie hatte versucht mit ihrer ersten Hilfe den Herren vor dem Absprung ins Becken voller Leichen zu bewahren. Ob das Zurückhalten ihr zu verdanken war oder doch einer begabten Iryônin, die alles getan hatte, um dem Ninja zu helfen, war nicht klar. Doch mit solchen Fragen wollte sie sich auch nicht auseinandersetzen. Mit einem schweren Seufzen stieß sie sich vom Bett ab und betrachtete Takeo, der wieder sprach. Er wollte gehen, das machte er klar. Doch seine Ansprache in Bezug auf die Caféteria schien irgendwo eindeutiger als eventuell gewollt. Die Weißhaarige tätigte einen Seitenblick auf die Freunde, die dort bei einander waren, nickte dann dem Orangehaarigen zu und seufzte. Eigentlich hatte sie mit dem Kerl nichts zu tun. Sie kannte seinen Namen, aber ansonsten war er nur irgendein Genin ihres Jahrgangs. Aber vielleicht war wenigstens eine gesittete Unterhaltung gegeben aufgrund dieser ernten Umstände. Sorge trugen sie ja beide. "Ich komme mal mit. Dann schau ich, ob ich was für Madoka finde. Wenn ja, dann bringe ich's dir nachher auf dein Zimmer. Bis dann." Sie sah abschließend in die entspreche Richtung, winkte dem Mädchen über die Schulter zu und marschierte dann irgendwie erleichtert aus dem Krankenzimmer. Draußen entwich die Luft ihren Lungen und sie murrte neben Takeo. "Wir kennen uns kaum, aber ich glaube, wir sind uns einig, wenn ich sage, dass dieser Tag verdammt beschissen läuft."
Madoka hörte schließlich nur noch die Tür ins Schloss fallen. Sie verharrte weitere Minuten in dieser Position als hätte sie geschlafen ehe sie ihren Kopf erhob und es wagte Setsuna anzusehen. In aller Ruhe, in all seiner Verletzlichkeit und ohne Hinderung von seiner Seite. Er trug seine Brille nicht, hatte keine eigene Kleidung und war wahrscheinlich mehr als nur entwürdigt worden. Diese Stichwunde würde eine Narbe nach sich ziehen, abgesehen von der Pause, die er wohl genau wie Madoka einzulegen hatte. Es gab so vieles, was gerade schräg und schändlich war. Aber sie war davon so betäubt, dass sie sich darauf nicht konzentrieren wollte. Abwesend stand Madoka auf, schob den Stuhl zurück und stützte sich mit den Handflächen auf der Bettkante ab, um sich über Setsuna zu beugen. Ihr Blick war traurig und verlassen. Da sie sich auch so fühlte, wenngleich sie gestern noch gedacht hatte, das irgendwie überwunden zu haben. Aber gerade wo sie ihn so musterte, glaubte sie, dass er ihren Namen gehaucht hatte. Oder dass ganz entfernt vielleicht jemand gerufen hatte. Noch vom Eingang des Krankenhauses aus oder sogar auf der Straße draußen. Es war so verdammt leise und dennoch da. Sie dachte mit einem Stirnrunzeln einfach, dass es von draußen gekommen war, doch nachsehen würde sie nicht. Was auch immer es war, es konnte warten. Sie würde hier jetzt nicht verschwinden. Sie sah allerdings auch, dass das hier noch Stunden dauern konnte. Wer wusste schon, wann er wach wurde und ansprechbar war? Träge kniete die Grünhaarige sich an die linke Bettseite, legte den Kopf samt Arme darauf und schloss erschöpft die Augen. Sie wirkte als hätte sie keinen Platz zum Schlafen gefunden und wäre neben einem Tisch eingenickt, aber sie blieb einfach so. Geschlossene Lider, ruhiger Atem, sie döste wirklich ein.
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